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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-03 · Heft 32 (3.8.1875) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 32 (3.8.1875)
Date
1875-08-03
Page
Seite 508 (sequence 4)
Language
German
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508 Vorgängern zu unterscheiden, oder zu beweisen, Laß sie es besser als jene verstehen. Diese bestänvige Unruhe in den Einrichtungen und Anstalten, Vieser sich oft wieverholende Wechsel in Richtung und Gestalt nimmt unsren Instituten den Charakter der Festigkeit und Würde, welcher für religiöse Anstalten zu deren Wirksamkeit unerläßlich ist. Die Wurzel alles Religiösen, die Liebe und Anhänglichkeit wird durch riese stete, gleichsam wellenförmige Bewegung abgeschwacht und zerrieben. Wir geben ja zu, daß man nicht stillestehen, vor den Schwächen, die jedem Menschenwerk anhaften, nicht die Augen verschließen dürfe und auf Entwickelung und Hebung stets bedacht sein müsic. Demungeachtet ist Besonnenheit und ruhiger Fortschritt noch viel wichtiger und jerer Umsturz, sowie jede Ueberstürzung, noch dazu aus äußerlichen Ereignisien bringt vielfachen und größern Schaden. Dahin muffen wir also gelangen, eine gewisse Stetigkeit zu erreichen, und die Unterscheidung zwischen Sache und Person richtig zu verstehen. Aus demselben Grunde geschieht es nämlich, daß bei jedem Wechsel in einem Amte die Parteien sich aufraffen, ein Spiel von Jntriguen ersteht, ein Kampf erwächst, indem jede Richtung sich der Herrschaft bemächtigen und ihren Canvidaten in die Stelle bringen will. Daß hierunter die Gemeinden und Anstalten selbst überaus leiden und die Existenz der letzteren oft in Frage gestellt oder untergraben wird, kann man nur zu oft beobachten. An solchen Jntriguen hat es auch bei der Besetzung der Seminardirectorstelle nicht gefehlt. Mögen sie aber wenigstens nach geschehener Wahl aufhören, und jede Partei es sich zur Schmach rechnen, den nun gewählten Mann noch hinterdrein anzugreifen und ihm seine Wirksamkeit zu erschweren. Dies ist ein Wort des Friedens, das nicht in wohlklingenden und doch zweideutigen Phrasen, sondern in den einfachen Thatsachen besteht. Die Symbolik -es mosaischen Heilizthnms. VI. 4. Der Räucheraltar. Wie wir in symbolischer Weise die Offenbarung von der Offenbarungsstätte, der h. Lade, durch das Licht der Erkenntniß (den Leuchter) und die göttliche Führung (den Schaubrodtifch) zum Menschen, dem im Hofe versammelten Volke, gerichtet sagen: so die Vermittelung zwischen Mensch und Gott vom Brandopferaltar durch den Räucheraltar zur Offenbarungsstätte hin. Der Räucheraltar, ein Gestell von Akazienholz, zwei Ellen in der Höhe und eine Elle im Geviert, mit Hörnern aus dem Holze heraus, mit einer Platte oben, >) ganz und gar mit reinem 1) ns, nicht Roft, denn das orientalische Dach ist glatt mit einem Geländer und durch einen Rost würde das Räucherwerk durchgefallen sein. Der Räucheraltar war aber nicht wie der Opferaltar mit Erde ausgefüllt. Golde überzogen, mit einem massiv goldenen Kranze und goldenen Ringen an den vier Ecken, um die aus Akazienholz verfertigten, goldüberzogenen Tragstangen hineinzustecken, stand im „Heiligen" vor dem Vorhang des Allerheiligsten, zwischen dem Leuchter und dem Schaubrodtisch, genau in der Linie der h. Lade.'- Auf diesem Altar sollte täglich zweimal, Morgens und Abends, wenn die Lampen aus dem Leuchter zugerichtet, zur Zeit, da die täglichen Opfer auf dem Brandopseraltar dargebracht wurden, reines Räucherwerk verbrannt werden. Das letztere bestand aus vier Specereien. 3- Nach der Tradition (Mischn. Joma 4, 4. Tamid. 5) nahm der Priester mit einem silbernen Gefäße Kohlen vom Opferaltar und schüttete sie in die goldene Kohlenpfanne, sowie er daS Raucherwerk in einer anderen Pfanne (cp) trug; die Kohlen wurden auf den Räucheraltar gelegt, und das Räucherwerk darüber gestreut. Außer diesen zweimaligen täglichen Räuchern sollte der Hohepriester am Bersöhnungstage, bevor er vom Blute des Sündopsers auf und vor die Sühnplatte (auf der h. Lade) sprengte, mit der Räucherpfanne voll Kohlen und zwei Hände Raucherwerks in das Allerheiligste gehen und dort das Räucherwerk auf die Pfanne legen, „daß die Wolke des Raucherwerks verhülle die Sühnplatte, welche über dem Zeugnisse, damit er nicht sterbe." (3 Mos. 16, 12). Dann erst nimmt er die Sühnung vor. Dieser Räucheraltar wird auch in eine besondere Beziehung zu den Verunreinigungen der Israeliten gesetzt, weshalb sowohl am Bersöhnungstage, als auch von jedem für ein Versehen gebrachten Schuldopfer vom Blute des Opferthieres an die Hörner des Räucheraltars gebracht werden mußte. 5) Auch die Bedeutung des Räucherns auf diesem Räucheraltar ist vielfach besprochen und irrihümlich angegeben worden.2 3 4) 2) Es konnte daher gesagt werden: „Der Altar zum Räuchern solle vor die Lade gesetzt werden" 40, 5. 3) Die hebräischen Namen dieser vier Specereien sind durchaus zweifelhaft und unterliegen den verschiedenartigsten Auslegungen. Wir verweisen darüber auf unseren Commentar zu 2 Mos. 30. Um so weniger darf man es wagen, diesen Ingredienzen des h. Räucherwerks eine bestimmte symbolische BedeMung zu insinuiren, wie es Mehrere versucht haben und damit nur in Jrrthum verfallen sind. 4) 2 Mos. 30, 10. 3 Mos. 4, 7. 16, 18. 19. 5i Wir wollen nur die bedeutendsten Ansichten kurz anfuhren. Am krassesten und kurzsichtigsten ist hier die Meinung des Maimonides: „Um den bösen Geruch des geschlachteten Opferviehes zu vertreiben." (More neb. 3, 4ö), wogegen doch die Hand voll Räucherwerk am Abend und Morgen keine Einwirkung haben konnte (fteilich ruft er die bekannte talmudische Sage Tamiv 3, 8 zu Hülfe!. Die christlichen Ausleger haben fast sämmtlich ein Bild deS Gebetes darin gesehen, was ganz willkührlich ist. Bahr erkennt in rem duftenden Wohlgeruch das Symbol vom „Hauch oder Odem Gottes" rrn der das Heiligthum, wie die ganze Schöpfung erfülle. Außerdem sei aber auch das Rauchern Symbol des Namens Gottes im Gebete, indem räuchern synonym mit „Anbeten" sei, beten aber ursprünglich das Nennen des Namens Gottes ('n non enp) gewesen sei,

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