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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-31 · Heft 36 (31.8.1875) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 36 (31.8.1875)
Date
1875-08-31
Page
Seite 580 (sequence 10)
Language
German
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580 sichergestellre Vorschußkasten für diejenigen zu gründen, welche ihrem Erwerbe durch Mühe und Arbeit nachgehen wollen — so könnte in Verbindung mit guten Schulen einer Besserung angenähert werden. Da aber Lies auszuführen unmöglich ist, weil die orthodoxen und halber thodoxen Juden Europas dazu die Hand nicht bieten, so werden sich alle Versuche als eitel und alle Summen für vergeudet erweisen. - Dies einmal rundweg auszusprechen, ist wohl die Pflicht der Presie, die sonst wohl hiermit zögert, weil sie dem ehrwürdigen Sir Moses keinen Kummer verursachen will. Aber die Thatsachen sprechen zu laut, und auch die Wahrheitsliebe hat ihre schweren Pflichten. Feuilleton. Die Treue. Erzählung. (Fortsetzung.) „Du sollst gleich Alles erfahren, was Dir zu wissen nothwendig ist, damit Du auch die Lage der Dinge vollständig begreifen kannst. Ich habe diesen Zug nach Barby auf eigene Faust unternommen; glückt er, glückt er vollständig, so werde ich in kurzer Zeit Oberst sein; mißglückt er, so habe ich die Folgen schwer und lange zu tragen. Noch in dieser Nacht muß die Burg genommen werden; ich muß die Besatzung überrumpeln, denn schweres Geschütz, um sie zu beschießen, führe ich nicht bei mir. Du weißt nun, Jude, woran Du mit mir bist. Ich verlange von Dir, daß Du mir den angemesiensten Weg zeigst und ihn mich führst, um in die Burg einzudringen und die Besatzung zu überraschen. Dies muß sofort geschehen. Morgen wirst Du meine Leute durch das Land führen, um so viel Schlachtvieh, Getreide und Fourage wie möglich zusammenzubringen. Die kaiserlichen Truppen leiden Mangel, und es wäre ein großer Vortheil, ihnen eine bedeutende Masie Lebensmittel zuzuführen. Also Jude, faste Dich, und rasch an's Werk. Zweifelhaft kannst Tu nicht sein. Vollbringst Du glücklich, was ich Dir austrage, so werde ich Dich reichlich belohnen — weigerst Du Dich oder bist Du ungetreu, so stirbst Du und Dein Weib und Deine Kinder, und dieses Haus wird den Flammen übergeben." Me,r rang die Hände, Todesbläste bedeckte sein Angesicht, kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn. „Wie," rief er aus, und seine Zähne klapperten aneinander, „ich soll meine Vaterstadt, mein Land, meine Mitbürger verrathen?! Nimmermehr!" „Nimmermehr" — erwiderte der Osficier, „das ist leichter gesagt, als ausgeführt. Was willst Du Jude mit Vaterstadt und Mitbürger! Ihr Juden habt keine Vaterstadt und keine Mitbürger. Ihr seid überall zu Hause, d. h. nirgends, denn Ihr gehört nach Palästina. Fühlst Du Dich hier nicht geheuer, so geh nach des Kaisers Ländern; ich werde Dir einen Geleitschein und Empfehlungsbrief geben. Also resolvire Dich schnell, ich habe keine Zeit zu verlieren." „Ich kann nicht," stöhnte Me(r, „und wenn es mein Leben kosten soll! ..." „DaS kannst Du haben," schrie der Ossicier. „Aber es kostet auch Deinem Weib und Deinen Kindern das Leben und sie sollen hier vor Deinen Augen verenden. Macht Euch fertig, Dragoner, wenn ich winke, haut Ihr dieses Geschmeiß nieder; Weib, hast Du keine Worte für das Leben Deiner Kinder?" Da wand sich Meir's Weib von der Hand des Soldaten, der ihren Arm hielt, los und stürzte zu ihrem Manne. „Meir," ries sie mit den Tönen der höchsten Angst, „erbarme Dich Deines Jakob und Deines Kalonymus! Mein Leben will ich gern opfern, um Dich vor böser Thrt und Verzweiflung zu retten — aber meine Kinder kann ich nicht preisgeben, und das darfst Du auch nicht. Helfen kannst Du der Stadt und der Burg doch nicht, wozu also diese theuren Wesen vor unsren Augen schlachten lasten? Hilf uns, rette uns, Mann, das ist Deine erste Pflicht! Sollen wir Alle untergehen?!" Mit dem Jammer des Weibes verband sich das Geschrei der Kinder. Der Säugling schrie, weil er von der Mutterbrust gerissen war, und der Knabe schrie, weil diese ungewöhnliche Scene, diese finstern Gestalten, diese blinkenden Schwerter, diese rauhen Worte und Schmerzenstöne ihm die unsäglichste Angst einflößten. „Erbarme Dich unser," ries das Weib, „wo sollen wir Erbarmen finden, wenn nicht im Herzen des Mannes und des Vaters!" Me(r stand den Kopf auf die Brust gesenkt, die Arme schlaff herunterhängend. Ein Schauer fuhr über seinen Körper. Da ermannte er sich, er trat vor den Osficier und sprach mit festem, wenn auch schmerzlichem Tone: „Kann es nicht anders sein, so will ich Ew. Gnaden Befehle vollführen, und zwar nach meinen besten Kräften. Aber ich habe zwei Bedingungen zu stellen. Ihr müßt mir bei Eurer Ehre zusichern, zuerst, daß Ihr dieser Stadt keine Plünderung und keine Contribution auferlegt, und dann, daß Ihr die überrumpelte Besatzung kriegsgefangen machet, und nicht niedermetzeln lastet. Unter diesen Bedingungen bin ich der Eurige." Der Osficier schien überrascht. „Du bist ein sonderbarer Mann, und der erste derartige Jude, dem ich begegne. Ich dachte. Du würdest Dir eine hohe Belohnung ausbedingen. Nun, wie Du willst, die Bedingungen gehe ich ein, jedoch nur für den Fall, daß Du uns so führest, daß mein Unternehmen völlig gelingt. Widersetzt sich die Besatzung, und liefert uns ein hartnäckiges Gefecht, so kann ich den Büchsen und Schwertern meiner

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