Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1875)
- Date
- 1875-08-31
- Page
- Seite 573 (sequence 3)
- Language
- German
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573 vorangehen: y-i«n b=> b? -p72'- 'n mm „der Ewige wird l zum König sein über die ganze Erde", d. h. alle Menschen werj den sich von keiner menschlichen Herrschaft, sondern von der Er- < kenntniß Gottes, dem socialen und sittlichen göttlichen Gesetze! leiten, erfüllen und beherrschen laffen. 2) Worin besteht nun die Größe jenes Prophetenspruches? Die j Lehre nn« ’n „das absolute Sein, das ewige, unveränderliche; Sein, der Ewige ist einzig", gehört Moses (5 Mos. 6, 4.)* * * 4) i Es ist selbstverständlich und die Worte selbst sprechen dafür, daß i Moses an keine beschränkte, nationale Gottheit dachte, sondern : eben nur den unendlichen ewigen Gott als einzig verkündigen wollte. Aber er stellte doch, weil er es geschichllich so mußte, das Bekenntniß dieses einzigen Gottes auf eine nationale Unterlage. Er fordert zuerst Israel auf, die große Lehre zu vernehmen und in sich aufzunehmen iorr-iw'' yit'Z, dann bezeichnet er den Ewigen als irrfr« „unsren Gott", was wiederum nicht bedeutet, der uns allein angehört, sondern der Gott, den wir anbeten, und sagt: der Ewige, dieses absolute, unveränderliche Sein ist der Gott, den wir, den Israel anbetet, und dieser Ewige ist einzig. Israel allein bot sich als Träger dieser Lehre, dieses Gottesbegriffes dar und so mußte sie ihm übergeben werden. Die Größe des Propheten bestand nun zuerst darin, daß er diesen Gottesbegriff von der nationalen Unterlage hinweghob, er sagt nur -in« 'n; daß er ihn als das Eigenthum der ganzen 3 t Man muß auf biblischem Boden streng zwischen Theokratie und Hierarchie unterscheiden. Der letzteren trat die mosaische Gesetzgebung durch ihre Institutionen entgegen. Die Propheten waren noch mehr Gegner jedweder Priefterherrschaft, da zu ihrer Zeit der Priestereinfluß in der Monarchie von Juda der Religion sehr nachtheilig ausfiel, weshalb er von den Propheten auf's Nachdrücklichste bekämpft ward. Diese verstanden unter der Theokratie die Beseitigung jeder einseitigen menschlichen Herrschaft und die Unordnung aller Menschen unter das göttliche sociale und moralische Gesetz. Bgl. 1 Sam. 8, 7. 12, 12. 4) Die neueren Forscher bemühen sich sehr viel um den Ursprung, die rechte Aussprache und die ursprüngliche Bedeutung des Gottesnamens mm. Uns kommt es nur darauf an, den Begriff richtig zu fasten, den Moses mit diesem Gottesnamen, den er in Israel proclamirte (2 Mos. 6, 3) verband, und hierüber hat er sich selbst mit den tiefsinnigen Worten mn« mn« ausgesprochen. Er bedeutet also das absolute, unveränderliche, ewige Sein, welches das specielle Sein in seiner unaufhörlichen Flucht des Daseins, nämlich in' seiner beständigen Beränderung der organischen und anorganischen Wesen, der Weltkörper, wie der Geschöpfe auf diesen, hervorgebracht hat, und immer von Neuem hervorbringt. Die Bibel will vorzugsweise aus der Bibel selbst erklärt und verstanden werden, sonst gerochen wir in das Chaos, in welches sich die neuere wistenschaftliche Forschung verirrt hat, und wo, um ein jüngstes Beispiel zu citiren, der wissenschaftliche biblische Alterthumsforscher Guörin die steinernen Meffer gefunden haben will, mit welchen Josua die Israeliten in Gilgal beschneiden ließ (Jos. 5», während Andere moderne Forscher das Buch Josua ein Jahrtausend später setzen und seinen Inhalt für unhistorische Legende erklären! Menschheit, als den nothwendigen Zielpunkt aller Menschengeschlechter nicht blos anschaut, sondern laut verkündigt, daß er also den nationalen Boren von sich stößt, sich auf den der ganzen Menschheit versetzt und einfach und entschieden die Zeit Voraussicht, wo dieser Gottheitsbegriff nicht allein der allgemeine sein, sondern auch mit allen seinen socialen und sittlichen Consequenzen zur Herrschaft über die Menschen (y-!«r: rs rr “b:ib) gelangen werde. Dies ist wahrhaft groß. Aber noch mehr. Wer war dieser Prophet, der so einfach, aber eben darum so siegesbewußt Liesen Ausspruch that? Er lebte in den ersten Jahren jenes Königs Jojakim, der dem Könige von Babel gehorchen mußte, während seine ganze Neigung nach Egypten gravitirte, durch dessen Beistand er seine souveräne Unabhängigkeit wieder zu gewinnen hoffte. Dieser Secharja l. lebte und sprach also zu einer Zeit, wo die größere Hälfte Israels bereits nach Assyrien verbannt und zerstreut, Juda, tief gedemüthigt und geschwächt, nur noch ein widerstandsloser kleiner Volkskörper war, der ehestens zwischen Babel und Egypten zerrieben werden mußte. Dies macht die ganze Größe unsres Propheten aus, daß er trotz alle dem den allgemeinen und unbedingten Sieg der großen israelitischen Wahrheit über alle die feindlichen Mächte, über die ganze Fluth der hin- und herwogenden Völkerstämme mit Sicherheit voraussah und mit Entschiedenheit proclamirte. Die wahre menschliche Größe zeigt sich nicht auf der Spitze eines blutigen Siegerschwertes, nicht in der Machtfülle der Herrschaft und des Reichthums, sondern darin, wenn der Einzelne, von Wenigen umgeben und gestützt, mitten im Tumulte des Kampfes, mitten im Schmerze der Niederlage und unter der Wucht des Druckes und der Verfolgung die Fahne der Wahrheit hochhält, mit dem Seherblick die dunkeln Schatten der Gegenwart durchdringt und für die Principien des Rechts eintritr. Die Geschichte hat uns mehrfache Beispiele aufbewahrt; in Israel waren sie in aller Zeit nicht selten. Jetzt aber, in dem damaligen Israel stand noch nicht einmal die Mehrheit des Volkes auf der Seite des Propheten, gehörten der König, die Großen, die Priester und die falschen Propheten zu seinen erbitterten Gegnern. Und doch! Aber war das Volk, an welches der ^Prophet seine Rede richtete, dessen würdig? Dieses Volk war nicht minder groß als der kühne und begeisterte Sprecher. Es überlieferte nicht nur den Ausspruch seines Sehers über die Schreckenszeit des Sturzes, über die Nothzeit der Verbannung hinweg spätern, ruhigen Ge- : schlechtere Sondern mit glücklichem Griff und echtem Verständniß hob die Synagoge diesen prophetischen Satz aus der > ganzen Rede heraus, und verleibte ihm dem Gottesdienste, den I täglichen Gebeten ein, in welchen er wiederholt recitirt wird, t Ties that sie, als ihre Bekenner über die Erde zerstreut, nieder- 1 getreten und verfolgt, von rohen Siegern einander zugeworfen, [ das verachtetste Geschlecht der Erde war. Andere Volksstämme, j Bekenner anderer Religionen hätten sich unter solchen Mißhandlungen in Flücken und Verwünschungen, im Durst nach 36*