Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1875)
- Date
- 1875-08-10
- Page
- Seite 523 (sequence 3)
- Language
- German
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523 innere Leben zu einer außerordentlichen Kraft gedieh, bezeugen vor Allem die Makkabäerkämpfe. Wie stark und bewegt seitdem das politische Leben in der Nation war, bezeugt ihre Geschichte bis zum zweiten Falle Jerusalems und darüber hinaus. Jedenfalls wird auch die bedeutende organisatorische Befähigung dieses Volkes dadurch bekundet, daß es alsbald und fortdauernd in den zahllosen Colonien, die es schaffen mußte, eine feste Gemeinschaft mit unbegrenzter Dauerhaftigkeit herzustellen vermochte. Wir begnügen «ns mir diesen wenigen Strichen, da Raum und Zweck dieser Blätter eine weitere Ausführung nicht zulassen. Wir glauben aber, daß schon diese die Ueberzeugung begründen werden, daß das politische Leben im alten Israel sich auch dem Griechenlands und Roms an die Seite stellen dürfe, und daß es eine jener hohlen Phrasen ist, von welchen sich so Viele blenden lassen, wenn dem alten Israel das politische Leben, und dann der ganzen semitischen Race die Anlage und Befähigung zur Entwickelung des staatlichen Lebens abgesprochen, und dies als ein Charakteristicum zwischen den semitischen und arischen Völkerschaften proclamirt wird. Die Symbolik -es mosaischen Heiligthnms. VI. Die Priester waren zunächst mit einem Hüftkleide 12 -2:2« aus Byffus (weißem Linnen 22), von der Herzgegend bis auf die Oberschenkel bekleidet. *) Hierüber wurde der eigentliche Rock rcro aus Byssus, also weiß, ganz wie er war vom Weber gewoben, und zwar gewürfelt, getragen, und reichte nach der Trad. bis zu den Füßen, die eng anliegenden Aermel bis an die Knöchel der Hand. Dieser Rock wurde mit einem Priestergürtel 2:28, der aus Byffus und den dreifarbigen Wollen (tiefblauer, purpurrother und karmoisinrocher) 2) gefertigt war, umschlungen und 1) Nach der Tradition ging es bis zu den Knieen, mit Bändern zum Zuziehen versehen. Anders Josephus, wobei wir bemerken wollen, daß betreffs der Priesterkleider die Beschreibung des Josephus in nicht wenigen Punkten von der Tradition und selbst von der h. Schrift abweicht, so daß wir annehmen müssen, da Josephus aus persönlicher Anschauung schildert, daß zu dessen Zeit manche Verschiedenheiten stattfanben, die jedoch nicht wesentlich waren, und nur hier und da der ursprünglichen symbolischen Bedeutung zu nahe traten. Sehen wir doch selbst schon im Salomonischen Tempel einige Verschiedenheiten vom mosaischen Heiligthume hinsichtlich der Zahl und Gestalt auftreten. Wir werden hier der Kürze wegen auf diese Verschiedenheiten im Einzelnen nicht eingehen und verweisen darüber auf unseren Commentar zu 2 Mos. 28. 2> Zu den, für das Heiligthum verwendeten Stoffen gehörten nur rid2r->, welches nach allen alten Erklärer« die Farbe des Meeres und des Himmels bedeutet, und zwar in Wolle, welches ebenso unzweifelhaft purpurroth bedeutet, und der nach Josephus bis zu den Füßen herabhing. Rechnen wir hierzu noch die Mützen r.iyzyz, über deren Gestalt und zwar aus dem dafür gebrauchten Worte heraus, vielfach gestritten wird, so haben wir die Kleidung fämmtlicher Priester, von welcher irgend eine Abweichung nicht gestattet war. Auch der Hohepriester trug mit Ausnahme der Kopfbedeckung ganz dieselben Kleider, nur daß bei ihm folgende Stücke hinzukamen. lieber dem Rocke trug er ein Oberkleid z^z, ganz und gar von tiefblauer Wolle, völlig wie es war vom Weber gewoben; oben hatte es eine Oessnung, den Kopf hindurch zu stecken, die eine dicke angewobene Einfassung hatte, damit nicht eingerissen werde. Am unteren Saume dieses Oberkleides waren abwechselnd Granatäpfel aus den drei farbigen Wollen und goldene Glöckchen mit Hämmerchen angebracht. Es hatte keine Aermel und reichte nicht ganz bis zu den Knieen; beim Gehen erklangen die Glöckchen, und der Rock und der Priestergürtel blieben sichtbar. Auf diesem Oberkleide befand sich das Ephod 12s, das aus Byssus, den drei farbigen Wollen und Goldfäden gearbeitet war. Oben hatte es zwei Schulterstücke, die seine beiden Theile, Vorder- und Rückentheil, verbanden, und ein Gürtel aus demselben Stoffe und aus diesem selbst herausgehend umschloß es. Das Oberkleid blieb darunter sichtbar, so daß hieraus zu entnehmen ist, daß das Ephod wie ein Brustharnisch beschaffen war, oben von den Schulterstücken, unten von seinem Gürtel fest um die Brust gehalten wurde, und ebenfalls ohne Aermel. Auf diese Weise war das Ephod über der Brust, das Oberkleid über dem Leibe und der Rock über den Beinen sichtbar. Auf die Schulterstücke des Ephod wurden zwei Schohamsteine in goldenen Einfassungen befestigt, auf welche zu je sechsen die Namen der zwölf Söhne Israels nach der Reihenfolge ihrer Geburt eingegraben waren. Endlich war auf dem Ephod -psr; der Brustschmuck befestigt. Dieses Choschen war aus demselben kostbaren Zeuge wie das Ephod, ein Quadrat von einer Spanne, aber doppelt, indem ein gleichlanges Zeug wie zu einer Tasche umzeschlagen war. Die Außenseite war mit zwölf Edelsteinen, in vier Reihen zu je drei, besetzt, welche jedoch gegenwärtig nicht sicher zu bestimmen sind. Auf jedem Edelstein war der Name eines der Söhne Jakobs eingegraben, deren Reihenfolge ebenfalls unsicher. An den vier Ecken des Choschen waren vier goldene Ringe angebracht, zwei an den oberen Ecken, in welche goldene, geflochtene Kettchen befestigt waren, deren Enden wieder an die Einfassung der beiden Schulteredelfieine befestigt waren; zwei Ringe an den unteren Ecken, in welche dunkelblaue Schnüre gehängt waren, die wieder in zwei andere, am Ephod über Lessen Gürtel befindliche Ringe befestigt waren, so daß das Choschen auf dem Ephod unverrückbar womit Wolle, sehr selten Linnen gefärbt wurde, und rrbT karmoisinroth. Zu diesen dreifarbigen Wollen kam pc Byssus, v. i. weißes feinstes Linnen. Zu einem der das Heiliglhum bedeckenden Teppiche wurden auch Ziegenhaare verwendet. Das Nähere siehe in unserem Commentare zu 2 Mos. 25. 33*