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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-24 · Heft 35 (24.8.1875) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 35 (24.8.1875)
Date
1875-08-24
Page
Seite 561 (sequence 7)
Language
German
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561 Hebräische zu zahlen. Daß — wo keine Talmud-Thora- Schule besteht — arme Kinder ganz ohne diesen Unterricht bleiben, ist leider häufig der Fall.) Deffenungeachtet haben die jüdischen Gemeinden nur im Nothfalle christliche Lehrer engagirt, welche sie bei geringerem Gehalte hätten erhalten können. So werden selbige auch jetzt bestrebt sein, an den Simultanschulen den jüd. Schülern Religionsunterricht zu verschaffen, aus diesem Grunde selbst die interimistisch angestellten Lehrer zu behalten suchen. Ferner — dies hat der Herr Correspondent bereits angedeutet — sind die jüdischen Schulen meistens beste» als die christlichen der dortigen Provinz, welches Resultat man dem eifrigen Streben der israelitischen Schulmeister zuschreibt. (Der Grund liegt wohl mehr darin, daß die jüdischen Schüler zu Hause mehr zum Fleiße und Streben angehalten, während die christliche Jugend mehr zur Hülfe der Eltern benutzt wird.) Daher wünschen die Christen, daß ihre Kinder auch von denselben jüdischen Lehrern unterrichtet werden sollen. Ich habe diese Punkte nur angeführt, um Ew. Ehrwürden Beweise zu liefern, daß der Herr Correspondent entweder mit den Verhältniffen der Prov. Posen nicht bekannt ist oder einseitig urtheilt und einen Fall auf alle Gemeinden anwendet. Durch den Artikel werden die Gemeinden der Provinz Posen, welche oft unschuldig angeklagt werden und schon verschrieen sind, noch mehr in üblen Ruf gebracht, wird es denselben auch schwer fallen, Lehrer zu erhallen. (Wir bemerken zu Obigem, daß uns, ohne Verbindung mit der gedachten Correspondenz, zufällig zu gleicher Zeit die Stellengesuche zweier Lehrer Vorlagen, welche durch Creirung einer Simultanschule stellenlos geworden, und von denen der eine schon mehr als ein Jahrzehnt Lehrer gewesen. Redaction.) Görlitz (Schlesien), 14. August. In den hiesigen höheren Lehranstalten ist die Zahl der jüdischen Schüler eine so beträchtliche geworden, daß für den Unterricht in der jüdischen Religion von beiden Anstalten besondere Cöten zusammengestellt werden können. Seitens der Synagogengemeinde ist bei den städtischen Behörden beantragt worden, den jüdischen Religionsunterricht, dem Unterricht in der katholischen Religion entsprechend, in den Unterrichtsplan der beiden Anstalten aufzunehmeu. Der Magistrat hat diesen Anschruch als gerechtfertigt anerkannt und ist daher mit Herrn vr. Freund wegen Erlheilung des Religionsunterrichts in Verbindung getreten. Derselbe hat sich bereit erklärt, diesen Unterricht am Gymnasium und der Realschule in wöchentlich vier Stunden zu ertheilew, wenn ihm unter halbjährlicher, an die Semester gebundenen Kündigungsfrist, eine Remuneration von jährlich 300 Mark zugebilligt wird. Die Stadwerordneten haben sich gestern mit dieser Angelegenheit befaßt, und in der Erwägung, daß es sowohl im Jntereffe der Gleichstellung der Religionsgesenschaften, sowie aus Gründen der Zweckmäßigkeit und Schuldisciplin geboten sei, dem Anträge der Synagogengemeinde zu willfahren, die vom Magistrat zur Honorirung res Religionslehrers beantragte Summe bewilligt. Aus Ostpreusten, im August. i Privatmittheil.) Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, die unsrer Zeit angehört, daß zur Förderung frommer und wohlthätiger Werke Lotterien mit Geldgewinnsten veranstaltet werden, also die Gewinnsucht der Menschen in Mitleidenschaft gezogen wird. Diesmal kann aber nicht gesagt werden, daß diese finanzielle Erfindung von den Juden ausgegangen, denn die Kölner Dombau-Loterie und andere derartige Unternehmen sind uns vorangegangen. Was jedoch zur Entschuldigung dient, ist, daß die neuere Zeit auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit Bedürfnisie hervorgebracht hat, Bedürsniffe edelster Art, welche nur unter den günstigsten Umständen vom Wohlthätigkeitssinne allein befriedigt werden können. Wer z. B. der Art gedenkt, wie früher Waisenkinder behandelt wurden, und dagegen die Sorgfalt beachtet, welche gegenwärtig auf deren Wohnung, Kleidung, Ernährung und Erziehung verwendet wird, der muß zugeftehen, daß es außerordentlicher Anstrengungen bedarf, um die Mittel dazu in ausreichendem Maße zu erlangen. Die gewöhnliche Folge davon ist, daß diese Bedürfnisie zwar für eine Anzahl Waisenkinder Befriedigung finden, aber eine noch größere Zahl der Hülfsbedürftigen in die vorhandenen Anstalten nicht ausgenommen werden kann. Kommt nun hinzu, daß eine Provinz bei einer großen Menge Unbemittelter nur eiue geringe Anzahl Begüterter besitzt, so ist wohl ein außergewöhnliches Mittel, wie eine Lotterie, nicht allein zu entschuldigen, sondern gerechtfertigt. Das seit einer Reihe von Jahren bestehende Waisenhaus für Ostpreußen zu Schippenbeil, über dessen Leistungen bereits mehrere Male in diesem Blatte berichtet worden, hat daher eine solche Lotterie mit Landesherrlicher Erlaubniß und unter strenger obrigkeitlicher Aufsicht unternommen. Die desfallsigen Anzeigen sind auch in dieser Zeitung bereits veröffentlicht worden. Wir können daher das mildthatige Publikum nur dringend auf dieses Unternehmen aufmerksam machen, das dazu bestimmt ist, eine dauernde Stiftung für eine größere Anzahl israelitischer Waisenkinder zu begründen, und bemerken nur noch, daß der Generalvertrieb der Loose in Berlin dem Hause Max Meyer (Friedrichstraße 204) und in Hamburg E. Calmann (Amelungstraße 4) übertragen worden ist. Oesterreich - Ungarn. Pest, 12. August. (Privatmitth.) Die Rabbinerseminarangelegenheit gelangt endlich zum Abschluß. Der Cultusminister läßt, wie man dem „Naplo" mittheilt, das Seminar errichten und wird dann vom Reichstage die erforderliche Ermächtigung verlangen. Die betteffenden Vorarbeiten sind schon weit vorgeschritten, und wird mit dem Bau in den nächsten Wochen begonnen werden.

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