Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1875)
- Date
- 1875-08-31
- Page
- Seite 578 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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578 und zwar in der Weise untergebracht werden wirr, daß die Hörer der Präparandie von denen der Rabbinerschule gänzlich abgesondert bleiben; besondere Sorgfalt ist auf die Unterbringung einer Bibliothek und des Bethauses verwendet, und find die Pläne überhaupt ganz getreu dem Programme entworfen, welches von dem Subcomitö der ständigen Commission des Rabbiner-Seminars dem Ministerium unterbreitet wurde. Der ganze Bau mit seiner stattlichen Fa«-ade wird der Hauptstadt zur Zierde gereichen und zur Hebung des Stadttheiles, in welchem er errichtet wird, nicht unwesentlich beitragen. Die Pläne sind gemeinschaftliches Operat der Herrn Architekten Wilhelm Freund und Franz Kolbenheyer, die auch den Bau gemeinschaftlich durchzusühren haben werden." Aus Ungarn, 15. August. (Privatmitth.) Die Angelegenheit betreffs der Errichtung des Rabbiner-Seminars in Pest hat wieder die Aufmerksamkeit des größern Publicums auf sich gezogen. Ich theile Ihnen beifolgend die beiden Notizen aus dem „Pester Lloyd" über den Stand dieser Frage mit. Man hat wohlweislich die ganze Sache bis nach den Wahlen todtgeschwiegen und jetzt dürfte es an der Zeit sein, da die Regierung eine compacte Majorität bei den Wahlen erhielt, das Seminar in's Leben zu rufen. Freilich ist die Situation eine sehr ernste und der Reichstag hat bringende, unverschiebliche Aufgaben zu lösen; aber es wird sich doch im Laufe des Jahres ein Moment erhaschen lassen, wo die Angelegenheit ohne Opposition beim Reichstag ein- und durchgebracht werden könnte. Die Lösung dieser Frage ist für die Juden in Ungarn von Wichtigkeit, weil dadurch der Hauptzündstoff des alten Haders und Streites hinwegeraumt werden wird. Gegenüber der vollendeten Thatsache kann die Opposition nicht viel ausrichten und muß von selbst erlahmen. Dies, möchte ich sagen, ist hauptsächlich der wahre Nutzen von dem baldigen Jnslebeurufcn des Rabbiner-Seminars. Sonst herrscht ja allgemein die Ueberzeugung, baß die Sache für den Moment noch Zeit hatte, da die Gemeindezustande im Allgemeinen so traurig sind, daß die meisten größeren Gemeinden: Temesvar, Raab, Papa, Stuhlweißenburg, Kaschau u. dgl. ohne Rabbiner sind — und keinen Rabbiner so schnell gar anstellen werben. Die Ursache dieser trüben Erscheinung, daß die erledigten Rabbinersitze nicht besetzt werden, liegt theils im Jndifferentismus, und in der finanziellen Misere. Die Gemeinden haben große Synagogen erbaut, ein ganzes Heer von Cultusbeamten: Cantor, Bassist und Chordirigent angestellt, die in Ungarn sehr gut bezahlt werden, und bis man zur Anstellung eines Rabbiners kommt, ist die Gemeindekasie längst erschöpft. Jnsolange die Cultusbeamten, Cantor u. s. w., den Gemeindesäckel so sehr in Anspruch nehmen, wie dies bisher der Fall ist, läßt sich für die Anstellung der Rabbiner nichts thun, denn wo kein Geld, hat der Kaiser das Recht verloren! y« r,?3p yar ca« nun sagen die Alten. (Wir haben riesen Artikel unseres bewährten Correspondenten gegeben, obschon er aus mißmuthiger Stimmung über die wirren Zustände unserer ungarischen Glaubensgenosien geflossen scheint. Wenn es richtig ist, daß an vielen Orten der Gesang der Cantoren weit mehr als die Predigt der Rabbiner die Leute anzieht, jene deshalb unentbehrlicher scheinen als diese, und sogar besser bezahlt werden — was auf dem Felde der Gesangskunst nichts Appartes ist — so liegt dies in der noch vorhandenen Halbcultur. In Deutschland ist die Zeit noch nicht lange vorüber, wo namentlich in Preußen in ganzen Provinzen kaum ein oder zwei Rabbiner anzutrefsen waren. Jetzt haben selbst an Mitgliederzahl schwache Gemeinden einen solchen, und wo einer abgeht wird er alsbald wieder ersetzt. Andererseits liegt es auch in der Halbcultur mancher ungarischer Rabbiner. Deshalb halten wir es für ganz unrichtig, wenn der Herr Correspondent meint, es hätte eigentlich mit dem Seminar noch Zeit. Ein solches Seminar muß selbst erst durch eine länger dauernde Pflege seinem Ziele näher gebracht werden. Ueberhaupt können höhere Bildungsanstalten niemals früh genug errichtet werden. Wartet man damit, bis die Masse selbst erst das Verlangen darnach ausspricht, so ist meist die angemessene Zeit schon vorbei. Es ist deshalb die nunmehrige Energie des Herrn Unterrichtsministers nicht genug rühmend anzuerkennen. Die Redaction.) Agram (Croatien), 18. August. Der „N. fr. Pr." schreibt man: „Im Stubicaer Bezirke standen sich bei der letzten Wahl für den Landtag zwei Candidaten der Nationalpartei, Emanuel Priester und Egersvorfer, gegenüber. Da Priester ein Jude ist, leitete der nur zu mächtige Clerus eine starke Agitation ein. Das Wahlleitungscomitö trat für Herrn Egersdorfer ein. Der Clerus beutete diesen Umstand auf jede mögliche Weise aus. Ein Pfarrer erklärte z. B., er sei „eher bereit, den Juden-Candivaten mit seinem Kreuze zu erschlagen, als zu dulden, daß die seiner geistlichen Obhut anvertraute Heerde einen Juden wählen würde." Derselbe Diener des Herrn wallfahrtete auch, mit dem Kreuze in der Hand, von Dorf zu Dorf und ließ alle Bauern schwören, daß sie nicht für den Juden-Candidaten stimmen werden. Ein Dorfnotar ließ sich zur Aeußerung hinreißen, „ein Jude verdiene eher den Galgen als das Deputirten- Mandrt" :c. Es darf nicht wundern, daß derlei bei uns ungestraft geschehen kann. Der Pfarrer und der Dorfnotar schreien nur par ordre und folgen dem herzerhebenden Beispiele „von Oben". Was soll man von Leute», die notorisch auf einer sehr niedrigen Bildungsstufe stehen, erwarten, wenn der Wahlpräses, Feldmarschall-Lieutenant Jellacic, Bruder des verstorbenen Banns Jellacic, vom Amte resignirt, um nicht in die Nothwendigkeit versetzt zu werden — man höre und staune — das Wahlprotocoll eines Juden unterfertigen zu müssen! Daß dieser Jude für das Aufblühen der Hauptstadt Croatiens mehr gethan, als der gräfliche Wahlpräses, daß er erst jüngst bei der Verhandlung der Wasserleitungs-Frage im Gemeinderathe die Steuerträger vor einer vollständig unnützen Mehrausgabe von 350,000 fl. bewahrt, daß er der Stadt die