Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1875)
- Date
- 1875-08-10
- Page
- Seite 532 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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532 thum zu einem Zerrbild, zu einer Jammergestalt, herabwürdigt, für den die Worte des feurigen Propheten Jesaias bezeichnend sind: irba -pmm« crnn ^—>««72 -725. Ich gebe zu,! Laß er es gut mit dem Judenthume meint. Allein er macht ' es mit demselben wie der Affe mit seinen Jungen, der sie so lange küßt, bis er sie erwürgt. Auch er wendet aus Liebe dem Judenthume, das er übrigens falsch zu begreifen scheiut, leider eine solche Aufmerksamkeit zu, durch die er es entwürdigt, es zum Spott- und Stichwort macht. 0 sancia siraplicitas! Durch seine Hingabe und staunenerregende Stabilität für solche Kleinlichkeiten besitzt er weder Sinn, noch Intelligenz für die wichtigsten Änteresien unserer Religion. Die Talmud-Thora- Schule verliert durch seine conservative Leitung immer mehr und mehr, so daß im verstosienen Jahr nur ein einziger Abiturient aus derselben das einjährige Frerwilligen-Zeugniß erlangen konnte, worüber wir uns gar nicht zu wundern haben; denn bei 26 Unterrichtsstunden in der Woche für die jüdischen Lehrgegenstände bleibt den Schülern auch nicht viel Zeit übrig, um die andern Disciplinen gründlich zu erlernen. Für die Verschönerung des Gottesdienstes wird absolut nicht das Geringste gethan, und wenn man einem Gottesdienste in der Synagoge auf der Elbstraße beiwohnt, so glaubt man in ein Krippstädtchen Rußlands unter Chassiväer versetzt zu sein, nur mit dem Unterschiede, daß hier der Rabbiner, der Cantor und der Synagogendiener mit Talaren decorirt sind. Zwar ist es einigen intelligenten Vorstehern gelungen, in die neue Synagoge auf den Kohlhöfeu einen etwas modernen und würdigen Gottesdienst einzuführen; deswegen aber auch ist „das große Licht" Hamburgs mit den Einrichtungen in derselben nicht sehr zufrieden. *) Zum Schluß theile ich Ihnen mit, daß bei den hiesigen Juden auch das Bedürfniß nach einem akademisch gebildeten Kanzelredner und fachmännischen Schuldirigenten wachgerusen ist, und Referent hegt die gegründete Hoffnung, daß die befferge» sinnten Glaubensgenoffen Hamburgs sich bestreben werden, bei ihrer vorzunehmenden Wahl sowohl dem Judenthume als dem Zeitgeiste gerecht zu werden. Nun gestatten Sie mir, hochgeehrter Herr Redacteur, einige Worte über die Schwestergemeinde in Altona. Dort herrscht unter den Juden im Allgemeinen nicht so viel Jntereffe für jüdisches Wiffen wie in Hamburg; aber was die Cultusbeamten anbettifft, ist die dortige Synagogengemeinde bedeutend beffer bestellt als die Hamburger, obgleich letztere viel größer und reicher ist und für die Erhaltung ihres Cnltus viel mehr anwendet und auch anwenden kann. Die Hamburger Israeliten beneiden unsere Altonaer Glaubensgenossen um ihren jetzigen Rabbiner, den Herrn Dr. Löb, der dort schon seit zwei 1) Von vielen Seiten wurde mir gesagt, ich hätte zwar nur Wabres über den Rabbiner rcserirt, da er aber bereit« 25 Jahre im Amte sei, so sollte ich deshalb seiner schonen. Dieser Ansicht trete ich entgegen mit dem bekannten Sprichwörter „Hundert Jahre Unrecht machen noch nicht ein Jahr Recht". Jahren segensreich wirkt, und behaupten, die Altonaer Juden hätten immer Glück mit ihren Rabbinern. Mir däucht aber, daß eben dieser Umstand beweist, daß die Altonaer Juden auch vorsichtiger bei ihren Wahlen an's Werk gingen. Herr Dr. Löb zeichnet sich aus nicht nur durch seine gründliche wissenschaftliche Ausbildung, durch sein immenses Wiffen auf allen Gebieten der jüdischen Literatur, als durch seine rhetorische Begabung und gediegene Kanzelberedtsamkeit, wie noch mehr durch seine Geschicklichkeit als Pädagog. Hat er doch die bekannte jüdische Erziehungsanstalt zu Funkstadt in's Leben gerufen! Seine religiösen Borträge sind erbauend und zugleich belehrend. Er vertritt zwar einen streng orthodoxen Standpunkt, ist aber dabei sehr tolerant und scheint nicht danach zu streben, Alle in sein Gotteskämmerlein hereinzuschleppen; er erklärt nicht seine Ansicht für die alleinseligmachende und läßt vielmehr einen Jeden nach seiner eigenen Faoon selig werden. Sein mildes, freundliches Wesen gewinnt ihm die Herzen Aller, die ihn kennen lernen. In seiner Eigenschaft als tüchtiger Pädagog bekümmert er sich um die Altonaer Talmud-Thora-Schulegiebt sich aber nicht mit Kleinlichkeiten ab, denn er versteht etwas Befferes; er prüft die Schüler in sammtlichen Lehrgegenständen. Eines solchen Mannes bedarf jetzt gerade die jüdische Gemeinde zu Altona. Denn sein Vorgänger, der selige, unvergeßliche Rabbiner Ettlinger schien von dem Gedanken auszugehen: rrarn -*rb st-372« *vrabn bvs:, beschäftigte sich daher Tag und Nacht nur mit den talmudischen Disciplinen, interessirte sich lebhaft für die Glaubensgenossen in Palästina, und hatte daher weder Zeit, noch Lust sich viel um seine Gemeinde zu bekümmern, weswegen auch die Institute derselben aus Rand und Band gingen; Herr Nr. Löb dagegen scheint diesen Spruch zu beherzigen: 77D572N «brr -9-5 xa-\~izr: rrbi und neben seinen talmudischen wie allgemein wissenschaftlichen Studien sucht er auch für und auf die Gemeinde zu wirken, und man kann mit Zuversicht darauf rechnen, daß alle Gemeindeinstirute durch seine segensreiche Thätigkeit sich zum Beffern gestalten werden. Es wäre wünschenswerth, daß die Synagogengemeinde in Hamburg sich ihre Schwestergemeinde zum Muster nehme, und dann würde man sagen können: 2-572«: tt-bi-un« -iinn -nvvr 2-:ttpb in dem Sinne: „Glücklich die Generation, wo die großen Gemeinden danach streben, tüchtige Rabbiner anzustellen, wie man sie sehr oft in kleineren Gemeinden findet." Adolph Radyn, canck. phil. Entgegnung. Wir erhielten von einem Manne, der anonym bleiben will(!» eine Entgegnung auf die erste Correspondenz des Herrn Radyn in Nr. 30. Dieselbe besteht zu einem großen Theile in Jnvectiven gegen den Correspondenten, die wir, als zur Sache 2) In derselben wirkt auch als Lehrer für die hebräischen Disciplincn der Literat Herr Wittower.