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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-03 · Heft 32 (3.8.1875) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 32 (3.8.1875)
Date
1875-08-03
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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existirt, nur als veraltet und unbequem betrachtet wird, ja noch mehr, dort jedesmal in den Zeiten einer Krisis — einer Handelsnicht politischen Krisis — über den Haufen geworfen werden muß? Wie nun die Criminalgesetze nicht für die guten Bürger, sondern für die schlechten existiren, so müssen Bankgesetze für die schlimmen Zeiten maßgebend sein. — Und da steht eben die sichere Perspective bevor, daß sie dann aufgehoben werden müssen! Unwillkührlich müsien wir uns wiederum zum französischen Systeme wenden, welches derartig in den letzten sechs Jahren sich bewahrt hat, daß es mustergillig dasteht. Allerdings richtig ist, daß derartige Resultate nur erreicht werden können durch die Vereinigung so vielfacher Factoren und Einrichtungen, Gesetze:c., wie sie in Frankreich existiren. Aber da Ihr doch einmal beim Schaffen seid, nehmt doch das als Muster, was sich gut bewährt hat und habt nicht die falsche Schaam, daß es von Euern Feinden kommt! Und da liegt der Haase im Pfeffer — und hier hatte die gegnerische Partei ein schönes Feld gehabt, um dem Lande stützen und Vortheil zu schaffen! Oder fürchtete diese Partei vielleicht zu sehr, daß sie dadurch Deutschland Gutes geschaffen hätte. Las sie ihm nicht gönnt? Wie gesagt, wir haben nicht die Absicht, in das Einzelne jeder der obigen Fragen einzugehen, da diese Zeitung ja kein Finanzblatt ist, wollten aber nur der Kreuzzeilunz beweisen, daß sie nicht das Recht hat posi fesium Attacken zu machen, die sie, als es an der Zeit, hätte unternehmen müffen. Noch weniger durfte sie durch Bereinigung von Schein und vielleicht einigen Facten einem Manne die ganzen Folgen der Finanzgesetze zuschreiben, und weil dieser Mann ein Jude, dies der ganzen Judenheit zur Last legen. Die Besetzung -er Directorkelle am jüdisch-theologischen Seminar zu Sreslau. Wie wir bereits gemeldet, ist nunmehr das durch den Tod des vr. Zacharias Frankel erledigte Directorat am jüdischtheologischen Seminar zu Breslau durch den bisherigen Rabbiner zu Prenzlau, Herrn Dr. Lazarus wieder besetzt worden. Es geht daraus hervor, daß die bisherige Organisation des Seminars unverändert beibehalten worden, indem die Anstalt einem Director als dem leitenden Haupte unterstellt bleibt. Wir glauben auch, daß unter diesem Manne der Charakter, den das Seminar durch Frankel ausgeprägt erhalten, nicht wesentlich verändert werden wird, da, soviel wir wissen, Lazarus derselben Richtung angehört. Nächst der Gründung eines Instituts ist der erste Wechsel im Directorium von entschiedenster Bedeutung für dasselbe, weil es da sich ganz besonders Herausstellen muß, ob seine Organisation die Probe der Zeit und den Wechsel der Person bestehe. Herr Dr. Lazarus übernimmt allerdings eine zwiefache Verantwortlichkeit. Er hat sich bis jetzt nur als Seelsorger einer nicht bedeutenden Gemeinde bewährt, wenn er auch in seiner 2.'»-jährigen Amtsführung sich die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde in hohem Grade zu erwerben gewußt hat. Mil literarischen Erzeugnissen ist er nicht hervorgelreten, wie dies bei Frankel, als er die Leitung des Seminars übernahm, in glänzendem Maße der Fall war. Die Allgemeinheit hat demnächst von seiner Seite keine andere Bürgschaft als den Ruf eines tüchtigen und wissenschaftlich gebildeten Talmudiften, den er besitzt. Denn auch das ist nicht erprobt, ob er organisatorisch, und besonders ob er Lehrtalent besitze. Wir wollen hiermit die Wahl des Herrn Dr. Lazarus nicht im Entferntesten kritisireu, um so weniger, als es schwer, wenn nicht unmöglich wäre, einen Mann herauszufindcn. der alle diese Eigenschaften bereits erprobt hätte. Die Befähigung, eine rabbinische Anstalt zu leiten und den Talmud und was mir diesem znsammenhängt, in gründlicher Weise zu lehren, war die erste Forderung, die gestellt werden mußte, und wir können voraussetzen, daß die Curatoren der Anstalt sich durch die Uebereinstimmung sachverständiger Männer die Ueberzeugung verschafft hatten, gerade in l>r. Lazarus hierfür den pasienden und würdigen Mann gefunden zu haben. Wir begrüßen daher den Herrn Dr. Lazarus in feinem neuen und wichtigen Amte mit dem aufrichtigen Wunsche, daß er in diesem Wirkungskreise alle die Hoffnungen zu erfüllen vermöge, die auf ihn gesetzt werden, und er selbst die höchste Befriedigung darin finde; besonders wünschen wir, daß ihn seine Eollegen an der Anstalt mir offenem und freundlichem Sinne enlgegenkouimen, und die Herzen feiner Schüler sich ihm bald erschließen. Wir beabsichtigten mit diesen Worten eben auch nur die Thalsache zu constatiren, daß das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau in regelrechter, statutenmäßiger Weise die Neuwahl seines Directors vorgenommen hat. Die Schöpfungen im neueren Jnrenthume in Gemeinde, Synagoge, Bilcungsanstalten und Wohlthäligkeitsinstituten sind jungen Dalums unc es ist deshalb für sie nichts erforderlicher, als ihre Dauerhaftigkeit und Lebenskraft zu erweisen und zu bethätigen. Dies geschieht aber am ehesten, wenn sie unabhängig von Persönlichkeiten erscheinen, und die leitenden Männer in geordneter Art, wenn sie abscheiden, durch andere ersetzt werden. Dies ist innerhalb unserer Gemeinden nicht immer der Fall. Mit dem Abgänge oder dem Tore eines Rabbiners, Directors, Lehrers oder Vorsitzenden kommen oft die ganzen, durch jenen begründeten Anstalten und Einrichtungen in Frage. Es entsteht nicht blos die Personensrage, sondern man greift die Sache selbst an; man will reformiren, ningestalken orer die Reformen wieder aus dem Wege räumen; der neuanzustellende Rabbiner u. dgl. soll entweder das bereits Geschehene wieder abschaffen, oder das Bestehende neu- und umsormen; kurzum die Dinge, wie sie sind, sollen einmal wieder anders werden. Aus diesem Gesichtspunkte wählt man die Ersatzmänner oder diese letzteren bringen von selbst diese Absicht mit, um sich von ihren

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