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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-17 · Heft 34 (17.8.1875) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 34 (17.8.1875)
Date
1875-08-17
Page
Seite 548 (sequence 10)
Language
German
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548 stellt; weder ein Entrinnen noch eine Hinterlist ist möglich. Sprich, willst Du thun, was ich Dir befehle? Du hast Dein Geschick in Deinen Händen, Las kommt Einem im Kriege selten so gut." Merr hatte die Worte des Officiers wohl verstanden; sie flößten ihm wenig Trost ein; sein Herz klopfte, sein Athem stockte, und nur mühsam stieß er die Worte heraus: „Was verlangen Eure Gnaden von mir?" «Fortsetzung folgt.) Correspon-ery. Culmsee, im August. Je seltener grobe Verbrechen bei den Juden in Preußen Vorkommen, desto größeres Auffehen macht folgender Vorfall: In der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag überfiel in der Nähe vonWarlubien ein polnischer Jude seinen schlafenden Kameraden — beide sind Schnorrer von Profession — um ihn zu ermorden und dann zu berauben. Er brachte demselben mehrere Schnitte und Stiche an Kopf und Hals bei. Der Ueberfallene, der die Summe von 200 Thaler bei sich trug, hatte trotz der schweren Verwundung noch so viel Kraft, dem Mörder das Messer zu entreißen und laut schreiend in das Dorf zu eilen. Die beiden Juden reisten nämlich seit Jahren zusammen und hatten diesmal im Freien genächtigt. Auf sein Schreien kamen der Nachtwächter und ein Gendarm dem Angegriffenen zu Hilfe. Der Mörder war mittlerweile fast ohne jede Bekleidung in's Getteide gelaufen und hatte sich dort versteckt, wurde jedoch mit Hilfe von Hunden aufgespün und am Donnerstag ftüh in's Neuenburger Gefängniß rbgeführt. Der Verwundete ist nach dem Neuenburger Krankenhause geschafft worden, er ist so erheblich vorletzt, daß er, obgleich ihm sofort ärztliche Hilfe zu Theil wurde, schwerlich am Leben bleiben wird. Nach dem eben ausgegebenen Jahresbericht des Gymnasiums zu Deutsch-Crone ist dasselbe im verflossenen Jahre von 291 Schülern besucht worden. Am Schluß des Jahres (Ende Juli» waren 264 Schüler vorhanden, und zwar 96 katholischen. 125 evangelischen, 43 jüdischen Glaubens. Unter den zehn Abiturienten befinden sich 3 Katholiken, 4 Evangelische und 3 Juden. In dem zu Deutsch-Eilau erscheinenden „Preußischen Anzeiger" befindet sich folgendes Inserat: „Bartenstein. Avertissement'. Ein seltener Kunstgenuß steht unserer Stadt nahe bevor: In den nächsten Tagen beabsichtigt die „Petersburger israelitische Sänger-Gesellschaft" ein großes Concert zu veranstalten, in welchem ausschließlich hebräische liturgische Gesänge zur Aufführung kommen werden. Nur einige unserer Mitbürger in Stadt und Umgegend werden bisher Gelegenheit gehabt haben, diese musikalisch eigenartigen, wunderbar melodiösen und das Gefühl tief ergreifenden Gesänge kennen zu lernen. Wir zweifeln deshalb nicht, daß das dankenswerthe Unternehmen der vorzüglich renommitten Sänger sich der lebhaftesten Unterstützung des Publikums erfteuen wird." Das Programm des Concettes lautet folgendermaßen: 1. Ein Kizwo Lischnoffecho von Pitschel-Petersburg. 2. Min Hameizar von Blnmenthal-Oveffa. 3. Mismor Schir von Weinttaub-Königsberg. 4. Ato Niglesso von Sulzer-Wien. 5. Tisborach Zurenu von Weiß-Warschau. 6. Trachem Zion von D. H. 7. Bechol Lew aranen von Blumenthal-Odessa. Vermischtes. Wenn vor einiger Zeit in der ungarischen Kammer und Presse wieder einmal die Verhältnisse der Juden zu der übrigen Bevölkerung, und dieser zu jenen in gehässigster Weise dargestellt wurden, so beweist folgende Mittheilung aus Pest er Blattern vom 16. Juli das vollste Gegentheil. Die Bauern, welche die in der Nähe der Hauptstadt befindlichen Dörfer bewohnen, konnten der mißrathenen Ernte halber ihren Steuerverpfiichtungen nicht mit geforderter Pünktlichkeit Nachkommen. Die Finanzdirection ließ nun in vielen Dörfern die Beschlagnahme durchführen, und als nach dem Abläufe der Steuerzahlungsfrist die Steuerträger doch noch immer nicht zahlen konnten, wurde die Ueberbringung ihrer Mobilien nach der Hauptstadt angeordnet und die öffentliche Feilbietung für den 16. v. M. anberaumt. Es wurden die Bauen», welche sich im Steuerrückstande befanden, unter Pandurenbegleitunz sammt den mit Beschlag belegten Gegenständen nach der Hauptstadt, auf den Pester Salzgries, den sogenannten Schiffmannsplatztransportirt. Sofort nach der Ankunft der Karavane versammelte sich eine nach Tausenden zählende Volksmenge, die eisrigst bestrebt war, sich nach dem eigentlichen Sachverhalt zu erkundigen. Als nun derselbe der Menge klargelegt worden war, steuerte fast jeder der Anwesenden von 5 Kreuzern bis 5 Gulden zusammen, wodurch in kaum einer Stunde beinahe 200 Gulden zusammengeschossen waren. Die jüdischen Mäkler erstanden die Geräthschaften der Bauern, aber sie licititten im gegenseitigen Einverständniß zu so niedrigen Anboten, daß für die aufgebrachte Summe Alles angekauft, respective zurückgekauft werden konnte. Sammtliche Exequirteu erhielten ihre Sachen zurück, nur mußten sie, um nicht ein zweites Mal exequirt werden zu können, die formelle Erklärung abgeben, daß ihnen die wiedergegebenen Gegenstände hinfort blos geliehen seien. Als den Bauern ihre Sachen wieder zurückgestellt wurden, brach die Volksmenge in endlosen Beifallssturm aus.

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