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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-17 · Heft 34 (17.8.1875) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 34 (17.8.1875)
Date
1875-08-17
Page
Seite 541 (sequence 3)
Language
German
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541 ausmachenden Gegnern einige Juden und zwar durch ihre Talente und aufopfernden Anstrengungen ausgezeichnete Juden erblickt. Die Kreuzzeitung hoffe aber nicht, daß sie über den eigentlichen Zweck ihres Feldzuges tausche. Sie will Rache nehmen an Laster für deffen erfolgreichen Kampf in den Eisenbahnangelegenheiten und für den Sturz ihres Gründers und Patrons, des Herrn Wagener. Dies füllt denn auch den größten Theil der sämmtlichen sechs Artikel aus. Freilich wagt sie es nicht, den Charakter und die glänzenden Talente Lasters anzugreifen; sie benutzt vielmehr das offene Zugeständniß dieser hervorragenden Eigenschaften des jüdischen Abgeordneten zum Piedestal ihrer Kritik seiner Thätigkeit. Aber sie bezeichnet sein Vorgehen in Der Eisenbahnangelegenheir als ein rein abvccatorifches Plädoyer; von der Sache verstehe er gar nichts; feine Kunst hätte nur in der Gruppirung der einzelnen, ihm zugeführten Materialien und in der rhetorischen Darstellung bestanden; statt die Wurzel, nämlich das falsche Actiensystem anzugreifen und Vorschläge zu dessen Umgestaltung zu machen, sei er nur aus die einzelnen faktischen Auswüchse losgegangen; er hätte daher gar keinen wirklichen Erfolg gehabt, habe schließlich doch nur den großen Banquiers in die Hände gearbeitet und den an sich unausbleiblichen „Krach" durchaus nicht herbeigesührt. Dies ist schließlich Alles, was sie gegen Laster vorzubringen vermag, und es kann uns aus unsren Gesichtspunkte ganz gleichgültig sein, ob er darin geirrt habe, da selbst diese erbitterte Gegnerin dem Juden Laster keinen andern Vorwurf zu machen vermag, als daß er eine andere Ansicht gehabt, als sie und nicht Einsicht genug in das richtige Finanzsystem, wie die Kreuzzeitung hinterdrein sie besitzen will. — Den Herrn Bamberger bespricht die Kreuzzeitung nicht weiter, weil die Volkszeitung ihn aus der Waage der Volkswirthschafr zu wägen unterläßt. Was aber hat sie gegen Herrn Oppenheim zu sagen? Auch hier gesteht sie ein, daß Oppenheim schon am Beginne der ganzen Frage, schon 1872, einen meisterhaften Aufsatz gegen das ganze Bank- und Actienwefen in der Nationalzeitung gegeben habe; aber auch er habe keine Vorschläge zur Um- und Beffergestaltung gemacht, sondern am Schluffe seines Aufsatzes die ganze Sache der wachsenden Einsicht res Publikums überlaffen. Weiter weiß sie nichts gegen ihn zu sagen. — Was hat also die Kreuzzeitung mit allem Aufwande von sechs langen Artikeln gegen die beiden jüdischen Abgeordneten vorgebracht? Nichts Anderes als daß diese beiden Männer die schärfste Kritik gegen das Actien- und Bankwesen geübt, daß sie aber nicht Einsicht und schöpferische Begabung beseffen hätten, um eine beffere Bahn nachzuweisen und zu eröffnen! Mag sie hierin Recht oder Unrecht haben, schlägt sie sich selbst damit nicht in's Angesicht, wenn sie behauptet, die jüdischen Abgeordneten wären Schuld an den Fehlern des deutschen Finanzwesens? Von der einen Seite sollen es gerade Lasker und Oppenheim gewesen sein, welche die Gefährlichkeit und Schädlichkeit dieses Systems nachgewiesen, und dennoch sollen sie es herbeigeführt und bewirkt haben. Wir glauben kaum, daß es der Kreuzzeitung auch nur im Geringsten gelungen ist, ihr Müthchen an den beiden Abgeordneten zu kühlen, und daß ihr zur Schau gettagenes Siegesgefühl nur ein erheucheltes ist. Zuletzt kommt denn auch die Kreuzzeitung auf des Pudels Kern, auf die Stellung, auf welche sie die Juden in der staatlichen Gesellschaft beschränkt haben will. Sie will, um es mit wenigen Werten auszudrücken, den Juden die bürgerlichen Rechte nicht versagen, wohl aber „das Recht auf obrigkeitliche Stellungen", und bei Leibe sollen Juden keine Banquiers werden dürfen. Man sieht, daß auch die Kreuzzeitung vorgeschritten ist; denn sie will den Juden das active und passive Wahlrecht nicht nehmen, wodurch sie also die jüdischen Abgeordneten, die sie als ihre Gegner betrachtet, nicht los würde. Auch kann man sie nicht mehr mittelalterlich nennen, denn das Mittelalter verdammte die Juden zum Geldhandel und diesen gerade will sie ihnen verschließen. Sie meint, daß vas orthodoxe Judenthum ihr zustimmen werde, und versteht darunter diejenigen Juden, welche durchaus nach Palästina zurück wollen. Da hat sie denn freilich unter den europäischen Juden aus eine nur geringe Zahl Beistimmender zu rechnen; denn wir kennen keinen orthodoxen Juden, der sich nicht sieut, wenn sein Sohn ein staatliches Amt erhalten hat, und gerade der Jude, der unaufhörlich Petitionen um die völlige Gleichstellung an die zweite preußische Kammer richtete, war ein streng orthodoxer Rabbiner, der sel. Sutro in Münster. Alle Juden, die nicht nach Palästina marschiren wollen, nennt die Kreuzzeitung „Reformjuden", die ihr gleich allen nicht orthodoxen Christen von Herzen zuwider „ekelhaft" sind. Aus alle diese Auslastungen, die in der Kreuzzeitung so alt wie sie selbst sind, haben wir nur das deutsche Sprichwort zu erwidern: „Es ist gut, daß der Esel keine Hörner hat!" Hinten ausschlagen mag er, denn da trifft er nur Diejenigen, welche dumm genug sind, sich hinter ihn zu stellen. 2r>ei£iuicj 6w/<xc&iöc&beu/. Deutschland. Köln, 5. August. (Privatmitth.) Mit Recht macht Ihr Correspondent aus der Provinz Posen in Nr. 32 unsre Glaubensgenosien daraus aufmerksam, daß sie, wenn sie ihre Schule einer Simultanschule einverleiben, auf die Einhaltung gewiffer Bedingungen achten müßten, nämlich, daß auch jüdische Lehrer an denselben Anstellung finden, und daß der confessionslose Charakter des eigentlichen Unterrichts in Verbindung mit kem getrennten Religionsunterrichte jeder Religionspartei bewahrt 34*

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