Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 34 (17.8.1875)
- Date
- 1875-08-17
- Page
- Seite 549 (sequence 11)
- Language
- German
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549 Man sieht also, wie hier die jüdische und die christliche Maffe zu einem guten Werke Hand in Hand gingen. Aus Rom geben deutsche Blätter folgende Schilderung aus dem Ghetto: „Zu den kampflustigsten Elementen der Stadt ( Rom gehören im Gegensätze zu anderen Stadien die im Ghetto wohnenden Juden. Fast täglich hat die Municipalgarde daselbst heftige Kämpfe zu bestehen. Bekanntlich ist das Ghetto erst nach Einnahme der ewigen Stadt durch die italienischen Truppen < geöffnet worden. Unter der päpstlichen Herrschaft waren die i Juden noch ebenso abgeschlosien wie anderwärts im Mittelalter, > die Behörden kümmerten sich nicht um das Judenquartier, und i dies sowie seine Bewohner befanden sich in einem unbeschreiblich i schlechten Zustande. Die armen und intellectuell sehr tiefstehen-! den Juden, welche das Ghetto bewohnen, haben sich deshalb i daran gewöhnt, in ihrem Stadtviertel zu thun, was ihnen beliebt und sich gleichsam als unter sich zu bettachten. Heute noch sehen sie das Ghetto als eine ihnen gehörende Stadt an und weisen jede Einmischung der Behörden energisch zurück. Die Juden, welche in den luft- und lichtloscn Häusern des Ghetto wohnen, können nicht davon überzeugt werden, daß die Straße keine Fortsetzung ihrer Wohnungen ist. Sie effen und arbeiten coram public«» und benehmen sich überhaupt aus öffentlicher Straße mit der Ungenittheit kleiner Kinder. Wenn sich die Sicherheirswächter dem widersetzen, so finden sie überall Widerstand und es entsteht sofort ein thätlicher Stteit. Die Delinquenten werden sofort festgenommen, nach dem Gefängniß gebracht und den nächsten Tag, nachdem sie wieder entlaffen sind, geht es von Neuem los. (Die obige Schilderung scheint uns von einem, italienischer Zustände nicht ganz kundigem Beobachter herzurühren. Denn abgesehen davon, daß schon 1847 Pius IX. in seiner ersten, bekanntlich resormgünstigen Periode die Thore des Ghetto geöffnet hat, was freilich damals noch nicht viele Juden zu benutzen wagten, ist es eine Eigenthümlichkeit aller italienischen Städte, Las die Handwerker und niederen Leute überhaupt den größten Theil ihrer Thatigkeit, auch inttmerer Art, auf der Sttaße abmachen. was also keine Eigenthümlichkeit der römischen Juden genannt werden kann. Redaction.) Bekanntlich wird Josua 5, 2 mmn von den meisten Erklärern mit „Steinmeffer" gedeutet. (Bgl. 2 Mos. 4, 25.) Jüngst fand der französische Alterthumsforscher an dem Orte, den er mit manchen Anderen für Gilgal hält, viele wie Meffer gestaltete Feuersteine, und hält nun diese für die von Josua zur Beschneidung der Israeliten gebrauchten Steinmeffer. Allerdings muß er zugeben, daß solche an vielen anderen Orten Palästinas und anderer Länder ebenfalls gefunden werden, so daß die Behauptung, hier die Meffer Josuas vor sich zu haben, doch sehr gewagt ist. Man ist jetzt glücklicher Weise von jenem romantischen Schimmer wieder abgekommen, mit welchem man noch vor mehreren Jahrzehnten das Mittelalter umgeben hat. Ganz abgesehen von der Rohheit und dem Fanatismus, die sich in der langen Epoche, die man als Mittelalter bezeichnet, fast ununterbrochen und überall kund gaben, fehlte es auch an allem Rechtsgefühl. Man wende nicht ein, daß das Mittelalter ja eine Fülle von Rechten, von Privilegien, Monopolien, Feudalrechten, Stadttechten, Zunftrechten, scheußlichen Criminalrechten u. s. w. u. s. w. hervorgebracht hat. Sie geben gerade Zeugniß für den wirklichen Mangel an Rechtsgefühl; denn man umgab sich mit diesem Wall von Rechten nur, um Gewaltthärigkeit nach allen Seiten unter dem Schutze dieser sg. Rechte zu üben, die nichts weiter waren, als das legalisirte Unrecht der Einen gegen die Anderen. Dies drängte sich uns in diesen Tagen bei einer kleinen Notiz im Cod. dipl. Morav. VII 944 von Neuem auf. Als im Jahre 1349 Kaiser Karl IV. für seine böhmischen Unterthanen, besonders die Prager Bürger, freies Gebiet in den Gebieten des Herzogs Ludwig von Bayern, Markgrafen von Brandenburg, erhielt, schenkte er als Aequivalent Ludwig drei der besten Judenhäuser zu Nürnberg, die er sich selbst auswahlen sollte, wenn dort die für die nächste Zeit zu erwartende Judenverfolgung ausbrechen würde! Hohes Alter.) In Steinamanger ist am 27. d. Herr Koloman Kohn im Alter von 112 Jahren gestorben. Kohn war bis in die letzte Zeit seines Lebens rüstig und wußte sich ganz gut auf die Ereignisse seiner Kinderzeit und an alle Details der Franzosenkriege zu erinnern. Kohn, der von einem Gehirnschlage gettoffen wurde, hinterläßt Kinder, Enkel und Urenkel. Es ist schon wiederholt bemerkt worden, daß einheimische n Schriftsteller über die Tartaren hervorheben, daß sie in ihren .) Sitten sehr viele Aehnlichkeit mit den Juden hätten. Ob dies :, nicht gemeinsame Züge der orientalischen Welt betrifft? 34*