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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-20 · Heft 30 (20.7.1875) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 30 (20.7.1875)
Date
1875-07-20
Page
Seite 475 (sequence 5)
Language
German
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475 Weise beitrug, der ferner, indem er den unredlichem Gewinne Nachjagenden mit offenem Visier entgegentrat, der Rechtschaffenheit unv Ehrbarkeit die besten Dienste leistete, und während er seine Kräfte für das Wohl seiner Mitmenschen aufbot, der eigenen Gesundheit nicht schonte, deren Gefährdung durch schlimme Krankheit von allen Guten betrauert wurde, zu deren glücklicher Herstellung, die ihn zur Uebernahme neuer Arbeit für das Vaterland befähigt, nun gleicher Maßen alle Guten ihm aus tiefstem Herzen Glück wünschen. — Aus Pest theilt man mit, daß die Wähler Eduard Horn's, diesem ihrem Abgeordneten eine große Ovation veranstaltet haben. Horn hielt eine Reoe. welche mit großer Begeisterung ausgenommen wurde. Der Enthusiasmus stieg so hoch, daß die Wähler Herrn Horn auf die Schultern nahmen und nach seinem Hause trugen. Berlin, 8. Juli. lPrivatm.) Wenn eine Staatsregierung in noch fraglichen, vielfach bestrittenen und doch tief eingreifenden Angelegenheiten ein bestimmtes Princip als das richtigere sich aneignet und zur Ausführung bringt: so trifft sie auf zweierlei Gegner, auf Gegner dieses Principes und auf ihre eigenen Gegner, welche ihr in allen Fragen Opposition machen, theils weil sie der gesammten Richtung des Regierungssystems feindselig gesinnt sind, theils weil sie sich persönlich von der Regierung verdrängt und ausgeschloffen sehen. Der ersteren Claffe ist es durchaus nur um das Princip zu thun; sie sind z. B. Schutzzöllner, und wollen deshalb das Schutzzollsystem, wenn auch nur für gewisie Industriezweige, wieder zur Herrschaft bringen. Es ist da möglich, daß sie schließlich auch die am Staatsruder befindlichen Personen bekämpfen und beseitigt zu sehen wünschen, weil diese ihrem Verlangen widerstreben. Es ist aber auch möglich, daß sie bei der großen Bedeutung dieser maßgebenden Persönlichkeiten für das Vaterland diesen trotzdem nicht zu nahe treten, wie denn z. B. im Gegentheil zum Sturze des schutzzöllnerischen Thiers viele Anhänger des Schutzzollsystems beitrugen und zu seinen Bertheidigern nicht wenige gehörten, welche den veralteten Finanzideen des bewährten Patrioten gegenüberstanden. Ganz anders aber verhalt es sich mit der zweiten Claffe von Gegnern; bei ihnen ist die Personenfraze Alles und das Princip nur der Vorwand. Wohl verstanden, diese Gegner stehen den Trägern der Staatsregierung principiell im Allgemeinen gegenüber, wie die Junkerpartei den gegenwärtigen Lenkern des preußischen Staates. Aber hinsichtlich des Princips in jedem einzelnen Falle, ist ihnen dies sehr gleichgültig und sie nehmen es nur zur Basis ihres Feldzuges gegen die Personen. Würde mau fragen: woraus erkennt man dies? so braucht man nur auf die ganze Kampfesart dieser Leute zu blicken, um, ist man selbst vorurtheilslos, den ganzen Charakter ihrer Polemik zu durchschauen. Man discutirt zwar den Gegenstand an sich, nur aber um die augenblicklichen Schwächen und Nachtheile hervorzuheben, diese möglichst zu übertreiben und daraus ein Verdammungsurtheil zu schmieden. Dies ist aber nur ein Vorspiel. Nun kommen die leitenden Personen selbst an die Reihe, die man nicht blos der Kurzsichtigkeit, der Einsichtslosigkeit, des Unverstandes und der Gewaltthätigkeit beschuldigt, sondern auch der eigennützigsten, persönlichsten, ja niedrigsten Motive zeiht. Man geht noch weiter; man sucht ihre Werkzeuge auf, oder noch besser, man schiebt ihnen Werkzeuge unter, und zwar solche, die man erst recht beschuldigen und schmähen zu können vermeint, läßt von diesen die Würdenträger des Staates, die Volksvertreter und den ganzen Staat geleitet unv beherrscht werden — und so ist die schwärzeste Anklage fertig. Dies ist in Kurzem das Wesen der fünf Artikel der Kreuzzeitung, welche so viel Sensation erregt haben, im Grunde genommen nicht etwa wegen einer gründlichen und entscheidenden Erörterung der betreffenden Frage, sondern wegen der maßlosen Wuth, mit der sie über die gegenwärtigen Lenker des preußischen Staates herfallen. Bekanntlich hat das deutsche Reich die Einführung der Goldwährung beschlossen, das Münzwesen hierfür geregelt unv ras Münzgesetz festgesiellt. Allerdings läßt sich über die Nützlichkeit und Thunlichkeit der ausschließlichen Goldwährung streiten, und gewichtige Stimmen aus der finanziellen und volkswirthschaftlichen Welt haben sich dagegen erklärt und sind noch jetzt dieser Meinung. Allein Regierung und Volksvertretung haben sich für die Annahme der Goldwährung aus sehr schwer wiegenden Gründen bestimmt und hiernach ihre Maßnahmen getroffen. Es versteht sich, daß es Jedermann unbenommen ist, die entgegengesetzte Ansicht noch heute in angemessener würdiger Weise auszusprechen und zu vertheidigen. Die Ausführung der ganzen Maßregel ist, wie man auch voraussetzte, auf mancherlei Schwierigkeiten gestoßen, die namentlich in der starken Ausfuhr der neugepragten Goldmünzen bestehen, welche man kaum zu verhindern vermag, und die den Mangel an Goldmünzen im Jnlande nach sich zieht. Dies ist der Ausgangspunkt, von welchem die Kreuzzeitung ihren Anlauf nimmt. Es ist dies um so perfider, als sie, so lange noch die ganze Maßregel in der Discussion war, still schwieg, und erst jetzt den Mund aufreißt, wo ein Rückgang gar nicht mehr möglich, wo ein aufrichtiger Patriotismus die Unterstützung der Regierung zur Beseitigung der Schwierigkeiten, nicht aber einen schmählichen Angriff erfordern würde. Aber dies ist ja auch nur Nebensache für die Kreuzzeirung. Was sie will, ist, die leitenden Staatsmänner zu verdächtigen, zu verleumden, womöglich zu vernichten. Einem Bismarck, Delbrück, Camvhaufen niedrige Motive unterzuschieben, davor scheut die Kreuzzeitungspartei nicht zurück. Von sittlicher Gewissenhaftigkeit war bei dieser frömmelnden Partei niemals eine Spur, das ist ihr ganz gleichgültig, ob sie heute einen Waldeck Lurch die nichtswürdigsten Verleumdungen auf die Anklagebank versetzt, oder morgen die verdientesten und anerkanntesten Träger des deutschen Reiches an den Pranger stellt. Aber wie vermag man dies in einer bequemen und schlagenden Weise? Dazu liegt das Mittel sehr nahe. Es handelt sich um eine Finanzsrage. In Finanzange-

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