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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-13 · Heft 29 (13.7.1875) · p. Seite 463

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 29 (13.7.1875)
Date
1875-07-13
Page
Seite 463 (sequence 9)
Language
German
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463 Gubernien bekundet. Die Herren Minister sprechen darin aus, daß es sich weniger um die Prediger der gesellschaftlichen und sittlichen Anarchie und um deren Jünger, namentlich in allen höheren Lehranstalten, handelt, als vielmehr darum, daß alle Gesellschaftsclassen, die höchsten aristokratischesten nicht ausgenommen, sich äußerst passiv, ja selbst begünstigend gegen die Aufwiegler und ihre Tendenzen benehmen. Dies bezeugt, daß die ganze russische Gesellschaft davon angefreffen ist. Es versteht sich, daß wir an dieser Stelle auf eine Auseinandersetzung über Ursache und Wirkung dieser höchstbedrohlichen Erscheinung nicht eingehen können. Wie immer ergiebt sich auch hier keine einfache Ursache, sondern ein Zusammenwirken mehrerer Factoren, und Charakter, Geschichte und Zustände tragen ebenso wie die Regierungsweise ihren Theil der Schuld. Aber, ftagen wir, wäre es solchen Erscheinungen gegenüber nicht angezeigt, einer so beträchtlichen Volksclaffe, wie die Juden es sind, die zu aller Zeit selbst unter dem fürchterlichsten Drucke politisch und social die ruhigsten und duldsamsten Unterthanen waren, und die ihrer religiösen und sittlichen Anschauung gemäß überall Gegner des Socialismus und Nihilismus sind, endlich gerecht zu werden und sie von allen bürgerlichen Beschränkungen zu befreien? Alle die kleinlichen Nachtheile, welche man ihnen in gehässiger Weise zufchreibt, verschwinden, selbst wenn man sie zugabe, vor dem furchtbaren Unheil, mit welchem die russische Gesellschaft bedroht kst. Welche Dankbarkeit, welche Anhänglichkeit würde die ganze Mische Masse empfinden, wenn man endlich ihre Fesseln bricht? Und will man, wenn nicht diese Masse, doch wenigstens eine Anzahl begabter Jünglinge aus ihrer Mitte auch in das Lager der Umstürzler hinüberdrängen? Sollten alle diese Lehren der Geschichte nichts nützen? Ja, um die Gleichstellung der Juden rückhallslos zu gewähren, dazu sind liberale Principien nothwendig, aber aus dem Boden dieser von der Jetztzeit unabweislich geforderten liberalen Principien bilden die Juden den Socialisten und Nihilisten gegenüber eine conservative Masse, die wahrlich! nicht zu verachten ist. Amerika. Peru. Lima, 28. Mai. «Privatmltth.j Im Aufttage unseres Herrn Präsidenten Carl Herzberg, erlaube ich mir, Ihnen hiermit einige Mittheilungen zu machen, die hoffentlich Ihr Interesse erregen werden. Im Jahre 1869 wurde nämlich das Gesetz gegeben, daß alle Religionen ihren eigenen Beerdigungsort errichten können, zur selbigen Zeit existirte aber hier noch kein israelitischer Verein, und suchte daher ein hier ansässiger Israelit, Namens Simon Moses, die Erlaubnis bei der Regierung nach, um einen israelitischen Beerdigungsplatz zu errichten, welches auch im Jahre 1871 gesetzlich bewilligt wurde. Im Monat Juli 1870 wurde der israelitische Wohlthätigkeitsverein gestiftet und natürlrch von Anfang an darauf hingearbeitet, ein genügendes Capital zu gründen, um einen Gottesacker errichten zu können, was auch, obgleich nicht ohne viele Mühe, endlich zu stände kam. Ich erlaube mir nun jetzt, Ihnen die Einzelheiten der Grundsteinlegung (des Portals) und gleichzeitigen Einweihung desselben mitzutheilen. Nachdem Alles gesetzmäßig in Ordnung gebracht worden war, wurde der 29. Mär; zur Einweihung bestimmt, und betheiligten sich an dieser Feierlichkeit fast alle hier anwesenden Ausländer und ebenso verschiedene Commissionen der hiesigen Behörde. Der dazu bestimmte Platz liegt in der Umgegend von „Bellavista", zum Callaoer Bezirk gehörend, und wurde unserem Verein von Herrn Heinrich Meiggs zum Geschenk gemacht. Um zwei Uhr Nachmittags fuhren wir per Bahn nach besagtem Orte und gelangten nach halbstündiger Fahrt daselbst an. Um drei Uhr begann die „Ceremonie" mit einem „Mincha-Gebet", welches von Herrn Heimann Aaron abgehalten wurde, nach demselben stimmte der deutsche Gesangverein „Teutonia^ das Lied „Der Tag des Herrn" an, darauf verlas rer Schriftführer res Vereins die Acte, welche in den Grundstein gelegt wurde. Herr S. Moses richtete an unfern Präsidenten, Herrn C. Herzberg, einige Worte, in welchen er denselben ersuchte, im Namen des Vereins ven Grundstein zu legen, zu welchem Zwecke ihm auch von Herrn Simon Zender eine silberne Kelle als Geschenk des Vereins überreicht wurde. Bekleidet mit dem Meister - Schurzfell der Freimaurer, hielt derselbe zuerst eine kurze Anreceund legte daraus, folgende Worte sprechend, den Grundstein: „Im Namen Gottes des Allmächtigen, rm Namen der hier versammelten Gemeinde und nach den alten Gebräuchen unserer Urväter lege ich diesen Grundstein zu einem israel. Gottesacker, dem ersten im Lande Peru, wie einst unser Urvater Abraham ven ersten im Lande Kanaan legte. Mögen alle Diejenigen, die vereinst in ihn einziehen, in Gnade und Barmherzigkeit vor dem Throne Gottes erscheinen." Nach Beendigung der Ceremonie hielt derselbe noch eine der Zeit und dem Orte angemessene Rede in deutscher Sprache. Darauf folgte wieder ein Gesang. Ferner sprachen noch dre Herren: zuerst unser Beisitzender Herr M. Badt spanisch, die Herren I. Lawton und N. Hurwitz, englisch, Herr Ä. Bar, ftanzösisch, und zuletzt hielt noch Herr Coronet Wenceslao Pa; (ein Peruaner), Meister des Stuhls der Loge „Cosmos 'Jiv. 12" in Lima, eine kurze Ansprache, in welcher er seine Freude ausvrückle. daß Peru schon so weit vorgeschritten wäre und es allen Religionen erlaubt sei zu thun und zu lassen, was ihnen gut dünkt, obgleich noch keine Cultusfteiheit gesetzlich besteht. Unser Herr Präsident veranstaltete zuletzt noch eine kleine Sammlung für arme Familien von Bellavista und envlgle endlich die Feierlichkeit mit dem Gesang: „Der Frieden".

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