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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-13 · Heft 29 (13.7.1875) · p. Seite 464

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 29 (13.7.1875)
Date
1875-07-13
Page
Seite 464 (sequence 10)
Language
German
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464 Nach eragntoonnenen Erfrischunge» gingen wir wieder nach Lima zurück. Unter den verschiedenen Eingeladenen bemerkten wir noch die Herren Minister von Nordamerika und Italien, verschiedene Commissionen der Freimaurerlogen von Lima und Callao, und ebenso die Vertreter der „Odd Fellow Lima Lodge" Nr. 1 und „Callao Lodge" Nr. 2. Alle übrigen Eingeladenen ließen sich schriftlich entschuldigen. Ich erlaube mir jetzt noch. Sie auf einen Artikel, den Sie den 24. November v. I. in der „Allg. Zig. d. Judenthums" Nr. 48 veröffentlichten, avftnerffam zu machen. Es heißt daselbst u. daß hier ein Jude kein Bürger werden kann; ich kann Ihnen aber nur daS Gegentheil sagen. Hier werden vie Ausländer fast alle für Juden angesehen, genießen aber trotzdem alle Rechte, zu denen Ausländer überhaupt gelangen können und kann ein Jeder nach längerem Aufenthalt hier Bürger werden. Adolfe Gosdiuski, Schriftführer des Verein-. Palästina. Die amerikanische Gesellschaft zur Durchforschung Palästinas orgauisirt jetzt eine zweite Expedition. Dieselbe wird von dem Obersten JameS C. Laue befehligt und von vem Archäologen Reverend Selah Merrill und dem Ingenieur Herrn Rudolph Metzer begleitet. Der Expedition wird ein Capital von 30,000 Dollarzur Verfügung stehen. Dieselbe dürfte zwei volle Jahre darauf zu verwenden haben, um die noch nicht erforschten 4000 englische Quadratmeilen des östlichen Palästina wiffenschaftlich aufzunehmeu. Man wird sich erinnern, welche große Dienste für die Kenntniß Palästinas diese amerikauifche Gesellschaft durch ihre erste Expedition dadurch geleistet hat, daß sie mit einem eigens dazu coustruirteu Fahrzeug, das zufammeuzusetzen und auseinanderzunehmen war, und das aus Amerika nach Palästina gebracht worden, den ganzen Lauf de- Jordan erforschen ließ, welcher durch häufige Stromfchnellen zu befahren unmöglich wird, so daß das Fahrzeug um die betreffenden Felsen Herumgelragen werden mußte. In der That gehört der östliche vom Jordan gelegene Theil Palästinas, besonders die Landschaften östlich vom timten Meere biin die Wüste südlich und östlich hinein, jener Weg, den einst die Israeliten bis zum Tode MosiS gezogen, noch immer so gut wie zu den unbekannten Ländern, weil die dort wohnenden und schweifenden Beduinenstämme, welche die türkische Herrschaft thatsachlich noch wenig anerkennen, es den Fremden unmöglich machten, daS Land zu erforschen. Neuerdings jedoch siud diese Beduine», nameaüich in Moab, durch vie Alterchumsforscher zugänglicher geworden, und chre Gewinnsucht erwacht. Auf diesem Wege läßt eS sich mit chneu trausigiren. Jeuilleto«. Einige religiös-Miche Fragen. IV. In neuerer Zeit hörte man öfter mit Emphase den Ausspruch wiederholen: „Das Judenthnm ist eine Religion der Thal". Wollte mau damit sagen: eS ist keine Religion der Lehre, des Glaubens, des Wiffens, sondern der strikten Thätigkeit, der Verwirklichung? Dann hatte man in jenem talmudischen Ausspruche einen noch bestimmteren Ausdruck: -tp-y cn^in sb rrornrt srrr, „nicht die Lehre, die Auslegung ist das Fundament, sondern die That". Freilich widersprach dem, daß an zahlreichen Stellen des Talmuds das Studium der Thorah für die unerläßlichste, ftömmste und verdienstvollste Aufgabe erklärt wird, und das ist doch o-rron! Und dann wird man leicht entgegnen: jede That hat ihren Werth nur durch daS Bewußtsein, aus welchem heraus sie vollbracht wird; das Bewußtsein beruht aber auf der religiösen und sittlichen Anschauung, die im Menschen lebt, und diese wird ihm wiederum nur durch die Lehre, durch die von der Religion gelehrten und eingesenkten Grundsätze gegeben. Eine religiöse Thar ist folglich ohne religiöses Bewußtsein nicht denkbar. — Jndeß ist jeder derartige charakteristische Zug stets nur als einseitig zu bewachten, der von Umständen hervor-1 gerufen wird und eine Zeit lang sich geltend erhält. Wir können uns denken, daß der obige Ausspruch zu einer Zeit auftrat, wo theils eine außerhalb des Judenthums herrschende Religion den Glauben und die Rechtfertigung durch den Glauben als das wesentlichste Moment der Religion und aller Frömmigkeit betonte, theils eine der Religion feindliche Sophistik die Weltanschauung der Religion und ihre Lehren von Gott und Mensch zu entwurzeln suchte. Da konnte jener Ausspruch den Gegensatz des Judenthums kurz und bündig bezeichnen sollen. Aber ebenso wahr ist es, daß ein solcher Ansspruch iu feiner Einseitigkeit vachtheilig, in seiner Oberflächlichkeit hindernd wirken kann. Unter der Herrschaft des oben angeführten Ausspruchs uämlich können leicht die religiösen Ceremonien für die eigeutlichen religiösen Werke, die Ceremonien schlechthin ohue den Geist und den Gedanken als vie eigentlichen Forderungen der religiösen That angesehen werden. Dies ist zu aller Zeit schädlich, besonders aber in einer Epoche, wo es darauf ankommt, den ewigen Lehrnuv Gedankeniuhalt der Religion von Neuem in's Licht zu stellen, zu vertiefe«, und dadurch die Geister zu klären und zu festigen. Fragen wir nun, was jener Ausspruch im Judenthume für

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