Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 29 (13.7.1875)
- Date
- 1875-07-13
- Page
- Seite 462 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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462 zu dem angegebenen Zwecke ein Engländer Wallace 25,060 Frcs., dagegen der große Patriot und kinderlose mehrfache Millionär Thiers für sich, seine Frau und Schwägerin nur 2400 Frcs. gespendet, und trotz alledem betrug die officielle Gabe am 20. Juni erst — 99,000 Francs! Man vergleiche dies mit den Sammlungen in dem viel ärmeren Deutschland, z. B. für die Ueberfchwemmren am Ostseestrande, für die Abgebrannten in Meiningen U. s. W. Suum euique'.— —. Crsmieux hat zu den Unterstützungen für die Ueberschwemmten 50,000 Francs gezeichnet, die höchste Gabe eines Privatmannes. Großbritannien. London, 28. Juni. Sir Moses Montefiore hat seine Reise nach Jerusalem angetrelen. Am Sabbalh vor seiner Abreise begab er sich in die portugiesische Synagoge. Als er zur Thora ausgerufen worden, erhoben sich alle Anwesenden von ihren Sitzen, und bedeutende Spenden wurden im Sinne seiner glücklichen Rückkehr dargebracht. Man eilte, als er die Synagoge verließ, ihm voraus, um ihm aus der Straße noch einmal eine glückliche Fahrt zuzurusen. Alle politischen Zeitungen haben ihm freundliche und herzliche Grüße nachgesendet, und die Regierung hat dem Admiral des englischen Mittelmeergeschwaders den Befehl zukommen lassen, den ehrwürdigen Greis bei seinem Unternehmen nöthigenfalls zu unterstützen. —. Der plötzliche Tod des Herrn Michel Henry, Redacteurs des ,,Jewisii Chronicle“ hat die schmerzlichste Sensation erregt. Er war erst 44 Jahre alt, und mitten in seinen schätzbaren Leistungen. Wie man erzählt, hatten seine Kleider Feuer gefangen; doch ist sein Tod nicht unmittelbar hierdurch, sondern durch den Schrecken erfolgt, welchen er durch den Anblick seiner brennenden Kleider erlitt. Bekanntlich war er der Nachfolger des gelehrten Dr. Benish in der Redaction des I. C. Vor Allem zeichnete er sich durch liebenswürdige Freundlichkeit gegen Jedermann und durch das wärmste, opferfahigste Herz aus. Da seine Schwester frühzeitig Wittwe geworden und ohne Mittel vier Kinder zu erziehen hatte, so widmete sich Michael Henry gänzlich Liesen Waisen, verheirathete sich nicht, und da der Ertrag jener Reraction nicht genügte, trat er zugleich in ein Handelshaus ein, welche Beschäftigung ihm zwei Drittel seines Tages kostete. So bringt sein Tod nicht blos der englischen Judenheit, sondern ganz besonders seiner Familie den empfindlichsten Verlust. Türkei. Kreta, Ende Juni. Es war eine unbegründete Nachricht, daß die muselmännischen Mitglieder ver Abgeorvnetenverfammlung Theil genommen hätten an dem Widerstande, gegen den Eintritt eines israelitischen Deputirten: es waren allein die griechischen Abgeordneten, während die ersteren sich gar nicht daran betheiligten. Ueber den Ausgang berichtet der „Courrier d’Orieat“: „Ungeachtet der Anstrengungen Derjenigen, welche die Ruhe der Insel stören zu wollen scheinen, hat Samih Pascha alle die Jntriguen und alle Schwierigkeiten zu überwinden verstanden. Der ernste Vorfall bei Gelegenheit des israelitischen Abgeordneten in der Kreta'er Generalversammlung, der zu einer so lebhaften Opposition von Seiten der griechischen Abgeordneten Veranlassung gegeben, ist im Begriff beigelegt zu werden. Dank dem weisen und festen Verfahren des Valy, das dazu führte, den Grundsatz der Gleichberechtigung zum Siege zu verhelfen. Die Generalversammlung hat ihre Arbeiten wieder ausgenommen, ohne daß der israelitische Abgeordnete ausgeschlossen wäre. Die geheimen Agitatoren haben, ihre Pläne vereitelt sehend, versucht, den religiösen Haß der Griechen gegen die Juden neu anzufachen, indem sie den Mord eines Israeliten, der in einen, Dorfe des Districtes Kiffamos von einem Griechen verübt worden, zu ihrem verdammenSwerthen Vorhaben auszubeuten gedachten. Aber die Untersuchungen der Behörden haben erwiesen, daß es sich nur um ein gewöhnliches Verbrechen handele und Samih Pascha hat auch diesmal verstanden, die Manöver der Feinde der Ordnung zu Schanden zu machen. Spanien. Madrid, 4. Juli. Während bis jetzt die Richtung zwischen der Glaubensfteiheit und dem Glaubenszwang in Spanien stets je nach der monarchischen oder republikanischen Verfassung hin- und herschwankte, ist es fast selbstverständlich, daß mit dem neuen Könige auch der Glaubenszwang wieder zur Herrschaft kommt. Die „Corresponcencia" versichert, die katholische Religion werde forlfahren, Staatsreligion zu sein. Der Staat werde die Kosten des Cultus tragen. Wenn die herrschenden Ideen angenommen werden, so werde kein Spanier seiner religiösen Meinungen und Handlungen wegen, sofern letztere der christlichen Moral nicht widersprechen, beunruhigt werden. Oeffentliche Cultusübungen dürfen nur katholische sein. Rußland. Petersburg, im Juni. (Privatmitth.) Es ist längst auch dem Auslande kein Geheimniß mehr, daß in Rußland der Socialismus und Nihilismus einen überaus ftuchtbaren Boden gefunden, die ganze Gesellschaft unterwühlt, und besonders die Jugend bis in die höchsten Kreise hinauf sittlich zersetzt hat. In welchem Umfange dieses Uebel um sich gegriffen, das ist aber jetzt durch ein Circularschreiben des Justizministers an alle gerichtlichen Organe, und durch ein gleiches vom 24. Mai des Ministers der Volksausklärung au die Curatorien des Schulwesens in allen