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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-17 · Heft 34 (17.8.1875) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 34 (17.8.1875)
Date
1875-08-17
Page
Seite 540 (sequence 2)
Language
German
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540 Noch mehr, auch die Hauptbank ist durch die Contingentirung auf 250 Millionen unbedeckter Noten derartig begrenzt, daß sie als Disconteur nur in beschränktem Maße aufzutreten vermag. Die unausbleibliche Folge davon ist, daß Alles, was früher sg. Reitwechsel, d. i., das Creditverschaffen durch Wechsel in mehr oder minder schwindelhafter Weise) war. ein Ende nimmt. Die offenbare Folge alles Deffen ist also Nachtheil der Banquiers, überall wohin wir sehen. In wiefern nun alle diese Einrichtungen und Maßnahmen der deutschen Regierung in ihren Einzelnheiten von finanziellem und volkswirtschaftlichem Standpunkte aus begründet, richtig, und vortheilhaft sind oder das Gegentheil, wollen wir hier nicht näher erörtern, sondern nur hervvrheben, wie falsch und willkührlich die Behauptung der Kreuzzeitung ist, auf welche sie doch ihre ganze Anklage stützt. Noch Eines. Was Herrn v. Bleichröder und desien Mitarbeiter am meisten berühren mußte, war die Anlegung des Jnvalidenfonds. Soviel wir wissen, wurde und wird dieser Fond zu Provinzial- und Communalanlehen verwendet, also ohne Vermittelung der Banquiers, also auch ohne Vortheil für die letzteren. Ist somit die Behauptung der Kreuzzeitung eine durchaus irrige, aus blindem Hasse entsprungene, so wird sie als solche noch mehr dadurch gebrandmarkt, daß einem Manne, wie Lasker, die Absicht untergeschoben wird, den Banquiers durch die Gesetzgebung Bortheile zu verschaffen, Lasker, der durch sein bekanntes Vorgehen in den Eisenbahnangelegenheiten sowohl der deutschen Eisenbahnbauindustrie, als auch allen deutschen Banken und Banquiers, von Herrn v. Bleichröder angefangen, so harte Schläge beigebracht hat! Was auch die Herren der Kreuzzeitung an Sophistereien zu Markte bringen, hierdurch schon kennzeichnen sie ihre Angriffe als unsittlich, als bloßes Manöver. Bonn, I I. August. Die letzten sechs Artikel der kreuzzeitung. In dir. 32 wurde bereits berichtet, daß die „Kreuzzeitung" ihren berufenen fünf Artikeln über die leitenden preußischen Staatsmänner und das deutsche Finanzwesen noch sechs Artikel vom 2l. bis 27. Juli, überschrieben: „Laster, Bamberger, Oppenheim", hat folgen lassen. Wenn jene ersten Artikel die Absicht hatten, den Fürsten Bismarck und die Staatsminister Delbrück und Kamphausen eines falschen Finanzsystems zu zeihen, nämlich eines den Banquiers zum Bortheile, dem Reiche zum höchsten Schaden gereichenden, und zwar aus eigennützigen Motiven, und zu diesem Zwecke diese Staatsmänner von dem jüdischen Banquier Bleichröder, sowie den Reichstag von den jüdischen Abgeordneten Laster, Bamberger und Oppenheim beherrscht zu zeigen, und endlich das ganze Reich von den Juden regiert, zu denunciren — so sollen diese neuen sechs Artikel die genannten drei Abgeordneten anklagen, das Finanzsysiem des deutschen Reiches zum Vortheile der jüdischen großen Finanzmänner geschaffen zu haben und hiermit recht eigentlich erweisen, daß das „Judenthum" die vorherrschende Kaste im Reiche sei. Wir sind jenen ersten Artikeln der Kreuzzeitung in zwei Aufsätzen entgegengetreten; in dem ersten lNr. 30) legte eine Correspondenz aus Berlin die ganze Machination der Kreuzzeitung als solche klar, während der zweite aus der Feder eines jüdischen Banquiers nachwies, daß, wenn das deutsche Finanzsystem aus unrichtigen Ansichten beruht, diese aus übermäßiger deutsch-nationaler Tendenz hervorgegangen, um nämlich vom französischen Finanzwesen nichts zu entlehnen, vielmehr sich von ihm wesentlich zu unterscheiden, ferner daß von Anfang an die urtheilsfähigen Finanzmänner und unter diesen selbstverständlich auch die jüdischen, ganz entgegengesetzte Meinungen hatten, folglich nicht einmal die jüdischen Banquiers, noch weniger die gesammte Judenheit einen Act des Einflusses geübt hätten und dafür verantwortlich wären. Die ersten Artikel der Kreuzzeitung waren also direct gegen die preußischen Staatsmänner und den Herrn v. Bleichröder gerichtet; die neuen sechs stürmen nun aus die genannten drei Abgeordneten jüdischer Religion los und hiermit auf die gesammte Judenheit. Es ist demnach unsre Pflicht, auch diesen einige Worte entgegenzustellen. Wir werden uns hüten, der Kreuzzeitung gegenüber, ebenso wie bei den jüdischen Banquiers, bei den drei Reichstagsabgeordueten gellend zu machen, daß diese drei Abgeordneten mit der Judenheit nicht tdennsch sind, daß sie nicht von den Juden, sondern von deutschen Wahlbezirken gewählt sind, daß sie nicht die Juden vertreten, sondern das deutsche Volk, daß sie unter den Juden gerade wie unter den Deutschen überhaupt ebenso gut Viele finden, die mit ihren Meinungen nicht übereinstimmen, wie solche, die ihnen consentiren. Diese Beweisführung richtet bei den Kreuzzeitungsrittern nichts aus; sie wollen die Juden verbrennen, ob sie schuldig oder unschuldig sind; für die Unparteiischen aber braucht sie nicht noch einmal wiederholt zu werden. Kann sich doch selbst die Kreuzzeitung dem Gefühle ihres Unrechts nicht ganz entziehen, und es entschlüpft ihr im zweiten Artikel das Zugeständniß, daß nur der Theil der Juden verantwortlich sei, „welcher die hohe Finanz beherrscht", nachdem sie vorher zu der Andeutung bewogen war, daß unter den Finanziers selbst stets ein erbitterter Kampf stattfinde. Wo bleibt da die Consequenz?! Durch die ganze Artikelreihe giebt sie ferner zu, daß sie im Grunde mit der Berliner „Volkszeitung" übereinstimme, die sie doch als völlig von Juden geleitet darstellt, und baß die Volkszeitung ihre Opposition gegen das deutsche Finanzsystem von Anfang an erhoben hat, wahrend die Kreuzzeitung erst post festum kömmt. Dies genirt die Sophisten der Kreuzzeitung nicht: die ganze Judenheit muß ihren Zorn ertragen, weil sie unter ihren, die enorme Mehrheit des deutschen Volkes

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