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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-09-07 · Heft 37 (7.9.1875) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 37 (7.9.1875)
Date
1875-09-07
Page
Seite 594 (sequence 6)
Language
German
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594 Talmudstellen, und daß die meisten seiner Citate in Talmud gar nicht existiren. nachgewiesen worden: hat man an dem einen Orte diese absichtlichen Falscher zum Schweigen gebracht, erheben sie dieselbe kreischende Stimme an einem anderen. Dennoch dürfen wir nicht ermüden, ihnen immer von Neuem entgegen zu treten. Es versteht sich, daß dies an diesem Orte selbst geschehen muß, um das Gift an der Stelle zu neutralisiren, wo und wohin es ausgespritzt worden. Hier, in diesem Blatte, soll nur ein Referat gegeben werden, damit dem allgemeinen Publikum, sowie der Nachwelt der Zusammenhang gezeigt und ein charakteristisches Bild unserer Zeit gegeben wird. Die „Fuldaer Zeitung" nahm die rohe Aeußerung eines jüdischen Burschen, von der es jedoch sehr fraglich ist, ob sie wirklich von einem solchen gethan worden, zum Borwand, um die sämmtlichen Juden mit den schwärzesten Farben zu malen. Sie knüpfte hieran den Vorgang in Neu- Sandec, wo der berüchtigte Halberstamm einen Juden in den Bann gethan, wofür er jedoch vom dortigen Gerichte zu sechswöchentlichem Gefängniß veruttheilt worden, um dem Judenthume die furchtbarste Aclion zu insinuiren. War der erste Angriff unbeantwortet geblieben, so konnte man auf Len zweiten nicht schweigen, und der hiesige Rabbiner vr. Enoch that dies in der wirksamsten Weise, indem er dem priesterlichen Redacteur der Fuldaer Zeitung nachwies, baß seine Absicht nur sei, Haß und Zwiettacht zwischen den Confessionen auszusäen und einer Religion und einem Stamme Verachtung zu bezeugen, denen der Stifter des Christenthums die größte Verehrung gezollt. Die allgemeine Billigung, welche diese Antwort fand, stachelte den Redacteur der „F. Z." um so mehr auf, sich seiner ganzen Wuth zu entladen. Aus der Rüstkammer des gedachten Rohling holte er sich die alten Beschuldigungen des Talmuds, zeihte die h. Schrift, Haß gegen Feinde zu lehren, und verbrämte dies mit Stellen von Fichte und Kant. Auch hierauf blieb ihm vr. Enoch die Replik nicht schuldig. Er erklärte: „Sämmtliche von der Fuldaer Zeitung unter Angabe der betrefienden Folien gebrachten Stellen aus dem Talmud, kommen in demselben gar nicht vor, sind demnach unwahr." Ferner erklärt sich der Rabbiner gern bereit, die betreffenden Originalien einem jeden Sachkenner zur Einsicht vorzulegeu; endlich sei er von einer Anzahl Gemeindemilglieder ermächtigt, für jede Nachweisung eines der 7 angegebenen Talmudcitate, falls solche, was er auf's Bestimmteste bestreite, als wahr befunden würden, zum Besten der hiesigen Armen die Summe von je „hundert" Mark zu versprechen. Bis jetzt ist der Versuch nicht gemacht worden, dieser Erklärung entgegen zu treten, und den Beweis zu liefern, der den Armen ein so bedeutendes Benefiz gebracht hätte. Wir glauben, daß die Fuldaer Zeitung zwar nicht gebeffert, aber doch zun, Stillschweigen gebracht worden ist. Graudeuz, im August. (Privatm.) Der hier erscheinende „Gesellige" hat vor Kurzem unter dem Titel „die Bibel und das Bibellesen" ein „Eingesandt" enthalten, welches die heftigsten Angriffe gegen die h. Schrift des A. T. brachte, und offenbar unter dieser Maske Haß und Verachtung gegen Judenthum und Juden schüren wollte. Eine Antwort blieb nicht aus, worin zugleich dem anonymen Einsender neben der Mißachtung auch die Unkenntniß der h. Schrift vorgeworfen wurde. Hiergegen replicirte der Einsender; aber wie es oft geschieht, indem er die ihm gemachten Borwürfe zurückweisen wollte, rechtfertigte er sie selbst, indem er sein Ziel so recht treffen wollte, schoß er über daffelbe hinaus. Mit den banalen Phrasen rühmte er die poetische Größe des A. T., bezüchtigte aber das Gesetz in gröbster Art. So behauptete er, Gott verbiete seinem Lieblingsvolke, sich untereinander zu betrügen, gestatte ihm dies aber gegen alle Andere, also jetzt auch gegen die Christen. Hiermit hatte der Mann sich selbst gezeichnet, und es ward dem Herrn vr. Baer nicht schwer, die Unwahrheit und die Bosheit dieser wie der anderen Behauptungen des Anonymus zu erweisen. Der Redacteur des „Geselligen" selchst stand nicht an zu erklären, daß jener Artikel nur in seiner Abwesenheit ausgenommen worden, und die gedachte Behauptung völlig unbegründet sei. Der Einsender hat seitdem geschwiegen. Es war dies ein Glied der langen Kette, die jetzt wieder einmal durch alle Länder klirrt. Schtvetz, 12. August. Am Dienstag wurde vr. Dankowitz aus Krakau, der am letzten Sonnabend unter allgemeinem Beifall seine Probepredigt gehalten hatte, mit Stimmeneinheit zum Rabbiner der israelitischen Gemeinde gewählt. (Herr Dankowitz ist ein talenwoller und sehr unterrichteter Mann, der in Krakau als Prediger thätig war. und es wirft ein grelles Licht auf die Zustände in dieser großen Gemeinde, daß dieser Mann es vorzieht, einer nur mäßigen deutschen Gemeinde anzugehören.) Nürnberg, 27. August. (Privatm.) Der jetzt hier versammelte Juristentag hat drei Juristen jüdischer Religion in sein Bureau gewählt, nämlich in den Vorstand Gerichtsanwalt Di-. Jaques von Wien, und unter den vier Schriftführern Advocat Geiger aus Frankfurt am Main und Advocat vr. Josephthal aus Nürnberg. Außerdem wählte die dritte Abtheilung des Juristentages den Stadtgerichtsrath vr. Rubo zu einem ihrer beiden Schriftführer. — vr. Jaques war Referent über die jetzt so vielfach ventilirte Frage: Hat der Staat die Verpflichtung, denjenigen zu entschädigen, der eine Untersuchungshaft bestehen mußte, wenn die Anklage gegen ihn nicht erhoben oder wieder zurückgenommen oder wenn er freigesprochen wird? Die Versammlung konnte freilich zu einem Beschlüsse nicht gelangen. Oesterreich-Ungarn. Wie«, 26. August. (Privatmiltheil.) Wenn Sie, Herr Redacteur, gegenwärtig wieder allzuoft über Angriffe auf Judenthum und Juden, und selten über eine richtige Würdigung der-

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