Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 34 (17.8.1875)
- Date
- 1875-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Em unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp soll in Bonn. Derlag von Bmwlgiirtner's Bllchhandlnug in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro H u'n dert berechnet. 3n redaktionelle» Sluaeieaeuheilen wende Win sich an 0r. r. phili-vso» in Bonn: binfichüild de« Bezug« und der Jw'eratean La»«?Sr1aer'» L-Sdandl-ny mLewzig. 3tt0rirtf, wetcdedi» voanrr,- tag eingeben. finde» in bet rat auf folgen» den 9iumsiR BerücksiltzligMg. Diese Zeitung erscheint —f_, einmal in 2 vi« 2>/i Bogen. Preis BiertÄiäbria Z Btark. Inserate werde» mit 20 Pf. firr die Petitzeile oder deren Ran« berechnet. Alle Buchhandlungen, tter und Zeitung« »Expeditionen nehmen Bestellungen an. 39. Jahrgang. Leipzigs den 17. August 1875. «A? 34. StchaU. Leitende Artikel: Ueber die fünf Artikel der Kreuzzeitung. II. — Die letzten sechs Artikel der Kreuzzeilung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Köln, Berlin. Münster. Hörde, Hcchinzen. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Amerika: Philadelphia. — Palästina: Liberias. — Feuilleton: Die Treue. (Erzählung). II. (Fortsetzung). — Corrcspondenz: Culmsee. — Vermischtes. Xelfceude <3Lxhbel. Brüssel, 8. August. Aeber -ie fünf Artikel -er Lreuzzeiluaz. II. In meinem ersten Artikel (Nr. 32) habe ich mir die Beantwortung einer Frage Vorbehalten, welche für die Tendenz dieses Blattes wohl eigentlich die Hauptstage bildet. Die Kreuzzeitung behauptet nämlich, daß die deutsche Finanzgesetzgebung der letzten fünf Jahre nur darauf ausgehe, den Banquiers besondere Vortheile zu schaffen, und weil nach der Kreuzzeitung die Banquiers vorzugsweise Juden sind, den Juden Nutzen zu bringen, und gerade darum sollen Juden ihren Einfluß auf Slaatsregierung und Reichstag ausgeübt haben, um Liese Finavzgesetzgebung zu bewirken. Entspricht nun diese Behauptung der Wahrheit? Wir muffen dies nachdrücklich verneinen, und zwar so sehr, daß die Frage entsteht: stellt die Kreuzzeitung diese Behauptung aus auffälliger Unwissenheit, oder aus jenem blinden Parteihaffe aus, den sie steilich seit der Stunde ihrer Geburt confequent gehegt und erwiesen hat? Was die Banquiers am meisten interessiren muß in der neuen Finanzgesetzgebung ist wohl vor Allem das Münzgesetz nnd die neuen Bankacte. Nun ist es bei allen Bertheidigern der reinen Goldwährung eine feststehende Ansicht, und zwar mit großem Rechte, daß die Doppelwährung, nämlich die Gold- und Silberwahrung. den Banquiers nicht geringe Bortheile durch Ein- und Ausfuhr bald des Goldes, bald des Silbers, wie gerade die Bankactive es erfordern, verschafft. Deutschland aber hat die Goldwährung gewählt, und somit hätte Herr v. Bleichrörer gerade einen nicht geringen Vortheil der Banquiers außer Acht gelaffen und beseitigt. Wenn bis vor Kurzem eine starke Ausfuhr des Goldes aus Deutschland stattfand, so waren hieran nicht die Banquiers schuld, sondern sie wurde durch das leichtfertige Uebermaß von Speculation seitens der deutschen Industrie und durch den Umschlag für die letztere verursacht, und hatte unter dem Regime jeder Währung, sei es der Gold-, Silber¬ oder Doppelwährung stattgefunden. — Was aber die neuen Bankacte betrifft, so hätte wahrlich nichts gefunden werden können, was dem illoyalen, schmarotzerhaften Bankwesen nachtheiliger wäre, als diese neuen Einrichtungen. Wir setzen nämlich voraus, daß auch die Kreuzzeitung sich der Ansicht nicht verschließt, daß das gesunde, richtige, loyale, keiner Branche des Handels und der Industrie, des menschlichen Verkehrs im Großen und Ganzen entbehrliche Bankwesen eristiren soll und muß, wobei es ganz gleichgültig ist, ob es von Christen oder Juden, von Orthodoxen oder Reformern, oder wie es in der That der Fall ist, von allen Solchen geleitet wird. Durch die neuen Bankacte wird allen Banken die Notenausgabe derartig beschränkt, daß sie entweder illusorisch, oder es ihnen wünschenswerther wird, dieselbe ganz auszugeben, wie denn auch bereits mehrere derselben darauf verzichtet haben. Hiermit hört die Leichtigkeit des Crerits und des Creditgebens auf, und die zahllosen Vermittler zwischen diesen Banken, welche ihnen Credit gaben und den Industriellen und Kaüfleuten, welche Credit forderten, das sind die Banquiers, verdienen durch diese Art ihrer bisherigen Thatigkeit nichts mehr.