Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1875)
- Date
- 1875-08-10
- Page
- Seite 529 (sequence 9)
- Language
- German
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möglich. Von dieser Ueberzeugung muß die türkische Staatsregierung ausgehen und gingen auch die Leiden desfallsigen Firmane des Sultans aus. Die Bestrafung der Aufhetzer, sobald deren Person und Thun constatirt sind, muß sofort vorgenommen werden. Eine sorgfältige Untersuchung der Anschuldigung selbst muß immerhin folgen; aber die Züchtigung der Anstifter, die ja mit Gewaltthätigkeiten sofort vorgehn, darf nicht erst vom Ausgang der Untersuchung der Anschuldigung selbst abhängig gemacht werden. Erst auf diese Weise kann den verruchten Aufhetzern das Handwerk gelegt werden. Sie sind, ganz abgesehen von der Sache, Aufruhrer gegen die Obrigkeit, Urheber von Tumulten und Mißhandlungen von Unterthanen, folglich jedenfalls strafbar. Glauben sie, daß Juden ein Verbrechen begangen, so können sie ihren Verdacht bei der zuständigen Behörde zur Anzeige bringen. Aber in der Weise, wie gewöhnlich diese Vorgänge abspielen, liegt die Absicht zu offen, daß sie nur auf Plünderung und Todschlag ausgehen. Es liegt jedoch in dem Interesse der türkischen Regierung, selbst diesen Hang in einem Theile ihrer Unterthanen auszurotten, da bekanntlich nichts ansteckender als die Lust zum Tumultuiren, die sich bald auch auf anderen Gebieten Luft macht. Wir wünschen dringend, daß von einflußreichen Personen dies der türkischen Regierung nochmals vorgetragen werde, damit diese eine abermalige, strenge Anordnung treffe, die um so nolhwendiger, als in den türkischen Staaten früher erlassene Befehle gar zu leicht in Vergessenheit gerathen. euilleton. Die Treue. Erzählung. «Fortsetzung.) „Sie müssen wissen, Herr Ambassadeur," fuhr Merr fort, „daß das Hamburger Haus neuerdings große Schwierigkeiten erhebt, ja sich geradezu weigert, die Wechsel zu honoriren, wenn sie nicht von Ihrer schwedischen Majestät unterschrieben werden. Da dies mit denen, welche Sie mir da übergeben haben, nicht der Fall ist, so fürchte ich, daß unsere Bemühungen umsonst sein werden. Denn da wir nicht einmal immer gewiß sind, wo Ihre Majestät sich befinden, so könnten sie Ihr auch nicht unterbreitet werden, abgesehen, welchen Zeitverlust dies kosten würde. Nun, ich will nach Halberstadt gehen, und alles Mögliche versuchen, wenigstens die ersten Ratenzahlungen zu erhalten. — Dagegen war ich mit den Lebensmitteln glücklicher, und dies ist der Hauptzweck, weshalb ich eine Zusammenkunft mit einem der höher gestellten Männern in Magdeburg verlangte, wodurch ich unerwarteter Weise Sie selbst, Herr Ambassadeur, zu sprechen die Ehre habe." „Das ist ja höchst erfteulich!" rief Stahlmann aus, und über sein sorgenschweres Antlitz flog ein Ausdruck der Befriedigung. „Im Augenblicke wäre dies noch wichtiger als das Geld. Berichte mir, Merr." „Allerdings," antwortete dieser, „wird es noch viele Anstrenwurde. Jetzt gilt es also, die kostbaren Lebensmittel, die ich mir den letzten Summen bezahlte, welche ich von Halberstadl erhalten, in die Festung zu schaffen. Es muß so bald wie möglich geschehen, denn da nicht wenig Personen darum wissen, so könnte leicht ein Verrath stattsinden. In einer der nächsten Nächte also muß mit der ganzen Reiterschaar ein Ausfall gemacht werden, der sich bis Barby erstrecken muß, und der eine genügende Zahl Wagen mit sich führen müßte. Gut wäre es, um die Aufmerksamkeit des Feindes abzulenken und ihn anderweitig zu beschäftigen, wenn zu gleicher Zeit ein anderer Ausfall etwa nach den Laufgräben vor der hohen Pforte unternommen würde. In Barby angelangt, müssen die Reiter absitzen und Hand anlegen, in der kürzesten Zeit die Wagen zu beladen. Eine Anzahl Reiterpferbe werden mit vor die Wagen gespannt, und so könnte der ganze Transport glücklich nach Magdeburg hereinkommen. Die Feinde stehen gegenwärtig, wie schon bemerkt, nur in geringer Anzahl nach Barby hin, da ihre großen Heerhaufen auf dem rechten Elbufer und im Norden der Stadt beschäftigt sind. Die gesammte Reiterschaar von etwa 300 Pferden würde also nach unserem Städtchen hin jeden Widerstand leicht niederwersen." Der schwedische Staatsmann blickte voll Staunens auf den einfachen Mann mit dem gebeugten Haupte, der vor ihm stand und zu ihm sprach. „Wahrhaftig, Jude," erwiderte er ihm, „ich habe schon viel Treffliches an Dir bemerkt, aber daß Du auch Feldherrntalent besitzest und einen geschickten Parteigänger abgäbest. gung kosten, die Vorräthe, die ich zusammengebracht, in die Stadt i habe ich nicht gewußt und nicht einmal vermuthet. Was Tu zu bringen. Mein Plan ist folgender. Es ist mir gelungen.! da vorgeschlagen, muß und soll wörtlich ausgesührt werden. Ich dreihundert Centner Korn, fünfzig Fässer Mehl, und ebenso viele werde nach meiner Rückkehr mit dem General Falkenberg Alles eingefalzenen Fleisches in unterirdischen Kellern in unserem so absprechen, und in der ersten dunkeln Nacht soll es executirt Städtchen Barby, das augenblicklich von den Kaiserlichen ganz - werden." verlassen ist, anzusammeln. Möglich war dies trat dadurch, daß j „Sie sind sehr gütig, Herr Ambassadeur," antwortete Me>r, dieser oder jener Theil des Transportes, wenn Kaiserliche darauf „wenn man sich so viel und leider seit so langer Zeit unter stießen, als für Pappenheim's Regimenter bestimmt ausgegeben > Heerschaaren und in Lagern umhertreibt, so braucht man nur die 32