Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1875)
- Date
- 1875-08-10
- Page
- Seite 525 (sequence 5)
- Language
- German
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525 das wirkliche Leben trat, Israel zu ihrer materiellen Unterlage, und als solche wird es für daS göttliche Recht durch die eingegrabenen Namen an der hohenpriesterlichen Kleidung, nämlich auf dem „Brustschmuck des Rechts" bezeichnet. Eingegraben, wie das h. Wort wiederholt hervorhebt, scharf eingegraben in Edelsteine sind sie, um die Unverwüstlichkeit und Unverwifchbarkeit dieses Israels und seines Berufes anzudeuten. — Es bleibt also von selbst nichts weiter übrig, als die Gleichstellung der Urim und Thummim, die im Choschen liegen, mit den beiden Tafeln des Zeugnisses in der heiligen Lade, lleber diese Urim und Thummim herrscht aber ein mysteriöses Dunkel, da das heil. Wort über ihre Beschaffenheit völlig schweigt. Daß sie, wie Einige wollten, mit den zwölf Edelsteinen einerlei waren, widerlegt B> 30 verglichen mit B. 17—21. Was die Tradition darüber mittheili, ist durchaus Legende, die viele Jahrhunderte nach dem Verschwinden der U. u. Th. entstanden ist. Stellen wir 4 Mos. 27. 21., 1 Sam. 28, 6., Esra 2, 63 und Neck. 7, 55 zusammen, und fügen 5 Mos. 33, 8 hinzu, so haben wir Alles, was die h. Schrift darüber aussagt. Es geht aus diesen Stellen hervor: 1) daß U. und Th. ein Instrument bezeichnet, durch welches Gott eine Antwort auf eine ganz bestimmte Anfrage erfolgen laffe, 2) die Antwort durch die U. und Th. wird mit „Träumen und Prophetensprüchen" gleichgestellt; und 3) die Antwort durch die U. u. Th. war an die Person der Priester und zwar vermittelst der im Choschen vorhandenen U. und Th. gebunden. Solcher Befragungen Gottes und Antworten kommen nun verschiedene vor, Nicht. 1, 1. 20, 18. 27. 1 Sam. 14, 36. Wichtiger sind die Stellen 1 Sam. 23, 6. 9. 30, 7, wo zwar nur vom Ephod die Rede ist, dieses aber zugleich nur für das auf demselben unbeweglich festsitzende Choschen mit den U. und Th. genannt wird. Wie also auf rer Lade die Sühnplatte der Sitz künftiger allgemeiner Offenbarung sein sollte, so das Choschen vermittelst der U. und Th. in ganz concreten Fällen das Instrument göttlicher Andeuwngen. Mehr läßt sich hierüber nicht eruiren. Wie dem aber auch sei, klar stellt sich heraus, daß das Choschen mit den Urim und den Namen auf den Edelsteinen in goldener Fassung ganz analog der Lade mit den Tafeln, der Sühnplatte und den Cherubim ist, nur daß hier die allgemeine Offenbarung, dort das göttliche Recht mit seinem materiellen Verhältniß zu Israel symbolisch dargestellt ist.3) 3) Wir wollen hier nicht auf die vielfachen Versuche, die symbolische Bedeutung der Priesterkleidung anzugeben, eingehen, und nur einen Blick auf einige der hervorragendsten werfen. Philo und Josephus mit vielen Nachfolgern bis auf Creuzer und So drückt denn die hohepriesterliche Gewandung ganz analog dem Heiligthume selbst, aber von innen nach außen gerichtet, den Gedanken aus: innerhalb des Lebens Israels die Lösung vom Leiblichen (Byffusrock). die Ausführung des göttlichen Gesetzes in Wachsamkeit und durch gute Werke (Oberkleid), und den Vollzug der Heiligung durch das göttliche Recht (Choschen) unter der Einwirkung göttlicher Offenbarung <Urim und Thummim). Wie sehr diese Beschränkung des ganzen Gedankens des Heiligthums auf die Rechtssphäre — diese selbstverständlich in ganzer Ausdehnung der auf die Gotteserkenntniß gebauten Sittlichkeit gefaßt — im israelitischen Leben angemessen war, an der Person des Hohenpriesters symbolisch durchzuführen, brauchen wir nicht zu bemerken. Der Hohepriester mit seinen sämmtlichen Genoffen war dadurch dem Heiligthume integrirend eingefügt, zu demselben erhoben, ohne ihm gleichgestellt zu sein, so daß nicht, wo die Priester waren, das Heiligthum war, sondern nur wo das Heiligthum war, es auch Priester gab. Aeußerlich war dies auch dadurch ausgedrückt, daß es in Israel nur ein Heiliglhum geben durfte, während es dreizehn Priesterstädte durch das ganze Land zerstreut gab. Görres sehen darin eine Anspielung auf die natürliche Welt. Der Erstere z. B. findet im blauen Oberkleide den Aether, in den Granatäpfeln das Waffer, (weil jene im Griechischen Qdfoxot verwandt mir gvoig „Fließen" heißen!!), im Ephod den Himmel, in den zwölf Steinen den Thierkreis ff. Alle, welche dieser Auslegungsweise folgen, widersprechen sich in der Deutung der Einzelheiten und übersehen selbst das, was das heilige Wort selbst andeutet. Sehr intereffant, aber eben nur midraschisch ist die Auslegung der Tradiüon Sebach. 88, 2, wo der Gedanke, daß die Priesterkleider sühnen, was die Opfer sühnen, dahin ausgeführt wird, welche specielle Art von Sünden durch jeden Theil der hohenpriesterlichen Gewandung gesühnt werde, gestützt auf Schriflstellen, die gar keinen wirklichen Zusammenhang mit der Priesterkleibung haben. — Endlich Bähr hat den Einfall, die Deutung auf den bekannten Ausspruch in Pirke Aboth 4, 7: „Drei Kronen sind Israel gegeben worden, die Krone des Gesetzes, des Priesterthums und der Herrschaft" zu stützen, und, die hohepriesterliche Kleidung als Amtskleidung ansehend, diese drei Kronen als die drei Berufe. res Hohenpriesters in dessen Gewändern symbolisch dargestellt zu meinen. Er übersieht, daß an gedachter Stelle noch eine vierte Krone, die des guten Rufes aufgeführt, und an einer anderen Stelle diese vier Kronen als Moses übergeben bezeichnet werden. Einen so zufälligen Gedanken einer spateren Zeit der ursprünglichen Symbolik einzupflanzen. ist gewiß ein Jrrthum, und die Bezüge zum Heiligthume selbst, worauf doch schon die Stoffe und Farben fuhren, fehlen gänzlich. tFortsetzuug folgt.)