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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-24 · Heft 35 (24.8.1875) · p. Seite 563

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 35 (24.8.1875)
Date
1875-08-24
Page
Seite 563 (sequence 9)
Language
German
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563 Türkei. Smyrna, im Juni. Wir haben leider aus dem türkischen Reiche immer wieder dieselben traurigen Nachrichten zu bringen. Aber stets ist es die griechische Bevölkerung, welche von Haß und Fanatismus geleitet, die schuld- und wehrlosen Juden überfällt und mißhandelt. Man berichtet: „Mitte des vergangenen Monats ist in Mylassa, unweit von Smyrna, ein griechischer Knabe verschwunden, und gerade an dem Tage, an dem seine Glaubensgenossen ihr St. Johannisfest feierten. Letztere hatten es sogleich heraus, daß nur die Juden diesen Knaben eingesangen und abgeschlachtet haben konnten, um sich an seinem Blute zu kühlen. Sie stürzten nun in das dortige Judenviertel, griffen die Kinderschule an, plünderten die Synagoge und zerrissen alle ■ daselbst Vorgefundenen „Thoras". Der Kaimakam i Polizei- Director) von Mylassa. Abdul Rhaman Bey, war jedoch bezüglich der Geschmacksrichtung der jüdischen Untenhanen anderer I und hellerer Meinung; unter seiner Anführung rückte die Polizei in's Judenviertel ein und jagte die offenbar fanatisirten Angreifer ' wieder in ihre Quartiere zurück." Zl e u i l Die Feier des?weih«»dertjähri?en Sekandes der vortugiefilchen Synagoge;n Amsterdam am 12. Äuguk 1875. Die Festfeier bei Gelegenheit des 20 »jährigen Bestehens der portugiesischen Synagoge hier hat heute in diesem schönen Gebäude stattgefunden. Die Feier glanzend vorbereitet und geregelt, ist als vollkommen gelungen zu bezeichnen. Die Synagoge war in einen Festsaal umgewandelt. Das imposante Gebäude mit seinen riesigen Säulen und breiten Fenstern hatte, ohne seinen kirchlichen Charakter zu verlieren, durch die Aufstellung der Platze, die geschmackvollen Verzierungen und die Blumendecoration das Ansehen eines Saales erhalten, in welchem ein Jubelfest gefeiert wird. Zierliche Blumenbeete, Guirlanden, Blumen in allerlei Nuancen und Gruppirungen wirkten höchst wohlthuend auf das Auge, lieber dem schönen Gehäuse aus Cecernholz, in welchem die Gesetzesrollen aufbewahrt werden, prangte eine prächtige Sammttrophäe mit dem Wappen der Kirche «ein Pelikan mit seinen Jungen) und dem niederländischen und Stadtwappen. An vier Säulen waren ebenfalls Trophäen angebracht mit Schildern, welche die Titel der verschiedenen Gemeinden, aus welchen die hiesige portugiesisch israelitische Hauptgemeinde entstammt, mit Angabe der Namen deren Stifter und der Entstehungsjahre, enthielten. Diese Jnscriptionen nennen: Bet Jaharoh, Fumlador Jacob Tirado anno 5358, Bel Israel. Fundailor David Bamoali Ozirio anno 5378, Neve Salem, Fumlador Ishac Franco Mezeircs anno 5368, Thalimid Thora , Fundailor Abraham David Pardo anno 5398. Im Allgemeinen bot die festlich geschmückte Kirche, sowohl durch das Imposante des Gebäudes als durch die Erinnerungen an seine Vergangenheit und durch die gepflogenen vortrefflichen Aenderungen einen feierlichen und überwältigenden Anblick dar. Durch eine Anzahl Ceremonienmeister war Sorge getragen, daß die geladenen Gäste die für sie bestimmten Plätze leicht l e t o n. erreichen konnten. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkten wir Deputationen aus den Kirchenrälhen der Baptistengemeinden, Evangelisch-Lutherischen-, Remonstranten- und Wallonischen Gemeinden, die Militärautoritäten, unfern Bürgermeister mit Schöffen und dem Secretar unserer Stadt, die Spitzen der beiden israelitischen Gemeinden von Amsterdam und Sgrevenhag. Auch eine ansehnliche Anzahl Damen waren erschienen, welche jedoch dem Gebrauche in den israelitischen Tempeln zufolge auf den Gallerien und beinahe dem Herrenpublieum unsichtbar ihre Plätze eingenommen hatten. Die Festfeier nahm mit dem Vortrage des Psalm 100, von dem Chore in Begleitung des Orchesters trefflich ausgeführt, ihren Anfang. Feierlich rauschten die herrlichen Töne durch die weiten Gewölbe, rein erklangen die Stimmen des tüchtigen Chors in den Ohren der Anwesenden, welche in diesem Anfänge eine würdige Eröffnung der Feier eines so bedeutenden Gedenksestes erblickten. 'Nachdem der Psalm beendigt war, erhob sich die Versammlung, um das in holländischer Sprache durch den functionirenden Herrn Oberrabbiner Chumaceiro ausgesprochene Gebet anzuhören. Die Empfangnahme der Geschenke, bestehend aus einer prächtigen silbernen Krone für eine Gesetzesrolle und einer goldenen Hand zum Vorlesen der Thora, geschah durch den Vorsitzenden der Parnafsim, nachdem sie mit kurzer passender Ansprache angeboten waren. Beide Gegenstände sind meisterhaft ausgeführl, und sowohl der Geber als des Empfängers würdig. Sie werden eine unvergeßliche Erinnerung an diesen 2o0jährigen Gedenktag Wie bei allen hohen kirchlichen Festlichkeiten zu geschehen pflegt, wurde auch heute mit den reichverzierten Gesetzesrollen Umzug gehalten. «Die zuerst getragene ist älter als 200'Jahre.» Sodann wurde das Gebet für das königliche HauS und die Obrigkeit angestimmt. Dasselbe war herrlich componirt und wurde von dem Chore prächtig wiedergegeben. 'Nach Ablauf desselben wurden die Gesetzesrollen wieder in die Lade eingestellt. Der Festredner, Herr Dr. jur. I. L. de Lear Lagune, nahm hierauf seinen Platz ein. 35

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