Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-09-07 · Heft 37 (7.9.1875) · p. Seite 592

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 37 (7.9.1875)
Date
1875-09-07
Page
Seite 592 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227014-3227052--33809-3303637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

592 Hetzen, und uns am liebsten sofortigem Untergänge preisgeben möckten. Es sind dieselben Künste, die sie im Mittelalter übten, und Schwert und Feuer dadurch über uns heraufbeschworen. Dennoch hat es ihnen selbst in jenen Zeiten nichts genützt, was hoffen sie gegenwärtig davon? Wir aber lasten uns nicht davon beirren, und stehen treu zu Religion, Gesittung und Cultur. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 22. August. Bor Kurzem erschien — was in der jüdischen Literatur für ein Schulbuch wohl noch nicht vorgekommen — „die Jubelausgabe" d. h. die fünfundzwanzigste Auflage der „Glaubens- und Sittenlehre für israelitische Schulen" vom Landesrabbiner Dr. S. Herxheimer «Leipzig, Roßberg, IST5.) Man kann wohl vom Herzen dem 75-jährigen Nestor der deutschen Rabbiner Glück wünschen, daß ihm diese Freude zu Theil wurde, da hiermit zugleich das Verdienstliche seines Werkes thatsächlich erwiesen ist. Hierzu kömmt, daß er unablässig sich bemüht, seine Schrift zu verbestern, und so hat er dem kurzen Abriß der biblischen Geschichte einen solchen der nachbiblischen bis auf unsre Zeit hinzugefügt, eine Berbefferung, auf welche wir seit Jahren betreffs aller derartigen Schriften gedrungen haben. Möge es dem ehrwürdigen Berfaffer vergönnt sein, auf gleiche Weise sich noch wiederholt mit seiner verdienstvollen Arbeit beschäftigen zu können. — Bon den „Biblischen Erzählungen für die israelitische Jugend, bearbeitet von Dr. Jakob Auerbach «Leipzig, Brockhaus, 1875)" ist das zweite Bändchen, welches mit Samuel beginnt und mit Nehemia schließt — also die Apokryphen ausschließt — erschienen. Es ist diese Fortsetzung für die zweite Schulstufe bestimmt, wie das erste Bändchen für die erste. Die Erzählungen haben deshalb mehr den geschichtlichen als den biblischen Ton angenommen, hier und da mit Schriftstellen versehen. Der Berfaffer setzt voraus, daß der Lehrer die betreffenden Thatsachen bereits ausführlich vorgegetragen hat, so daß das gedruckte Wort mehr zu zusammenfaffender Wiederholung benutzt wird. Wir können hierin in der Auswahl, wie in rer Darstellung dem Berfaffer nur unsre Anerkennung aussprechen, und wünschen nur, daß er seine Aufgabe noch weiter ausdehne und in einem dritten Bändchen nachbiblische Erzählungen von den Makkabäern an bis auf unsre Zeit gebe. Es ist dies eine schwierigere, aber bei richtiger Ausführung lohnende Arbeit, deren unsre Jugend noch weit mehr als der Darstellung der biblischen Geschichten entbehrt, für welche bereits eine reiche Schullileratur besteht. Gerade hieran könnte der Pädagoge und gute Erzähler sich trefflich bewahren. Der Stoff an wirksamen Situationen und biographischem Material ist außerordentlich groß. Ja, wir möchten behaupten, daß nach dem Geiste unsrer Zeit die bis zu uns reichende jüdische Geschichte rückwirken würde bei der Jugend auf das richtige und innerlichere Berständniß der biblischen Geschichten, zu welchen jene einen geistvolleren Schlüffe! bietet, als bei dem Abbruch mit Nehemia oder selbst mit dem zweiten Falle Jerusalems zu geben möglich ist. — Moses Mendelssohn. Lichtstrahlen aus seinen philosophischen Schriften und Briefen. Nebst Biographie und Charakteristik Mendelssohn'S. Bon Moritz Brasch. (Leipzig, Brockhaus, 1875.) Es ergeht uns bei Schriften wie die vorliegende, d. h. bei Zusammenstellungen auserwählter Stellen bedeutender Autoren, wie bei manchen anderen Unternehmungen, welchen wir an und für sich wenig zugeneigt sind, deren Wirksamkeit unter den gegebenen Verhältnissen dennoch nicht zu verkennen ist. Solche „Lichtstrahlen" können nur der Natur der Sache nach eine oberflächliche Kenntniß des Autors geben und die in den ausgewählten Stellen besprochenen Gegenstände nur sehr obenhin behandeln. Autor und Gegenstand also leiden darunter. Erwägt man aber, daß die bändereichen Gefammtausgaben unsrer besten Autoren das große Publikum abschrecken, und namentlich wenn die Werke derselben bereits mehr als ein Jahrhundert seit ihrem Erscheinen zählen, und daß namentlich Mendelssohn seit längerer Zeit unverdient übersehen wird: so kann mau der vorliegenden Schrift nur besten Dank wissen. Sie reiht sich ähnlichen Sammlungen aus Lessing, Kant, Görhe, Humboldt, Fichte u. A. an, die in derselben Verlagshandlung erschienen sind. Herr Brasch giebt zuerst eine kurze Biographie und eine übersichtliche Darstellung der Philosophie ober vielmehr der philosophischen Schriften Mendelssohns in einfachem, allgememein verständlichem Tone, wobei es freilich nicht zu umgehen war, daß öfters der Name eines Systems für eine, an dieser Stelle nicht gut mögliche genauere Angabe des Inhalts und der Tendenz des Systems eintreten muß. Dann folgen längere und kürzere Stellen aus den Schriften Mendelssohns über diejenigen Gegenstände, welche Mendelssohn bei seinem Philosophiren am meisten beschäftigten. Es versteht sich bei einer solchen Sammlung von selbst, daß Einem beim Durchmustern derselben viele Stellen einfallen, die man noch angeführt gewünscht hätte. Aber im Ganzen kann man nur mit Befriedigung anerkennen, daß Herr Brasch mit Geschick, Einsicht und Liebe ausgewählt hat, wenn wir ihm auch am Ende seiner Einleitung seine Apotheose des Pantheismus lieber erlassen hätten. Wenn die vorliegende Schrift in den Händen des größern Publikums den Werth Mendelssohns an Gedankenreichthum und Formvollendung diesem zum Bewußtsein bringen, und vielleicht wieder etwas Geschmack an ästhetischen und metaphysischen Gegenständen schaffen wird: so empfehlen wir sie besonders der erwachsenen jüdischen Jugend. Mendelssohn war ein echt jüdischer Philosoph, deffen Deismus völlig auf jüdischer Unterlage ruhete, ein entschiedener Gegner des Pantheismus, ein Feind aller Hypothesen, welche die Berstandeserkenntniß durch einseitige Richtung und ausschließende Behauptungen irre führen. Jüdische Religionslehrer für obere Gymnasialclaffen könnten diese Schrift bei ihrem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.