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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-31 · Heft 36 (31.8.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 36 (31.8.1875)
Date
1875-08-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ fiir alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippsim in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 3n rcbactionetteit Angelegenheiten wende man sich an I>r. €. Philippson in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate an Saamgiirtner'r Luchhandlnny inLeuvzig. Inlrralr, welche biS vonrrr»- tsz cingehen. finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 2>/, Bogen. Preis Bierteliährig Z Mark. Änscrate werden mit 2» Pf. für die Petitzeile oder deren Rau« berechnet. Alle Buchhandlungen, 39. Jahrgang. Leipzig, den 31. August 1875. J\f 36. 3tü)ail. Leitende Artikel: Palästina unter den civilisirten Ländern. — Einige Betrachtungen. Zeitungsnackrickten: Deutschland: Bonn, Frankfurt am Main, München, Stuttgart, Posen. — Oesterreich.Ungarn: Pest, Aus Ungarn, Agram (Creation). — Frankreich: Paris. — Palästina: Wien. — Feuilleton: Die Treue. <Er;ahlung). lFvrlsctzung). — Dr. Samuet Mayer. «Nekrolog). Siedende <SCxb&cL Bonn, 18. August. paläsiiva unter dm civilisirten Landern. Das erste Erforderniß und das erste Zeugniß für ein, der Civilisation zugehöriges Land ist das Vorhandensein von Landstraßen und Heerwegen und für den Verkehr von Reisenden bestimmten, angemeffenen Gasthöfen. Diese Dinge sind nun allerdings in Palästina weder bereits beschafft, noch selbst in Vorbereitung. Die einzige Kunststraße von Beirut über den Libanon nach Damaskus, von einer französischen Gesellschaft gebaut, gehörk zu Syrien, nicht zu Palästina. Die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem ist wiederholt projectirl und vorgearbeitet worden, aber die Ausführung wurde immer wieder verschoben. Die Rentabilität wurde zu sehr bezweifelt, da der innere Verkehr gleich Null ist, und die Pilgerfahrten sich auf eine kurze Zeit des Jahres beschränken. Wer Palästina besuchen und kennen lernen will, muß noch heute sich seiner eigenen Füße, des Pferdes oder des Kameels bedienen, muß Zelt, Bett, Nahrungsmittel mit sich führen, und kann des Führers (Dragoman) nicht entbehren. Solchergestalt gehört Palästina noch nicht zu den civilisirten Ländern. Dieses Land, in welchem unser Urvater Abraham vor vier Jahrtausenden auf zahllose Städte mit Königen, Heerführern internationalem Recht u. s. w. und einer starken Bevölkerung traf, also auf eine bedeutende Culturstufe, welches unsere Vater anderthalb Jahrtausende hindurch mit unermüdlichem Fleiße zu einem der fruchtbarsten der Erde macbten, aus welchem Getreide, Oel, Wein, Datteln, Honig, Wolle u. dergl. in großen Masten aus den Markt von Tyrus gebracht wurden, kam durch die Herrschaft der Römer, der Byzantiner, der Araber, der Kreuzfahrer, der Seldschucken und Türken so in Verfall, daß es aus cer Reihe der civilisirten Länder verschwand.') Dennoch blieb diesem kleinen Binnenlande das Interesse der Welt zugewendet. Den Bekennern des Judenthums war die Liebe zu diesem Lande in ganz natürlicher Weise tief in das Herz gesenkt, und kommt es gar nicht erst auf den Messiasglauben an, um das Gedächtniß dieses Landes ihnen hoch und heilig zu erhalten. Aber auch für die christliche Welt bietet es die Statten dar, aus welchen ihre Religion entsprungen ist. Selbst der Islam erklärt Jerusalem für eine heilige Stadt, und zeigt die in Stein gegrabenen Fußtapfen seines Propheten auf dem Zionsberge. * 1 2) Darum hörten die Wallfahrten und Pilgerschasten trotz aller Beschwerden und Gefahren niemals auf. Hierzu kamen allmrlig die Reisenden, welche die 1) Daß schon in der mosaischen Zeit selbst durch Länder, wie Edom und Moab, Heerstraßen “P") gingen, ist aus dem 4. B. Mos. ersichtlich. Für gute Landstraßen zu sorgen, namentlich die aus allen Theilen des Landes nach den sechs Freistätten führten, schrieb das mosaische Gesetz ausrrücklich vor. 2) Allerdings stammt diese Verehrung Jerusalems seitens Mohammeds nur aus desten erster Zeit, als er noch die Hoffnung hegte, die Juden für sich zu gewinnen. Damals verorvneke er auch, daß seine Anhänger beim Gebete das Gesicht nach Jerusalem wenden sollten. Als er aber jene Hoffnung aufgeben mußte, machte er die Kaaba;u Mekka;um heiligen Mittelpunkte, wohin die Gläubigen zu pilgern und beim Gebete sich zu wenden hätten.

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