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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-03 · Heft 32 (3.8.1875) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 32 (3.8.1875)
Date
1875-08-03
Page
Seite 510 (sequence 6)
Language
German
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510 Cf ümi^j 6 wax&xAjC&leAi. Deutschland. Aus der Provinz Posen, im Juli. (Privatmiltheil.) Einer eigenen Erscheinung, die bereits mehrere Male in unserer Provinz vorgekommen, müssen wir hier Erwähnung Ihun. Allmälig mehren sich vie Fälle, wo in ven Städten vie confessionell getrennten Elementarschulen unter Zustimmung ver Betreffenden aufgehoben und zu Simultanschulen vereinigt werden. Bei solcher Gelegenheit nun kümmert sich in der Regel die jüdische Gemeinde durchaus nicht darum, daß ihre bisherigen Lehrer bei der neuen Schule Verwendung erhalten, sondern sie entläßt sie einfach aus ihrem Dienste. Mögen diese Lehrer selbst zusehen, wo sie anderweitig ein Unterkommen finden. Wenn die aufrichtigen Gegner rer Juden wüßten, wie schwach das Gefühl der Solidarität und dessen Bethätigung bei den Juden in Wirklichkeit ist: sie würden dieses beliebte Argument zu wiederholen sich schämen. Daß an den neuen Simultanschulen der christliche Charakter des Unterrichts doch bald wieder zur vollen Ausprägung kommt, wollen wir hier nicht weiter hervorheben. Wir sind durchaus keine Gegner der Simultanschule; aber etwas Vorsicht geziemte den Juden doch, wenn sie auf dieselbe eingehen; damit sie in derselben nicht gerade so stehen, wie sie in der confessionell christlichen Schule etwa unter Mühler gestanden. Was man auch sage, die jüdische Elementarschule hat seit 1833 aus die' jüdische Bevölkerung höchst segensreich gewirkt, und sie an Intelligenz und Bildung im Ganzen sehr gehoben. Ob die Simultanschule für sie dasselbe wirken werde, muß abgewartet werden. Bekanntlich hat der Unterricht je bevölkerter die Claffen sind, desto geringeren Erfolg. Die obige Bemerkung über die Behandlung der jüdischen Lehrer stützt sich aus Thatsachen, die, wenn es verlangt werden sollte, ganz genau angegeben werden können. Potsdam, im Juli. <Privatmittheil.) Vor einiger Zeit ging durch mehrere Zeitungen die Mittheilung, die kgl. Post habe die hiesige Synagoge ankausen wollen, da diese zur Erweiterung ihrer Räumlichkeiten zweckdienlich war, die Gemeinde aber habe eine so übertriebene Forderung gestellt, daß die Post davon Abstand nahm. Es ist dies durchaus unrichtig und absichtliche Uebertreibung. Mit der Ausgebung ihres Spnagogengebaudes mußte selbstverständlich die Gemeinde einen anderen Platz erwerben und ein neues Gebäude aufrichten. Es konnte ihr nicht zugemuthet werden, aus ihren Mitteln große Opfer zu bringen, die über den Maßstab hinausgingen. wie etwa eine Vergrößerung der Synagoge nach dem geschehenen Anwuchs der Gemeinde erfordern würde. D>e Summe, welche die Gemeinde forderte, war deshalb durchaus eine verhältnißmäßig angemesiene. Die k. Post fand es aber rathlicher, das Gebäude auf der anderen Seite anzukaufen, weil es einen viel größeren Raum bot, als die Synagoge ihr gewährt hätte. Dies ist der einfache Sachverhalt, aus welchem man für die Gemeinde einen Vorwurf hat schmieden wollen. Kassel, im Juli, «Privatmittheil.) Am 5. d. fand die Versammlung des Vereins der israelitischen Lehrer Heffens unter dem Vorsitze des Herrn vr. Stein statt. Es waren von den 100 «von den 119 israelitischen Schulstellen sind gegenwärtig 100 besetzt) israelitischen Lehrern dieser Provinz vierzig erschienen. Mit Jubel wurde die bereits früher berichtete Mittheilung ausgenommen, daß der Cultusminister 9000 Reichsmark zur Verbesserung der israelitischen Sckulstellen in Hessen bestimmt habe. Da aber verordnet worden, daß nur diejenigen Lehrer daran betheiligt werden sollten, welche mehr als zwanzig Schüler hätten, hierdurch jedoch gerade die am schlechtesten gestellten Lehrer in den kleinen Gemeinten, worunter sich viele Lehrer in höherem Lebensalter befinden, ausgeschlossen würden: beschloß die Versammlung eine dessallsige Petition an vie kgl. Regierung zu richten. Ein recht gediegener Vortrag über das Berhältniß des biblischen Geschichtsunterrichtes zum Unterricht in den Religionswahrheiten wurde vom Lehrer Nußbaum gehalten. — Hierbei sei bemerkt, daß, wenn in dem Leitartikel in Nr. 3» ausgesprochen worden, daß manche Provinzialregierungen den hebräischen Unterricht in den Lehrplan der jüdischen Elementarschule aufzunehmen nicht gestalten, dies in unserer Provinz weniger der Fall ist. Wir kennen einen solchen, wo der noch fehlende Unterricht im Zeichnen und Turnen von der k. Regierung angeordnet, dabei aber dem hebräischen Unterrichte keine Stunde entzogen, vielmehr vom Deutschen und Rechnen je eine Stunde wöchentlich für die gedachten beiden Disciplinen gestrichen wurde. BoNU, 25. Juli. «Privatmitth.) Der Privatdocent Or. Martin Philippson an der k. Universität zu Bonn ist zum außerordentlichen Professor der Geschichte an derselben Universität ernannt worden. Berlin, im Juli. Das königliche Consistorium der Provinz Brandenburg veröffentlicht in der letzten Nummer seiner amtlichen Mittheilungen eine Uebersicht über das Gesammtergebniß der aus den Confessionswechsel, welcher im Jahre 1874 in dortiger Provinz ftattgefunden bezüglichen statistischen Ermittelungen unter Anderem: Ausnahme in die evangelische Kirche fanden statt 1, Judentaufen 32 (davon in Berlin 26). — Austritte aus der evangelischen Kirche 1, Uebertritte zum Judenthum 4, sämmrlich in Berlin. Berlin, 21. Juli. Die „N. fr. Pr." schreibt: „Die Berliner Kreuzzeitung hat bekanntlich mit den Verdächtigungen, welche sie in ihren Artikeln über die „Neudeutsche Wirthschaftspolitik" wider die Minister Delbrück und Camphausen schleuderte, wenig Glück gehabt. Mit Entrüstung wurde von der

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