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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-10 · Heft 33 (10.8.1875) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 33 (10.8.1875)
Date
1875-08-10
Page
Seite 528 (sequence 8)
Language
German
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528 sich hieraus Die immer wiederholte Erscheinung, daß, sobald ein oder mehrere Juden sich eines Vergehens oder Verbrechens schuldig gemacht haben, die bitterste Anklage gegen alle Juden des Landes erhoben, diese der corrumpirtesten Sittlichkeit in Handel und Wandel geziehen und daraus die Folgerungen der schädlichsten Wirksamkeit gezogen werden. An diesem Vorgehen gegen die Juden nehmen besonders die polnischen Beamten Antheil, und selbst die Staatsanwälte polnischer Nation ergreifen gern die Gelegenheit, in ihren Plädoyers gegen einen angeklagten Juden, um die gesammte Judenheit in den schwärzesten Farben zu schildern. Ein neulicher Vorfall in Tarnow hat hierfür einen abermaligen Beleg geliefert, und die Abwehr des Staatsanwalts Szyszczan gegen eine Rüge in den öffentlichen Blättern fiel lahm genug aus. Denn wenn er auch erklärte, daß es falsch sei, die Staatsanwaltschaft habe die Juden im Allgemeinen als Ursache des Ruins des Landes bezeichnet: so weiß man doch, wie es aus Ton und Färbung in der Rede ankommt, um dem Zuhörer eine Meinung beizubringen, die man fteilich mit nackten Worten nicht ausgesprochen hat. — Wie unterwühlt die Lage der Juden in Galizien ist, dafür zeugt auch ein Artikel in der Wiener „Presie" vom 30. d., der folgendermaßen lautet: „Mannigfache Umstände halten in letzterer Zeit zusammengewirkr, um in Galizien, namentlich unter der Landbevölkerung, eine äußerst jukenfeindliche Stimmung hervorzurufen. Dieselbe wurde durch die Presse nach Möglichkeit genährt. In Folge dessen soll, nach einer in Lemberg verbreiteten Nachricht, eine galizische Juden- Deputation sich an den Justizministerl»r. Glaser mit einer Beschwerde gewandt haben. Die polnischen Blätter verbreiteten hierauf das Gerücht, der Justizminister habe die Oberstaatsanwaltschaften in Lemberg und Krakau angewiesen, die Juden gegen die Ausschreitungen der nationalen Presie zu schützen. Zwei Confiscationen, von denen ein lemberger Blatt, der Dziennik Polski, bei Besprechung dieses Gerüchtes betroffen wurde, gaben dem albernen Gerede nur noch größere Verbreitung, und es kann daher nicht verwundern, wenn heute auch das „Vaterland" des Längeren und Breiteren mit dem Gegenstände sich beschäftigt. Dem gegenüber sei constatirt, daß einer telegraphischen Meldung aus Lemberg zufolge, der dortige Oberlandesgerichtspräsivent, Ritter v. Schenk, die Nachricht von dem angeblichen Erlasse 0r. Glaser's zu Gunsten der galizischen Juden für unwahr erklärt. Bukovar «Ungarn», 28. Juli, lPrivatmittheilung.) Aus unserer fernen Gegend wird Sie doch wohl die Mittheilung interessiren, daß auch in unserer Synagoge der Oberrabbiner von Syrmien, Herr David Löwy, im Beisein sämmtlicher Behörden, den Herrn Obergespan an der Spitze, einen Trauergottesdienst auf weil. Kaiser Ferdinand mit einer ergreifenden Predigt gehalten. — Unser Oberrabbiner feiert am 14. August sein 25jähriges Amtsjubiläum und hat sich in dieser Zeit die Verehrung und Liebe seines ganzen Sprengels, sowie die Achtung aller christlichen Kreise erworben. Türkei. BvNN, 29. Juli. (Privatmitth.) Es giebt Dinge, mit welchen man sich nur höchst ungern beschäftigt, und die man nur mit Schmerz den Lesern mittheilt. Dennoch darf man nicht davon abstehen, weil es gilt, die wirklichen Verhältnisse genau zu kennen und einen traurigen Uebelstand so lange zu bekämpfen, bis er;u verschwinden beginne. Wir haben erst in voriger Nummer einen Vorfall aus Bulgarien zu berichten gehabt, welcher die seit 1840 in der christlichen Bevölkerung des Orients verbreitete Verleumdung der Juden zu seinem Ausgange hatte. Man darf sich nicht einbilden, daß diese Verleumdung von der gesammten christlichen Bevölkerung wirklich geglaubt wird, sondern sie dient nur zum Vorwände, um die Juden zu mißhandeln und auszurauben. Man kennt den sittlichen Zustand eines großen Theils dieser Bevölkerung zu gut, um sich dessen von ihr nicht versehen zu dürfen. Aber, es liegen auch thatsächliche Fälle zu viele vor, um darüber noch zweifelhaft zu sein, daß die größte Hinterlist angewendet wird, um die Juden einer derartigen Unthat beschuldigen zu können und den Pöbel gegen sie loszulaffen. Das eben angekommene siebente Monatsheft der Alliance israelite universelle bringt einen Bericht über einen ebenfalls jüngst geschehenen Vorfall aus Aleppo, er lautet: „In der Nacht vom 2. zum 3. Mai drangen Christen in das Judenquartier, um hier ein Kind zu suchen, von dem man sagte, daß es verschwunden sei. Sie waren schon bei dem Rabbiner Moses «Saced, einem der drei Dajanim eingetteten, als auf Ersuchen des Vicegroßrabbiners der Gouverneur der Stadt Achmed Pascha, einige Soldaten schickte, um das Judenquartier zu bewachen. Am andern Morgen sandten die israelitischen Notablen, versammelt bei dem österreichischen Generalconsul, Herrn Moses Picciotto, eine Deputation zum Wali, der die Anstifter der Unruhen streng zu bestrafen versprach. Diese letzteren nun nahmen hierauf ein Kind mir sich, das sie unter ihren Kleidern verbargen, schlüpften in einen engen Durchgang, der zu der Wohnung des Rabbiners Saced führte, und wollten das Kind vor die Thüre dieser Wohnung setzen, aber Muselmänner entdeckten diese Hinterlist und arretirten die Schuldigen, welche nach einer Haft von einigen Stunden, ernstlich bestraft wurden. Am andern Morgen erfuhr man durch eine Depesche des Gouverneurs von Kelis, daß das Kind, welches man durch die Juden entführt ausgab, sich bereits seit 4 Jahren in dortiger Stadt befände." Es erhellt hieraus abermals, daß dem Uebel nicht anders abgeholfen werden kann, als wenn die türkische Regierung veranlaßt wird, allen ihren Beamten auf's Nachdrücklichste einzuschärfen, in allen solchen Fällen ensschieden vorzugehen und die Urheber solcher Verleumdungen sofort ohne Weiteres zu bestrafen. Daß für ein derartiges Verbrechen niemals ein wirklicher Grund vorliegen, daß also eine solche Miffethat von den Juden niemals begangen werden kann, hierüber ist ein Zweifel nicht

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