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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-31 · Heft 36 (31.8.1875) · p. Seite 577

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 36 (31.8.1875)
Date
1875-08-31
Page
Seite 577 (sequence 7)
Language
German
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577 so bei den hiesigen, nicht minder berüchtigten „historisch-politischen Blättern" der Or. Jörg, dem in der Reichstagsdebalte von Bismarck und den Führern der liberalen Partei so arg mitgespielt worden. Die „historisch-politischen Blätter" bringen nun in ihre Verarbeitung der Kreuzzeitungsartikel durchaus nichts Neues hinein, nur daß sie einen noch wüthenderen Fanatismus gegen die Juden schnauben. Das Wiederkäuen wird ihnen schwer, und darum streuen sie noch etwas mehr Pfeffer und Salz hinein. Die Kreuzzeitung hatte sich diesmal den Juden gegenüber immerhin etwas manierlich betragen; dies kann einem biedern Bayer nicht zugemuthet werden; er kann nicht anders, als grob sein, und als Ultramontaner wird er unfläthig. Einem solchen glühenden Haffe gegenüber, wie ihn Jörg gegen die Juden ausspeit, hört jeder Kampf, jede Belehrung, jede Zurechtweisung, jede Widern rede auf. Mit dem Wahnsinnigen rechtet und kämpft man nicht; man überläßt ihn seiner Wuth, bis er sich ausgetobt. Ist seine Tollheit ansteckend, so kann man auch nichts dagegen thun, wenn eben von Seiten der Justiz nichts gethan wird. Man muß darauf rechnen, daß es noch Vernünftige genug giebt, welche dieser Tollwulh nicht zugänglich sind. Es ist immerhin ein eigenes Schauspiel, daß hier, wie überall im deutschen Reich, die unbedeutendsten Localblättchen mit ihren plumpen Beleidigungen dem Strafrichter übergeben werden, während man diese Parteiführer. wie Kreuzzeitung und histocifch-politische Blätter ihre großen, weitbauchigen, giftgefüllten Humpen frei und ungestört umherreichen und ausbieten läßt. Will man einmal gleich Friedrich dem Großen die Pamphlete freigeben, so müßte wenigstens gleiches Maaß geübt werden. Stuttgart, 16. August. Die israelitischen Lehrer und Vorsänger hielten heute dahier ihre jährliche freiwillige Conferenz ab. 26 Theilnehmer aus allen Theilen des Landes wohnten derselben an. Der Vorsitzende begrüßte die Versammlung und betonte die Zweckmäßigkeit dieser Conferenz, damit stets frisches, fortschreitendes und die Zeitströmung mir in Berechnung nehmendes Leben in der Religionsschule und collegialisches Zusammenwirken und Zusammenhalten der Lehrer und Vorsänger erreicht werde. — Den Hauptgegenstand bildete die Besprechung über das von Lehrer Stern aus Eßlingen angekündigte, in Thesen behandelte Thema: Grundprincipien bezüglich der Stellung und Behandlung des Religionsunterrichts in der heutigen israelitischen Schule. In zweistündiger Debatte wurde Klarheit in den Gegenstand gebracht, und es dürste manche Abänderung des Normallehrplrns angestrebt werden, wenn erst die Thesen durch die Preffe der Beurtheilung aller Betheiligten unterzogen sein werden. In Betreff des israelitischen Lehrerunterstützungsvereins wurde die Lauheit vieler ordentlichen Mitglieder in Bezahlung ihrer Beiträge und die geringe Thätigkeit anderer, um diesem Wohlthätigkeitsverein außerordentliche Mitglieder und Privatbeitrage zu gewinnen, ernstlich getadelt. Die Verhandlung schloß nach dreistündiger Debatte um 1 Uhr. Bei dem gemeinsamen Mittagsmahl kam auch die Gemüthlichkeit zu ihrem Recht, und man trennte sich mit dem frohen Bewußtsein, einen Tag dem Gedeihen einer guten Sache, der Schule, gewidmet zu haben. An Unterstützungen an arme Wittwen und Waisen und einen altersschwachen Lehrer wurden in 0 Portionen zusammen 560 Rm. verwiüigt. Posen, 15. August. (Privatmitth.) Eine seit Jahr und Tag schwebende principiell wichtige Frage ist nun endlich zur Entscheidung gekommen. Herr Dr. |>liil. W. Loewenberg der von hier nach zehnjähriger, überaus segensreicher Thätigkeit vor 2 Jahren nach Berlin übersiedelte, hatte daselbst die Concession zur Errichtung einer confessionslosen höheren Unterrichtsanstalt nachgesucht und die stillschweigende Verpflichtung übernommen, den Religionsunterricht durch Lehrer rer betreffenden Confessionen ertheilen zu lassen. Run wird vorschriftsmäßig bei Ertheilung derartiger Concessionen, nächst der Prüfung der persönlichen Verhältniffe, die sogenannte Bedürfnißfrage dahin erörtert, ob für den in Aussicht genommenen Stadttheil das Bedürfniß zur Errichtung eines fraglichen Instituts vorliege, eine Frage, deren Beantwortung natürlich ganz in den Händen der Behörde liegt. Demgemäß ist auch im vorigen Jahre die nachgesuchte Concession vom Schulcollegio bis in die höchste Stelle hinaus verweigert worden, weil nach einem Separatvotum des Superintendenten das Bedürfniß nicht bejaht wurde. In diesem Jahre ist nun das Gesuch für eine andere Stadtgegend erneuert worden, hinsichts welcher die Bedürfnißfrage von sämmtlichen städtischen Behörden anerkannt worden ist. In warmen Worten sprach sich der städtische Schulrath l>r. B. über die Qualification des l»r. Loewenberg aus, der feit seiner Domicilirung in Berlin dort an zwei der renommirtesten Anstalten mit sichtbarem Erfolge unterrichtet und sich allgemeine Liebe und Achtung erworben hat. Auch nahmen inzwischen die Herren Schulrath Dr. H. und der Ministerialrath l>r. S. Veranlassung den Dr. Loewenberg näher kennen zu lernen, und so von competenter Seite empfohlen, ist demselben nunmehr die Concession zur Errichtung einer Knaben- Mittetschule auf dem Gesundbrunnen in Berlin von Seiten des Unterrichtsministers durch das Provinzial-Schulcollegium ertheilt, und somit wieder ein veraltetes Vorurtheil beseitigt worden. Oesterreich - Ungarn. Pest, im August. Ueber den Fortgang der Vorbereitungsarbeiten für das zu errichtende Rabbiner-Seminar berichten hiesige Blätter: „Wir brachten jüngst die Mittheilung, daß die Baupläne rer demnächst zu errichtenden Landes-Rabbiner-Bildungsanstalt bereits dem Baurathe zur Genehmigung unterbreitet wurden. Nachträglich hierzu erwähnen wir, daß in dem zweistöckigen Gebäude auch die israelitische Landes-Lehrerpräparanvie 1) Nicht Löwenstein, wie Nr. 33 dieser Zeitung irrlhümlich gebracht hat.

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