Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1875)
- Date
- 1875-07-27
- Page
- Seite 492 (sequence 6)
- Language
- German
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492 der heiligen Lade als der Offenbarungsstätte, als dem symbolischen Sitze der Göttlichkeit die Verbindung zwischen Gott und Mensch ausging und ihre Richtung von der Bunveslade im Allerheiligsten hinaus;um Volke im Hofe nahm: so geht die Verbindung zwischen Mensch und Gott vom Brandopferaltar im Hofe aus, und hat die Richtung nach der Bundeslade im Allerheiligsten. Es wird Functionen zu vollziehen. Ueber den Opfernden selbst, deffen Gewissen, Sünde und Versöhnung, stand ihm kein Urtheil zu und hatte er darauf keine Wirkung. Wenn es öfter heißt: „der Priester versöhnt ihn vor Gott", so bedeutet dies, wie aus allen betreffenden Stellen und dem Gebrauche des -iss selbst hervorgeht, nur, daß der Priester durch das Sprengen des Blutes und das Verbrennen der bezüglichen Opferstücke den symbolischen Act der Sühnung vollzieht. Daß der Priester eben nur den Geräthen des Heiligthums gleich geachtet wird, werden wir besonders aus dem Capitel über die Priesterkleivung u. s. w. ersehen.! dies durch den Räucheraltar und das Sprengen des Blutes auf! die Sühnplatte vermittelt und vollzogen. Darum geht auf diesem! Altäre Alles vom Menschen aus und strebt zu Gott hinan, während auf der Bundeslade Alles von Gott ausgehl und zum Menschen strebt; darum beruht dort Alles auf Irdischem, hier auf Göttlichem. Der Altar bestand aus Erde und war eine Erhöhung (rsisn), weil er von der Erde nach der Höhe, nach dem Himmel hinaufstreben sollte. Wenn wir uns erst die symbolische Bedeutung der Zahlen, Maaße, Gestalt und des Stoffes! deutlich gemacht haben werden, wird Alles an diesem Altar dem Gedanken deffelben entsprechend erscheinen. Die Hörner an diesem Altar, also diese Erhöhung auf der Erhöhung, sind wieder die Repräsentanten des Altars selbst, wie die Acte beweisen, die an denselben vollzogen wurden. t Fortsetzung folgt.) 2r>e/ttiui/Cj biuxddUsC&lzii. Deutschland. Trier, 12. Juli. (Privatmitth.) Heute fand hier unter großer Beiheiligung aus allen Confessionen und Standen die Beerdigung des, wie wir bereits berichtet, bei einem Besuche in Amsterdam verstorbenen Herrn Oberrabbiner Joseph Kahn statt. Die Herren Rabbiner Goldmann von Birkenfeld und 1M-. Blumenstein von Luxemburg, welche der Vorstand der Gemeinde hierzu eingeladen, hielten Leichenreden, welche die zahlreicken Anwesenden tief ergriffen und dem Traueracte eine höhere Weihe verliehen. Trier, 13. Juli. lPrivatmittheil.) Zu den vielen Verlusten, welche das Judenthum in diesem Jahre an geistig hervorragenden Männern erlitten, gesellt sich leider auch der Tod unserS hochverehrten Herrn Oberrabbiners Joseph Kahn. Derselbe hatte sich zum Besuche seiner Tochter nach Amsterdam begeben und wurde daselbst von einer schweren Krankheit befallen, die bei der langjährig leidenden Constitution seines Körpers trotz der aufopferndsten kindlichen Pflege seinen Tod am 9. d. M. zur Folge hatte. Seine Beerdigung sollte ursprünglich in Amsterdam stattfinden, wo man ihn mit allen rabbinischen Ehren zur letzten Ruhestätte betten wollte. Allein die Liebe und verehrungsvolle Treue seiner Gemeinde Trier wollte die irdische Hülle ihres geliebten Lehrers, der während 33 Jahren eine höchst segensreiche Wirksamkeit daselbst entfallet hatte, nicht in der Ferne begraben lasten und reclamirte dieselbe auf ihre Kosten. Montag, den l2.. Mittags l Uhr, traf dieselbe im Bahnhofe in Trier ein, woselbst sie vom Vorstände und den Deputationen sämmrlicher Landgemeinden in Empfang genommen und zum RabbinatShause geleitet wurde. Um 4 Uhr fand unter allseitiger Theilnahme das Leichenbegängniß statt, wobei sich die gesammte israel. Gemeinde Trier, sowie die Deputationen aus dem Rabbinatssprengel in sehr zahlreicher Weise betheiligten. Außer den evangelischen Geistlichen Obercvnsistorialrath Herrn Spieß und dem Superintendenten Herrn Klein, beiheiligten sich auch viele katholische Einwohner der Stadt an dem feierlichen Leichenzuge, den die israelitische Schuljugend mit ihrem Lehrer eröffnete. Auf dem Friedhöfe wurden zwei Grabreden gehalten und zwar von Herrn Rabbiner Goldmann aus Birkenfeld und von Herrn Rabbiner Dr. Blumenstein aus Luxemburg, welche beide hierzu telegraphisch vom Gemeindvorstande beauftragt waren. Herr Rabbiner Goldmann, der ein langjähriger persönlicher Freund des Verstorbenen gewesen, entfaltete ein ausführliches Charakterbild von der öffentlichen und privaten Wirksamkeit des Verstorbenen, indem er an den Spruch Hillels: ,,Sei von den Schülern Arons :c." anknüpfte, den der Verstorbene als Motto unter sein Bild gesetzt. Namentlich hob der Redner deffen segensreiche Wirksamkeit auf dem cultuellen Gebiete hervor, wie er immerfort bestrebt war, Berbesterungen und Verschönerungen in dem öffentlichen Gottesdienste einzuführen. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. Blumenstein, welcher in wenigen aber treffenden Worten der vielen Verluste gedachte, welche nicht nur einzelne Gemeinden, sondern das gesammte Judenthum in neuester Zeit erlitten durch den Tod der vielen großen Männer, die nicht nur durch ihre tiefe Gelehrsamkeit, sondern auch durch ihre hohen Tugenden als glänzende Sterne unseren Glaubensgen offen auf ihrem Lebenswege vorangeleuchtet. Redner knüpfte an eine sehr paffende Stelle des Propheten Secharjah Cap. Vers 13 an und beleuchtete in tief zu Herzen gehenden Worten die hohen Verdienste des Verstorbenen, wie seiner rastlosen Thätigkeit der Bau eines so schonen Gotteshauses in Trier gelungen ist, wie er überall in seinem Rabbinate für die Errichtung würdiger und schöner