Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-27 · Heft 31 (27.7.1875) · p. Seite 489

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 31 (27.7.1875)
Date
1875-07-27
Page
Seite 489 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227014-3227046--33700-3303516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4S9 hingegen reden sich ein, daß es am füglichsten sei, ihre Kinder streng in den alt überkommenen Bräuchen zu erziehen, da sie im Leben schon genugsam davon abstreifen und sich aufklären würden. So geht es aber mit der Menschenseele nicht an. Hat sie erst angefangen, von dem, was ihr Eltern und Lehrer ernst und nachdrücklich beigebracht, einen Theil aufzugeben, wird ihr das Ganze verdächtig, glaubt sich davon belastet und wirft es mit einem Male von den Schultern. Die Jugend darf ebensowenig von allem Lichte, besonders von dem Lichte der Zeit abgesperrl werden, wie sie der ganzen blendenden und sengenden Gluth der im Zenith stehenden Sonne des Tages ausgesetzt werden darf. Der Geist wahrhafter innerlicher Religiosität, der die Leuchte des Verstandes nicht verschmäht und in dem echten Gefühl seine Nahrung sucht, muß von früh an in die Jugend gesenkt werden, und zwar nicht blos durch die Lehre, sondern auch durch das Beispiel rer Eltern, nicht blos durch die Schule, sondern noch mehr durch das Haus. Mit der überzeugenden Kraft des Verstandes und mit der Wärme des Herzens muß sich die Pietät der Familie vereinigen, um jenen festen Grund zu schaffen, auf welchem der junge Mensch weiter bauen und mitten in den Wirren seiner Gegenwart klar sehen kann. Das Judenthum im langen Laufe seiner Geschichte hat solche Epochen der Unruhe und Verwirrung schon mehrere durchlebt und glücklich bestanden. Waren diese auch nicht so mannigfaltig, nicht so alle Lebensphasen erschütternd und alle Elemente so durcheinander wirbelnd, wie die unsrige: so waren auch die Widerstandskräfte noch nicht so entwickelt und die Bewegung, der Zeit entsprechend, gleich heftig. Aus alter Zeit tönt uns der Mahnruf entgegen: ornp,>s8tb 2'Snia rr; r-r „Wisse was Du dem Epikuros zu antworten habest!" Diese wenigen Worte geben uns einen Einblick in die Beschaffenheit jener Zeit, legen uns aber auch eine besondere Pflicht in ähnlichen Zeiten für die Erziehung und religiöse Bildung unsrer Jugend auf, ihr ein Wisien zu geben, das zugleich auf einer festen, nimmer schwankenden Ueberzeugung beruht, welches die Anschauung und Gründe des Gegners kennt und nicht mit dem Gegensatz des Aberglaubens vergilt. Die Symbolik des mosaischen Heiligthums. V.'). 3. Der Brandopseraltar. Aus dem „Heiligen" versetzen wir uns in den „Hof", d. i. den Raum, der, nur von Säulen und an diesen befestigten Umhängen eingeschloffen, nichts als ren Brandopseraltar und das Wafferbecken enihielt, und dem levitisch reinen Volke stets zugänglich war. Da das Becken bestimmt war, daß die Priester, 1) S. Nr. U. 14. \b. 25. bevor sie an den Altar traten, oder in das Heiligthum gingen, sich Hände und Füße wuschen, um nur rein die heiligen Gerüche zu berühren und ihre Functionen zu verrichten, also an sich keine symbolische Bedeutung hatte--: so haben wir es hier nur mit Brandopseraltar zu thun. Dieser Altar war hohl, aus Brettern von Akazienholz, ohne Boden und Deckel und mit Erde ausgefüllt, wie die Tradition mit Hinweisung auf 2 Mos. 20, 21 richtig angiebl. Er hatte fünf Ellen im Quadrat, war drei Ellen hock, viereckig und mit Kupfer überzogen. An den vier Ecken erhoben sich aus den Brettern selbst vier „Hörner" ' 2.1:2p >, welche nach der Tradition die Gestalt von Würfeln, Pföstchen, Pilaren hatten und an diesem Altar eine Elle im Umfange maßen. Josephus hingegen legt ihnen eine hörnerartige Gestalt bei, während überhaupt eine scharfe Erhöhung (Jes. 5, l) bedeutet. Zu diesem Altäre führte ein Aufgang von aufgeworfener Erde ohne Stufen, und ein Umgang um den Altar, damit die Priester bequem auf demselben operiren konnten. Dieser Umgang war in der Hälfte des Altars angebracht und reichte bis zu ihm vom Boden aus ein kupfernes Gitterwerk, so daß die Gestalt des Altars selbst dadurch nicht verändert ward.-''- An den vier Ecken des Gitterwerks waren vier kupferne Ringe angebracht, durch welche Tragstangen aus Akazienholz, mit Kupfer überzogen, gesteckt wurden. Auf diesem Altar also wurden die Opfer dargebracht, zu welchen nur vier Thierarten verwendet werden durften: Rind, Ziege, Schaaf und Taube — gegenüber den zahllosen Opfern, zu welchen die anderen alten Völker alle möglichen Thierarten und selbst Menschen verwandten. Die Thiere mußten ohne Fehl fein; sonst aber hatten die Priester kein Recht, ras Opfer irgend Jemandes zurückzuweifen. Auch der Opferarien waren vier: Ganzopfer rvrir, Schlacht- oder Frierensopfer 2->227, 2"2bw, Sündopfer 7^x277 und Schuld- 2) Das Becken bestand aus zwei Theilen, aus dem Becken an sich, das aus Kupfer und, wie die Tradition lehrt, rund wie ein Kenel war, und dem -.2, das am füglichsten ein Behälter unterhalb des^ Beckens war, aus welchem Wasser in das Becken Heruntergelaffen ward, und worin sich dann die Prester Hände und Füße wuschen, da dies im Becken selbst schon darum nicht geschehen konnte, weil sonst durch das Waschen eines Priesters das Wasser schon unrein, also unbrauchbar geworden wäre. — Die vielfach gedeutete Stelle i2 Mos. 38, 8>: r,N-r:; -aiiz vmrr nrs «22 ->wrr rirrvLN erklärt sich am angemessensten <1 Sam. 2, 22 >, daß die zum Fertigen des Heiligthums sich zusammenschaarenden Frauen «2 M. 33, 22. 23. 261 auck ihre kupfernen Spiegel idenn im Alterthum waren die Spiegel aus Metall) opferten, aus deren Metallmasse das Becken verfertigt ward. Deshalb wird auch Cap. 38 bei der Berechnung des aufgewendeten Metalls das Becken nicht mit aufgesührr. Der Einwand Bähr's, daß 2 nie anzeige, woraus Etwas gemacht sei, ist falsch, wie man sich schon aus 38, 20. 3o überzeugen kann. 3) Ueber das Detail dieser und der folgenden Gegenstände, sowie die daran haftenden Streitfragen, verweisen wir auf unseren Commentar zu den betreffenden Schriflstellen. 31

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.