Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1875)
- Date
- 1875-07-20
- Page
- Seite 474 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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474 historischen Seminar, also ans der Fever eines Studirenden. Wir werden daher unsre Anforderungen hiernach stellen und sehen sie dann in vielfacher Beziehung befriedigt. Größere Geschichtswerke , welche entweder den gedachten Gegenstand als Specialgeschichte umfänglich behandeln. oder ihn den Zeitabschnitten nach an verschiedenen Stellen besprechen, sind nicht Jedermans Sache. Wir möchten daher die vorliegende Schrift dem größern Publikum empfehlen. Fehlt es dem Verfasser auch noch an jener Kunst der Geschichtsschreibung, welche in der Darstellung die Gegenstänve nach ihrem Werthe und ihrer Bedeutung zu gruppiren und dadurch das historische Bild in der Gesammtheit, wie im Einzelnen, klar und durchsichtig zu machen versteht, so ist doch sein Stil flüssig und anziehend und bisweilen glücklich in der Charakterisirung. Auch hat der Verfasser manchen speciellen Punkt durch eigene Forschung sicherer zu stellen und aufzuklären vermocht. — Die in einer Münchener Handschrift aufgefundene erste lateinische Uebersetzung des Maimonidischen „Führers" von l)r. Joseph Perles, Rabbiner ver israelitischen Gemeinde München. «Breslau, Skutsch, 1875). Der „Führer" des Maimonides, der schon bei Lebzeiten des Verfassers in zwei hebräischen Uebersetzungen verbreitet war, wurde einige Jahrzehnte nach des Verfassers Tode um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Süditalien vermuthlich auf Anregung Kaiser Friedrichs II. auch in's Lateinische übertragen und durch diese Vermittelung in die christlich-scholastische Literatur eingeführt, auf welche der äux neutrorum — unter welchem Titel das maimonidische Werk den Scholastikern bekannt wurde — einen durch neuere Forschungen sestgestellten zum Theil tiefgehenden Einfluss übte. Diese erste lateinische Uebersetzung wurde als verloren gegangen angesehen, so daß die des Hebräischen unkundigen Freunde der mittelalterlichen Philosophie bis in die neueste Zeit auf die sehr fehlerhafte Uebersetzung deS Giusiiniani (Paris 1520) und des jüngern Buxtorf (Basel 1629) angewiesen waren. Herr I)r. Perles hat nun jene älteste lateinische Uebersetzung des More in einer aus dem ehemaligen Kloster Kaisheim in die Münchener Bibliothek herübergekommenen Handschrift entdeckt und nachgewiesen, daß sie wahrscheinlich von Albertus Magnus selbst benutzt worden ist, zugleich daß die Uebersetzung des 6iu8tim-ui nichts als eine corrumpirte Abschrift derselben sei. Der Lateiner hat seiner Uebersetzung den hebräischen Text deS Charisi zu Grunde gelegt, welchem er selbst auf Kosten der Latinität so sklavisch folgt, daß er in vielen Fällen erfolgreich zur Controle zweifelhafter Stellen im Charisischen Texte benutzt werden kann. Der Herausgeber macht es wahrscheinlich, daß diese älteste lateinische Uebersetzung von einem Juden herrühre. Die ausführliche Einleitung wird durch viele gründliche Anmerkungen und dann durch Proben dieser Uebersetzung unterstützt. Jever Freund der More-Literatur wirb dem Herrn Dr. Perles für diese Entdeckung und Bearbeitung die aufrichtigste Anerkennung zollen. — n:i72Nn rnanbr: -nso nötra -ar ne®b pnm rxN-u oö-n neto narrsn T-maVjs n'rr. Berlin, Friedländer, 1875. Es ist dies eine hebräische Uebersetzung des in Deutschland durch die meisterhafte Uebersetzung von I. Pi za bekannten, vom Institute zur Förd. der israel. Literatur 1860 herausgegebenen Romans „Marie Henriques Morales". Die Uebersetzung liest sich in dem flüssigen und correctev Hebräisch recht gut. 2beitiuuj 6 U/<xcßioc&teu/. Deutschland. Potsdam, im Juli. (Privatmitth.) Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Tobias Cohn, ist bei den städtischen Behörden um Befreiung von den städtischen Steuern als Geistlicher eingekommen, und hat sie ohne Weiteres erhalten. Bonn, 7. Juli. «Privatmittheil.) Was im gewöhnlichen Laufe der Dinge zwar erfteulich, für die Interessen einer großen Glaubensgenossenschaft gleichgülttg, ja ihrerseits hervorzuheben eine Eitelkeit wäre, das wird doch unter Umständen von Bedeutung. In der jüngsten Zeit haben sich wieder so viele Parteigänger gegen die Juden erhoben, und ebenso auf die jüdische Volksmaffe wie auf Alle, die aus den Juden sich durch tüchtige Leistungen auszeichnen, geschmäht, daß es doch der Mühe lohnt, eclatante Gegenbeweise anzuführeu, die da zeigen, daß die würdigsten Männer verdiente Juden auszuzeichnen nicht anstehen. Aus Leipzig schreibt man vom 27. Juni: Dem von hier scheidenven Reichs-Oberhandelsgerichtsrathe l)r. Goldschmidt ist hier ein Festmahl gegeben, zu welchem sich die Mitglieder deS Oberhandelsgerichts vollzählig, die Mitglieder der juristischen Facultät sehr zahlreich, die Vertreter der beiden städtischen Collegien, der Handelskammer, ver Staatsanwaltschaft, die Anwälte am Oberhandelsgerichte und außerdem noch Mitglieder verschiedener anderer hiesiger Behörden und wissenschaftlicher Kreise eingefunden. Trinksprüche auf den Gefeierten wurden vom Präsidenten Pape und dem Geh. Rath Professor v. Wächter ausgebrachi. — Man schreibt aus Fr ei bürg im Breisgau: „Laster ist am 21. Juni von der Universität Freiburg ehrenhalber zum Doctor der Philosophie ernannt worden. In dem vom Prorector Fischer und Decan Neumann Unterzeichneten Diplom wird „der tapfere und thätige Mann" geehrt, „der, ausgezeichnet nicht minder durch Weisheit und makellosen Lebenswandel als durch Beredsamkeit in der Volksvertretung, nicht nur stets dem Vaterlande eine hochnützliche Thätigkeit widmete, sondern zumal auch zur Errichtung des Deutschen Reiches und zu dessen Ausstattung mit Verfassung und Gesetzen in hervorragendster