Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-31 · Heft 36 (31.8.1875) · p. Seite 572

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 36 (31.8.1875)
Date
1875-08-31
Page
Seite 572 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227014-3227051--33788-3303615
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

572 Erforschung des Landes unv der Alterlhümer dahin trieb. In den letzten vierzig Jahren ist hierfür Außerordentliches geleistet worden: wir erinnern nur an die Reise des Amerikaners R ob in s on im Jahre 1838, dessen für die Topographie Palästinas grundlegendes Werk noch heute unentbehrlich ist. Endlich schlossen sich in den letzten Jahren auch die Touristen an, die trotz der jetzigen Einförmigkeit und Reizlosigkeit des Landes doch die ewig denkwürdigen Stätten desselben in immer wachsender Anzahl besuchen. Jetzt nun wird auch Palästina in die Reihe der civilisirten Länder wieder erhoben. Als vollgültiges Zeichen dieser sich bald erfüllenden Thatsache erkennen wir, daß soeben ein Bädeker über Palästina erschienen ist. Bädeker hat, wie manniglich bekannt, über alle civilisirten Länder die nützlichsten, sorgfältigsten und unterrichtendsten Reisebücher veröffentlicht, und wohin man auch seine Schritte lenke, man wird sich die Hülfe eines dieser Rothbücher nicht entziehen wollen. Darum können wir auch die Einrichtung, die Methode und die ganze Beschaffenheit dieser Bücher als allgemein bekannt voraussetzen, und es gereicht uns zu wahrhafter Befriedigung, nicht blos das Erscheinen dieses Reisebuches für Palästina ^), sondern auch die Bortrefflichkeit dieser Arbeit hervorheben zu können. Zum größten Theile rührt diese von dem Professor der orientalischen Sprachen in Basel, Herrn l»r. Albert Socin, her, der schon früher größere Reisen in Syrien und Palästina gemacht und zum Zwecke dieses Reisebuches einen besonderen längeren Aufenthalt daselbst nahm. Um die praktische Seite des Buches zu erhöhen und sicher zu stellen, machte Herr Karl Bädeker die Reise noch selbst. So entsprangen alle Angaben in dem Werke aus persönlichen Anschauungen. Die beigegebenen Karten sind von Professor l>r. H. Kiepert gezeichnet, die Pläne so genau, wie es bei orientalischen Städten möglich ist, ausgenommen, das Panorama von Jerusalem vortrefflich. Für die Reisenden in den beiden Ländern bringt das Buch so viel an Ortskenntniß, Kunde der Verhältnisse, Rath und Aushülfe, daß sie ihm nicht genug Dank wissen können. Aber auch außerdem ist es für die Topographie des heiligen Lances ein so genaues und übersichtliches Lehrbuch, daß es für alle Bibel- und Alterthumsforscher eine sehr willkommene Gabe sein wird. Der Ton der Schrift ist durchaus objectiv; und obschon Herr Socin die nothwendige wissenschaftliche Kritik wallen läßt, so verletzt er doch nirgends irgend eine Religionspartei oder Rationalität. Sitten und Zustände werden selbstverständlich nur soweit geschildert, als der Fremde mit ihnen in Berührung kommt. Bemerken wollen wir, daß gerade über die Juden in Palästina die Nachrichten und Notizen nur sehr dürftig sind, und werden wir daraus einige Auszüge in unserem Feuilleton geben. 3) „Palästina und Syrien. Handbuch für Reisende herausgegeben von K. B ädeker. Mit 17 Karten, 4 t Plänen, t Panorama von Jerusalem und 8 Ansichten. Leipzig, Karl Bädeker. 1875." So ist der erste Schritt geschehen, um Palästina in die Reihe der civilisirten Länder zu bringen. Die Zahl der Reisenden wird sich durch dieses Hülfsbuch, welches die Touren so sehr erleichtert, vor Irrfahrten und verkehrten Schritten behütet, und die rechten Mittel und Ziele angiebt, schnell vergrößern, und dadurch Anstoß geben, die Erfordernisse eines civilisirten Landes auch weiterhin zu beschaffen. Einige Setrachtrmgen. Am Tage der Zerstörung Jerusalems liebe ich es, über die Ursachen und Wirkungen dieses furchtbaren, nicht blos für die Juden, sondern auch für die ganze menschliche Welt höchst bedeutungsvollen Ereignisses — denn dieses gab ja den nachhaltigsten Impuls zur Verbreitung israelitischer Weltanschauung und Ideen über die ganze Menschenwelt — nachzudenken. Da wird man denn auch folgenden Gedankengang nicht als unzukömmlich erachten. Als eines der kühnsten und ausdrucksvollsten Worte der h. Schrift haben wir immer den Satz des ersten Secharjah (Capp. 9—14)') betrachtet 14, 9: in« i732i in« 'n '-Tr1 sinn nva d. h. In jener Zeit wird, wie der Ewige einzig ist, sein Name, d. i. seine Anbetung, seine Anerkennung, seine Erkenntniß einzig sein." -) Der Prophet sieht also eine Zeit vorher, in welcher die ganze Menschheit sich in der Erkenntniß und Anbetung des einzigen Gottes vereinigen wird. Doch der Prophet versteht hierunter nicht ein blos äußerliches Bekenntniß, eine mehr formale, als thatkräftige Anbetung. Vielmehr glaubt er, daß mit dieser Erkenntniß und Anbetung auch eine allgemeine Befolgung des göttlichen Willens, eine Ausführung und Verwirklichung des aus der Consequenz dieses Gottesbegriffes fließenden socialen und moralischen Gesetzes — das Judenthum kennt keinen Unterschied dieser beiden — verbunden sein wird, so daß über die ganze Menschheit das Reich des Rechtes, des Friedens und hiermit der Liebe sich erstrecken werde. Dies erweist sich aus den Worten, die unmittelbar den oben angeführten 1) Es ist eines der wenigen festehenden Resultate der Kritik, daß das Buch Secharjah aus zwei Theilen besteht, Capp. 1—8 und Capp. 9 —14, von denen das letztere aus früherer Zeit, als das Reich Israel untergegangen und das Reich Juda noch bestand, nach dem Tode des Königs Joschijah herrührt. Siehe unsren Commentar und unsre Einleitung zu den zwölf kleinen Propheten, B. II, S. 1513 und 1557. 2) Wörtlich hieße der Satz: „An diesem Tage wird der Ewige einzig unv fein Name einzig sein." Das hebräische i vertritt aber oft die Bergleichspartikel. Da man nicht sagen kann: „der Ewige wird einzig sein", so muß eben in unsrer Sprache die Vergleichspartikel angewendet werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.