Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 35 (24.8.1875)
- Date
- 1875-08-24
- Page
- Seite 559 (sequence 5)
- Language
- German
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559 Deutschland. Berlin, im August. (Privatmittheil.) Es gereicht uns stets zu besonderer Befriedigung, wenn wir auS den Kreisen unserer Glaubensgenoffenschaft Männer von tüchtiger wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit hervorgehen sehen, denen günstige Umstande eine bedeutende Wirksamkeit eröffnen. Bekanntlich hat die deutsche Regierung einen Vertrag mit der griechischen abgeschlossen, wonach die erstere Ausgrabungen in Olympia, diesem Mittelpunkte des althellenischen Lebens, auf ihre Kosten vornehmen läßt. Zum archäologischen Leiter der von der Reichsregierung ausgerüsteten Expedition für diese Ausgrabungen in Olympia, ist vr. Hirschfeld, ein junger israelitischer Gelehrter, welcher vor kurzem von einer Erforschungsreise nach Kleinasien zuruckgekehrt ist, ernannt worden. Die Expedition wird voraussichtlich Anfang September aufbrechen. Als Architect ist für das Unternehmen Herr Böttcher, königlicher Bauführer, engagirt worden. Das Personal der Expedition wird im ganzen aus einem Archäologen, vr. Hirschfeld, einem Baumeister, einem im Feldmeffen geübten Bauführer, einem Oberaufseher der Arbeiter, einem Kock und einem Diener bestehen, denen sich voraussichtlich Freiwillige, Gelehrte und Künstler zeitweilig anschließen werden. Als Commisiar der Reichsregierung, der sich auch mit der griechischen Regierung zu verständigen hat, wird llr. Hirschfeld fungiren. Aus dem Großherzogthu« Hessen, im Aug. lPrivatm.) Datirt aus der Stadt Friedberg ist jüngst an die Vorstände aller Gemeinden des Großherzogthums Hessen ein Circular erstoffen, welches einen sehr wichtigen Gegenstand bespricht, und dem wir den umfänglichsten Erfolg wünschen. Wir theilen es wörtlich mit, weil es auch anderen deutschen Ländern und Provinzen zum Vorbild dienen kann. Es lautet: „Das eingeführte neue Schulgesetz hat, in Anbetracht des schon langst gefühlten Bedürfnisses, die Heranbildung tüchtiger Lehrer auch israelitischer Confession zu ermöglichen, eine Anzahl Männer an hiesigem Platze veranlaßt, in einer zu diesem Zwecke berufenen Versammlung ein Comitö zu wählen, welchem die Aufgabe übertragen wurde, zur Durchführung dieses Gegenstandes d,e nöthigen Schritte einzuleiten. Die Erfahrung, daß die Grundursache des mangelhaften Besuches des Schullehrerseminarien seitens israelitischer Zöglinge nur darin zu finden sei, daß denselben die Gelegenheit entging, sich auch in den Lehrfächern der israelitischen Religion auszubilden, gab dem Unterzeichneten Comite zunächst Veranlassung, unter Zustimmung vieler größeren Gemeinden unseres Landes, eine Petition an Großherzogliche Staatsregierung abzufenden, worin wir solche ersuchten, auf Anstellung eines akademisch oder pädagogisch gebildeten israelitischen Lehrers, der die Obliegenheit habe, neben anderen Lehrfächern auch israelitischen Religionsunterricht zu ertheilen, Rücksicht zu nehmen. Unsere Eingabe wurde durch Rescript Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 28. Juni l. I. dahin beantwortet, daß, sobald sich durch vermehrte Zahl israelitischer Zöglinge das Bedürfniß Herausstellen sollte, die Regierung für den israelitischen Religionsunterricht Fürsorge treffen würde. Um diesen Zweck zu erreichen, ist es vor Allem nothwendig, Jünglinge, die Neigung zum Lehrerstande haben, zum Besuche des Seminars zu veranlassen, an welchem sie Ausbildung erlangen können. Daran knüpft sich jedoch auch die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß so mancher befähigte Jüngling, namentlich von unbemittelten Eltern, durch die großen Ausgaben zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse, nicht mehr abgehalten wird, diesen Zweck zu verfolgen. Es ist daher nothwendig, die Mittel zu beschaffen, um den Seminaristen, die darauf Anspruch machen, die nöthige Unterstützung zu gewähren, also es ist die Bildung einer Unlerstützungscaffe erforderlich. Unser Vorgehen fand von den Vorständen der größeren Städte und der Rabbinen unseres Landes in einer am 25. Juli d. I. in Frankfurt a. M. abgehaltenen Versammlung den regsten Antheil, wurde allseitig gebilligt und zur Gründung eines Stipendiensfonds Unterstützung zugesagt. Wir hoffen nun, alle unsere Glaubensgenossen werden von der nämlichen Gesinnung beseelt sein und sich mit aller Energie unserer Arbeit anschließen, um ein Werk ausführen zu helfen, welches für das Judenthum von so großer Wichtigkeit ist. Wir erlauben uns daher, an alle Gemeindevorsteher die Aufforderung ergehen zu lassen, uns gefälligst mittheilen zu wollen: 1) wie viel die Gemeinde jährlichen Beitrag zu dem fraglichen Stipcndienfond bewilligen wird, 2, welche Private sich anschließen und welche Summen solche ebenfalls zeichnen wollen, 3) ob in Ihrer Gemeinde sich Jünglinge befinden, die sich dem Lehrerstande widmen und bis zum nächsten Frühjahr das Seminar besuchen wollen? Sobald die Zusagen bei uns eingelaufen sind, werden wir eine Versammlung berufen, solcher von dem Ergebniß unserer Thätigkeit Kenntniß geben, sowie durch dieselbe die Wahl der Berwaltungsmitgliever, die, womöglich, aus Männern der drei Provinzen bestehen sollen, vornehmen lassen. Indem wir Sie höstichst ersuchen, dieses Schriftstück durch Verlesen in der Synagoge zur allgemeinen Kenntniß gelangen zu lassen, sehen wir Ihren baldigen erfreulichen Mittheilungen entgegen und zeichnen achtungsvoll Das Comit6: Mayer Hirsch. Seligmann Hirschhorn. Gerson Schulhof. Jacob Goldbeck. Salomon Schloß. I. Heß. E. Loeb. Elias Meyer." SkettiUKj 6U/<xcfaioc(a tm.