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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-20 · Heft 30 (20.7.1875) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 30 (20.7.1875)
Date
1875-07-20
Page
Seite 477 (sequence 7)
Language
German
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477 haben, die Geschworenen, einheimische Kaufleute und Landwirthe, zu seinen Anschauungen preußischer Junker bekehren zu wollen. Wenn er ausführte, daß ein Mann von Ehre sich zu allererst den Forderungen der Sitte und Tradition, als welche das Duell anzusehen sei, in zweiter Linie denen des Christenthums und drittens und letztens denen des Gesetzes sich zu fügen habe, und schließlich erklärte, eine Freisprechung seines Sohnes müsie erfolgen, weil dieser nicht anders habe handeln können und er eventuell ebenso gehandelt haben wurde, so predigte er damit nur tauben Ohren. Die Geschworenen beriethen über ihren Wahrspruch nur wenige Minuten, er lautete auf Schuldig. Wedemeyer wurde hierauf zu 2 Jahren Festung, dem geringsten gesetzlichen Strafmaßverurtheilt. Oesterreich-Ungarn. Krakau, 5. Juli. Die dritte Kurie wählte heute neun Gemeinderäthe, worunter sich vier Israeliten befinden, Mittwoch und Freitag wirb die Wahl fortgesetzt. Uebrigens ist auch dies Mal die jüdische Gemeinde nach den beiden Principien des Polonismus und der Verfassungstreue in sich gespalten, so viele Mühe sich auch der Lorstand gegeben, eine Bereinigung zu Stande zu bringen und die Zersplitterung der jüdischen Bevölkerung bei viesen Gemeinderathswahlen zu vermeiden. Pest, 7. Juli. (Privatmilth.j Das furchtbare Unwetter, welches in unsrer schönen Stadt und deren Umgegend so großen Schaden an Eigenthum und selbst an Leben hervorgebracht, hat gerade von der jüdischen Bevölkerung nur wenige betroffen. Doch zeigt es sich hierbei, baß in uns Juden die wahrhafte Gleichheit tief in's Herz gedrungen ist. Auch von Seilen unsrer Glaubensgenoffe» werden die opferwilligsten Anstrengungen gemacht, um den Unglücklichen nach Kräften Hülfe zu schaffen. Besonders stellte sich der „Wohlthätigkeirsverein Concorria" an die Spitze einer Sammlung, und die Summe, die dieser Verein aus seinen Mitteln bestimmte, wurde alsbald von deffen Präses C. L. Rater von Posner verdoppelt. Der Geist rer Humanität, welcher sich hier wieder offenbart, heilt schnell die Schäden, die immer wieder Borurtheil und absichtlicher Haß der heiligen Sache der Menschenverbrüderung zu schlagen sucht und schlagt. Strakonitz , Böhmen i, 9. Juli. (Privatmitth. > Der Tor des hochbetagten und wegen seiner Gutmüthigkeit allbeliebten Kaisers Ferdinand hat auch bei der jüdischen Bevölkerung des gesummten Staates eine aufrichtige warme Theilnahme gefunden, die sich in zahlreichen Gemeinden durch eine gottesdienstliche Trauerfeier bekundete. Auch in unsrer hiesigen Stadt wurde eine solche in der dazu Hergerichtelen Synagoge in sehr ergreifender Weise und unter Theilnahme der k. k. Behörden und vieler Honorationen der Stadt und Umgegend begangen. Die Gesänge wurden durch den Obercantor Emil Fränkel und die Gedächnißrece durch den Kreisrabbiner Prazak wahrhaft erhebend ausgeführr. Rumänien. Fokschani, Ende Juni, lPrivatmitth.» Gestalten Sie mir heute, einige kurze allgemeine Bemerkungen, denen ich alsdann den Bericht über einen besonderen Fall anzuschließen habe. Es ist nicht zu verkennen, daß die rumänische Judenschafr seil ungefähr einem Jahre eine bedeutsame Wendung gewonnen hat. Moderne Schulen, Hospitäler u. dgl. sind an vielen Orten hergestellt worden oder im Entstehen begriffen, und die jür. Bolksmasse zeigt sich dafür empfänglich. Es ist ries gewiß höchst erfreulich; allein wir werden tarüb« wachen müssen, daß mir der Zeit dieser Geist auch feste Wurzeln schlage. Denn bis jetzt ist eö weniger die Gesinnung und die Ueberzeugung, die zur Schaffung geordneter Anstalten treibt, als der Anstoß von Außen, die politische Lage und der Wunsch, aus der drückenden Stellung herauszugelangen. Denn immer noch entsteht in den Gemüthern leicht ein GährungSproeeß, der die Existenz jener Anstalten in Frage stellt und die Dpferwilligkeit für dieselben in das Gegen - theil wandelt. Einen Beweis für die Dauerhaftigkeit dieser Strömung würden die Führer und die Gebildeten geben, wenn sie auf Sicher- und Befferstellung der Lehrer dächten, um sie vor jedem Anprall wechselnder Gesinnung, der sie mit Leichtigkeit von Stellen hinwegschwemml, wo sie das Beste leisten, zu bewahren. Hierin liegt aber hier zu Lande, wie auch anderswo, die Schwäche aller Vorstände und Leiter, daß sie die Lehrer in beständiger Abhängigkeit von sich erhalten wollen, dadurch aber ihr eigenes Werk dem Wankelmuth hingebeu. Run, hoffen wir, daß wir auf dem betretenen Wege sortschreiten und zu den besten Zielen gelangen. Hieran füge ich folgende inlereffante Begebenheit, die sich hier vor Kurzem ereignet. Ern Bürgermeister, Namens O. Dimilru aus Adjud, wurde im Jahre IS72 von einem Juden, Moses Herscoviec, wegen Mißbrauches der Amtsgewalt beim hiesigen Strafrichter verklagt, das den Bürgermeister zu acht Tagen Arrest verurtheilte. Ter Angeklagte erklärte sich mit dem Urtheile nicht zufrieden und appellirte an das Tribunal, welches ihn freisprach; nun aber erklärte der Staatsanwalts-Substitut, daß er mit dem Urtheile des Tribunals nicht einverstanden sei und legte gegen daffelbe in zweiter Instanz beim hiesigen Appellalionshofe Beschwerde ein «nebenbei darf nicht unerwähnt bleiben, daß diese Appellation den Staatsanwalts-Substituten um seine Stellung brachte. —i Am 15/27. Febr. d. I. war die Verhandlung beim hiesigen Appellalionöj Hofe. Da es Samstag war, so bestand das Auditorium, außer wenigen Nichtjuden, fast nur aus Juden. Die Verhandlung begann 2 Uhr Nachmittags und währte bis l Uhr nach Mitternacht. Ter Herr Bürgermeister hatte zu Verlheidigern die Herren Advocaten Gati Orleanu und Ccchunowsky, während cer Jude einen Herren Jorgu Prunku zum Berlheidiger sich gewählt, j Nachdem das Zeugenverhör beendet war pnd der Lerlheiciger

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