Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1875)
- Date
- 1875-08-31
- Page
- Seite 575 (sequence 5)
- Language
- German
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575 Princip ausläuft, ist von vornherein falsch, und erweist sich immer als aus einseitigen Beobachtungen hervorgegangen. Denn in der Natur, wie in der Geschichte ist alles Wirkliche Las Product mehrerer zusammenwirkender Factoren. Plato erklärte schon das Verhältniß der Körper zu einander Lurch die Anziehungskraft des Gleichartigen und zwar nach der Masie des letzteren. ->) Newton lehrte die Existenz und Wirksamkeit der Centripetal- und der Centrifugalkraft zugleich und dies war die Wahrheit. Die aus beiden Kräften entspringenden Complicationen sind durchaus nicht einfach zu überschauen, und bedingen eine ganze Reihe von Gesetzen, welche z. B. die Berechnung der Störungen, welche ein Komet in seiner Bahn dadurch erleidet, daß sie ihn in die Nähe eines großen Planeten bringt, zu einer schwierigen Aufgabe machen. Der Schlüssel, den eine einseitige Hypothese giebt, ist daher ein falscher. Der Evolutionstheorie Darwin's stehen in unüberwindlicher Weise die beiden Beobachtungsreihen entgegen: 1) daß in allen Phasen der Erde die entwickelten und unentwickelten Thierorganismen nebeneinander bestehen, und Niemand die Lebensbedingungen Nachweisen kann, durch welche sich die Einen in so großer Mannichfaltigkeit, auf so verschiedenen Stufen in so reicher Gestaltung entwickelt haben, während die anderen zurückgeblieben sind, und doch alle ihren dauernden Eigenbestand haben; 2) daß unter denselben Lebensbedingungen die mannichfaltigsten Arten nebeneinander vorhanden sind; der Wallfisch tummelt sich unter 5) S. unsre Abhandlung Platonis de graviLate docirina in unsrer lYXrt uv&qoti. P. 11. S. 223 ff. denselben klimatischen und biologischen Bedingungen da, wo die nur reizbare Gallerte hunderte von Quadratmeilen das Meer erfüllt. Demungeachtet wäre es ebenso einseitig, das Vorhandensein der Evolution völlig zu leugnen. Sie ist ein Factor, aber sie zum ausschließlichen zu machen, und daraus die Schöpfung der Wesen zu erklären, ist ein grober Jrrthum, der unsrer Zeit keine große Ehre macht. Erging es doch dem Landsmann Darwin's, Buckle, ebenso, der die ganze Geschichte der Völker auf geographische und klimatische Einflüsse zurücksühren wollte. Auch er verblendete die Menge einen Augenblick, nur daß 'es auf dem geschichtlichen Gebiete leichter ist, einen Jrrthum einzusehen und von ihm zurückzukommen. Niemand wird noch leugnen, daß geographische und klimatische Einflüße auf die Gestaltung und Geschichte der Völker von mehr oder weniger Wirksamkeit sind. Aber sie bilden eben nur einen der mannichsaltigen Factoren, deren Zusammenfluß die Geschichte eines Volkes bedingt. Jndeß durch die ganze Vergangenheit des Menschengeschlechtes sehen wir beständig die bald anschwellende, bald sinkende Fluth der Ansichten und Hypothesen ihren Weg nehmen, ohne daß die Dauerhaftigkeit einer einzigen über eine Spanne Zeit hinausreicht. Was in ihnen Wahres und Förderndes enthalten ist, geht in das allgemeine Geistesleben über. Mit um so größerer Zuversicht können wir auf die ewigen Wahrheiten schauen, welche am Himmel unsrer Gotteserkennlniß als Sterne erster Größe leuchten, und zu diesen zählen wir den Ausspruch des Propheten Secharjah. Sb&itiuig 6itac(atxcßteit. Deutschland. Bonn, im August. (Privatmitth.) In diesen Tagen wurde hier eine immerhin merkwürdige Versammlung hervorragender Geistlichen vieler christlichen Kirchen abgehalten. Seit der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogma ist die Spaltung zwischen den mehr oder minder überzeugten Anhängern dieses Dogma und allen andern christlichen Kirchen tiefer und breiter geworden. Namentlich ist das Verhältniß der römischen Kirche zur orientalischen, d. h. zur griechisch-katholischen ein ganz anderes geworden, da diese für jene nicht mehr blos schismatisch, sondern heretisch (ketzerisch) geworden. Von Seiten des Altkatholicismus, namentlich von Dr. Döllinger gingen daher Bestrebungen aus, alle vorhandenen christlichen Kirchen, gegenüber der römisch-katholischen zu vereinbaren. Am nächsten zu diesem Zwecke stehen die griechische und die anglikanische Kirche, welche letztere bekanntlich aus dem Boden der kirchlichen Tradition sich zu befinden behauptet. Am weitesten stehen die übrigen protestantischen Kirchen ab. Insofern sind die Anstrengungen der Altkatholiken bis jetzt von Erfolg gewesen, als sich zu diesem Unionscongresse bedeutende Geistliche der griechischen und der anglikanischen Kirche, für letztere aus England und Amerika, einfanden, allerdings mehr aus der Türkei und Griechenland, als aus Rußland. Einige wenige protestantische Theologen wohnten, wohl mehr beobachtend als eingreifend, bei. So weit nun ist diese Erscheinung gewiß im Geiste unserer Zeit; sie geht auf Verständigung und Vereinbarung, und nicht auf Zwietracht und Spaltung aus, und sie ist durchaus freiwillig, also nicht auf Zwang und Herrschaft berechnet. Man kann dem Unternehmen nur den günstigsten Erfolg wünschen. Ganz anders aber wird es uns zu Sinne, wenn wir die Hauptgegenstände der bisherigen Berathungen erfahren. Da srägt man sich, ob man wirklich im neunzehnten Jahrhundert sich befindet? Die meiste Zeit nämlich nahm die Frage ein: ob der heilige Geist vom Vater, vom Sohne oder von beiden zugleich (paire filioque) ausgehe? und es wurde aller mögliche Scharfsinn aufgewendet, um Formeln herauszufinden, in welchen Alle ihre specielle Meinung ausgedrückt finden könnten! Es wurden auch Formeln gesunden, denen drei Viertel der Anwesenden beistimmten. Glaubt