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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-03 · Heft 32 (3.8.1875) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 32 (3.8.1875)
Date
1875-08-03
Page
Seite 509 (sequence 5)
Language
German
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509 Wollen wir die wahre Bedeutung desielben fassen, so müssen wir den eben angegebenen besonderen Gebrauch am Versöhnungstage in Betracht ziehen. Der Hohepriester räuchert im Allerheiligsten selbst, bevor er das Blut des Sühnopfers auf die Sühnplatte sprengt, damit die Wolke des Räucherwerkes mcprs) die Snhnplatte über dem Zeugnisse bedecke, verhülle irres), damit er nicht sterbe". Dem analog wird jedesmal geräuchert, während die Lampen zugerichtet und brennend auf den Leuchter gestellt werden <2 Mos. 30, 7. S). Der Räucheraltar wird dabei immer mit der Lade und der Sühnplatte, vor denen er gerade steht, in Verbindung gesetzt <V. 6. 40, 5) und das Räucherwerk als vor der Sühnplatte, wo Gort sich offenbare, ausgehend ausdrücklich angegeben. lB. 36.) Hieraus ergiebt sich, daß dem mosaischen Räuchern eine allegorische Analogie mit dem Gebete durchaus nicht einwohnt, sondern das wesentlich die „Wolke des Räncherwerks die Heiligthümer verhüllen", und zwischen die Berührung des Menschen und der die Offenbarung tragenden Heiligthümer treten soll. Wie daher die Cherubim die Bezranzer der Offenbarung vorstellten, die Annäherung der Gottheit an die Menschen symbolisch mit ihrem Flügel bedecken sollten: ebenso tritt die Wolke des Räncherwerks zwischen die Annäherung des Menschen an die Gottheit, und verdeckt symbolisch bei der Sühnung die die Gottheit repräsentirenden Heiligthümer. Darum geht die Räucherung voran, ehe das Blut des Sühnopfers die Sühnplatte berührt; darum wird das angezündete Licht im Heiligthume von den Rauchwolken gedämpft, bevor es auf den Leuchter gesetzt wird, und zwar zur Zeit, wo am Morgen und Abend im Hofe die Opfer dargebracht wurden; darum wird das Räuchern 'im „Heiligen" vorgenommen, weil ries der Raum der Vermittelung zwischen dem Göttlichen und Menschlichen ist, durch welche aber gerade die Verbindung zwischen Gott und Mensch ermöglicht wird; nur da, wo das Menschliche geradezu an das Göttliche tritt, am Bersöhnungstage, bei der Sühnung an und vor der heil. Lare, geschieht die Räucherung im Allerheiligsten selbst. Diese Bedeutung wird uns um so gewiffer, als auffallend beide Male, wo das Räuchern vorgeschrieben wird, die Offenbarung Gottes auf der Sühnplatte ausdrücklich erwähnt wird «V. 6 u. 36). Zn wozu er als Hauplstellen Ps. 141, 2 und Maleachi I, 11 anführt. Aber gerace an den angeführten Stellen wird mit dem Gebet oder der Anbetung nicht blos ras Räuchern, sondern auch das Opfern verglichen lvergl. 1 Kön. 11, 8). Ferner ist es nicht gut venklich, daß rer Priester den Geist „Odem Gottes" im Heiligthume verbreiten sollte, da dieser doch nur von Gott selbst ausgehen konnte. Endlich kann der Wohlgeruch in der Bedeutung res Räucherwerks nicht Hauptsache sein, da sehr häufig beim Opfern, niemals aber beim Räuchern nrn-: mb steht. gleichem Sinne sehen wir oft die Erscheinung der göttlichen Führung und Gegenwart in einer Wolke, Wolkensäule Israel entgegentteten (2 Mos. 13, 21. 33, 0. 10. 4 Mos. 17, 7.) Der ganze, in dem Heiligthume symbolisch ausgedrückte Gedanke ist uns nunmehr klar geworden. Es soll von der einen Seite die göttliche Offenbarungsstätte sein, von welcher die Offenbarung an die Menschen hinausgeht, durch die Erkenntniß und die göttliche Führung getragen von der ankern Seile die Vermittelungsstätte zwischen Mensch und Gott, wo die Beseitigung der Schuldhaftigkeit und die Erhebung zu Gott vor sich geht; wie jedoch die Offenbarung des Göttlichen an den Menschen eine begränzte bleiben muß, so auch die Annäherung des Menschen an Gott, damit eine Verschmelzung des Göttlichen und des Menschlichen niemals in die Vorstellung des Menschengeistes komme. Wir haben demnach hier den vollständigen mosaischen Gedankengang, wie er in Lehre und Gesetz überall sich ausprägt. Gott nahet sich dem Menschen und wirkt auf denselben durch die ihm geschaffene Erkenntniß, und die göttliche Führung in den Dingen des Lebens, ohne daß jedoch die Gottbeit dem Menschen ganz erkennbar und sichtbar wird. Der Mensch hat sich zu Gott zu erheben, sich ihm durch die Heiligung zu nähern, sich vor Sünde zu bewahren, seine Vergehen und Zrrthümer zu sühnen, und Gott in Liebe und Reckt nachzueifern, ohne daß jedoch der Mensch fehllos und vollkommen, wahrhaft göttlich wird. Der ganze geistige, sittliche und gesellschaftliche Boden, wie ihn der MosaismuS in Lehre und Gesetz schuf, wird im Cultus noch einmal und zwar symbolisch dargestellt. 5. Die Priesterkleidung. Der Beschreibung des Heiligthums wird .2 Mos. 28 die Vorschrift über die Priesterkleidung binzugefügt, oder vielmehr eingeschoben. Es ist daraus klar, daß diese Gewandung als ein Theil des Heiligthums selbst, und die Priester als ein Werkzeug, als ein lebendiges Geräth des Heiligthums angesehen wurden. Dies wird um so einsichtlicher, wenn uns die symbolische Bedeutung der Priesterbekleicung, besonders wie sie sich in der Bekleidung des Hohenpriesters vollendet, aufgeht und zeigt, daß die Gewandung des Hohenpriesters dem Heiligthume völlig analog ist, so jedoch, daß umgekehrt sie von innen nach außen den Weg nimmt, der am Heiligthume selbst von außen nach innen eingehalten ist. Diese, von uns zum ersten Male aufgestellte Ansicht wollen wir jetzt Nachweisen. «Fortsetzung folgt.)

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