Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1875)
- Date
- 1875-08-31
- Page
- Seite 579 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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579 Pläne zur Wasserleitung zum Geschenke gemacht und dergleichen mehr, das kümmert den gräflichen Wahlpräses ebenso wenig wie den Pfarrer und den Dorfnotar. Das Traurigste an rer Lache ist, daß durch die Niederlage Priester's auch das Land zu Schaden kommt, indem es ein offenes Geheimniß war, daß Herr Priester, um den Bau einer Landes-Jrrenanstalt zu ermöglichen, für den Fall seiner Wahl einen ihm gehörigen, nächst der Stadt gelegenen großen Grund dem Lande zum Geschenk machen werde. Jedenfalls wäre es nicht nur für Herrn Priester, sondern auch für die croatische Judenschaft eine Genugthuung. wenn die obenerwähnten Vorgänge unsere Landesregierung veranlaßten, eine strenge Untersuchung anzuordnen." (Jedenfalls wäre es, wenn die Mittheilung über das beabsichtigte Geschenk des Herrn Priester's richtig ist angemessener gewesen, dieses nicht von seiner Wahl abhängig zu machen, selbst nicht den abscheulichen Jntriguen der Gegner gegenüber. Gerade nach der Nichtwahl hätte Herr Priester das patriotische Geschenk machen müssen, um den unduldsamen Pfaffen zu beweisen, aus welcher Seite die rechte Gesinnung und Thatkraft vorhanden sei. Rebaction der A. Z. d. I.) Frankreich. Pariö, im August. (Nach den Arch. isr.) Unter denen, welche jüngst die Ehrenlegion erhalten haben, befindet sich auch der Director des Rabbiner-Seminars, Herr Rabbiner Trenel, der seit 27 Jahren an dieser Anstalt wirkt. — In Algier wird jetzt eine Adreffe an die Nationalversammlung zur Unterschrift colportirt, welche die Aushebung des Decreis, welches den eingeborenen Israeliten die Rechte des französischen Bürgers ertheilte (von Crömieux als Mitglied der provisorischen Regierung 1870 erlaffen), verlangt. Als hauptsächlicher Grund wird die Erbitterung angegeben, welche die muselmännische Bevölkerung darüber empfindet. Unterschriften haben sich schon ziemlich ansehnlich gefunden. Palästina. Wien, im August. (Privatmitth.) Seit einiger Zeit verweilt hier ein distinguirter Mohammedaner, ehemals Vorsitzender der Stadtbehörden von Jerusalem, Jussuf Tia Ankhalidy. Derselbe, ein persönlicher Bekannter von Sir Moses Monte» fiore aus früherer Begegnung, hat an den letzteren ein bemerkenswerthes Schreiben gerichtet, deffen Hauptstelle lautet: „Lasten Sie sich um Gottes Willen nicht durch Schmeichler, Jntriguanten und Bettler aller Arten und Eigenschaften hinter's Licht führen! Prüfen Sie genau die Lage Jerusalems, ehe Sie etwas Definitives gründen, ehe Sie einen Entschluß fasten. Ich bin überzeugt, daß, wenn Sie ernstlich die Zustände geprüft und dahin gelangt sein werden, die Geheimniffe von Jerusalem, und welche Geheimnisse! zu ergründen, Sie kein anderes Mittel, das dauernd dort herrschende Elend zu lindern, finden werden, als durch die Erziehung der Jugend, durch die Gründung von Schulen, in denen man den jungen Leuten zugleich mit den europäischen Sprachen ein Handwerk und den Landbau lehrt, um ihnen so die Mittel zu schaffen, ihr Brod durch Arbeit und nicht durch Bettelei zu gewinnen. An diesen Anstalten müßten die Kinder Wohnung, Nahrung und Kleidung erhalten, und in den Gefühlen der Ehre und dem Abscheu gegen Trägheit und Bettelei, gegen das Almosen Sadaka und Haluka erzogen werden. Diese Anstalten müßten durch europäische Israeliten unter der Aufsicht von Consuln und Mitgliedern der Regierung stehen, die über ihren guten Fortgang und die Reinlichkeit in ihnen wachten." Der ehemalige Bürgermeister von Jerusalem hat gewiß Recht, und Sir Moses selbst kann sich dieser Einsicht nicht verschließen. Alles, was er seit 1810 für Jerusalem gethan, war erfolglos. Die Mühlen, Werkstätten und Werkzeuge, die er beschaffte, sind längst verschwunden. Selbst was er für die Herbeischaffung guten Waffers gethan, blieb, weil es nur ungenügend sein konnte, nutzlos. Von allen Veranstaltungen für die jüdische Bevölkerung Jerusalems war bis jetzt die einzige wirkungsreiche die, welche Sie, Herr Redacteur, schon 1812 in Vorschlag brachten, und die Aufmerksamkeit des Hauses Rothschild dafür gewannen, das Krankenhaus. Der Briefsteller hat also Recht; mit dem jetzigen Geschlechte läßt sich nichts ansangen; nur die aufwachsende Jugend könnte Hoffnungen erwecken, und zwar wenn sie, von den Eltern getrennt, erzogen und unterrichtet würde. Aber er hat doch nur Recht in der Idee. In der Wirklichkeit werden sämmtliche einflußreiche Männer, die Rabbiner und Vorsteher voran, solchen Schulen die größten Schwierigkeiten machen und die Eltern selbst ihre Kinder entweder nicht hergeben oder doch bald wieder zurückziehen. Dagegen können auch die Consuln nichts ausrichten. Den besten Beweis hierfür liefert die Laml'sche Stiftung, welche L. A. Frankl mit der größten Umsicht und unter dem Patronat des österreichischen Consulats begründet hat, und die langst in Verfall gerathen ist. Das Grundübel für die Juden Jerusalems sind und bleiben die Almosen; nicht die Almosen für Greise, Kranke und einige Gelehrte, wohl aber die Almosen für die Familien, die regelmäßig an jede Familie nach ihrem Theile, je nach der Maste des Einlaufes vertheilt werden — man weiß, mit welchen Unregelmäßigkeiten. Davon leben die Familien in Elend, Noth und Knechtschaft — Knechtschaft gegen die, in deren Händen die Vertheilung ist. So lange dieses System vorhanden ist, können auch die bestangelegten Schulen nichts helfen, da sie theils keine Zöglinge erhalten, theils diese doch nur bald wieder dem Geiste ihres väterlichen Hauses anheimfallen. Wäre es möglich, diesem Almosensystem ein Ende zu machen, die nölhigen Wohlthaten nur den Kranken, Greisen, Wittwen und Waisen zuzuwenden, allen anderen Faullenzern sie unerbittlich zu verweigern, dagegen 30