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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-06 · Heft 28 (6.7.1875) · p. Seite 448

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 28 (6.7.1875)
Date
1875-07-06
Page
Seite 448 (sequence 10)
Language
German
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448 Deputirten in den Landtag zu schicken, jedoch sei im kaiserlichen Ferman vom 15. Ramadhan 1284, der die Verwaltung der Insel Kreta ordnet, ausdrücklich hervorgehoben worden, „daß der Landtag der Insel aus Deputirten zu bestehen habe, die von der ganzen Bevölkerung gewählt werden", und zu der „ganzen Bevölkerung" gehören auch die Israeliten. Der israelitische Deputirte für die Cultusgemeinde Canea müsse also zu deü Sitzungen des Landtages zugelassen werden. Rußland. Aus Rußland, im Juni. Das Iuniheft der Alliance isr. univ. enthält von hier aus die Mircheilung. daß eine große Anzahl Juden, die sich mit Erlaubniß der Behörden in Kurland feil einigen Jahren niedergelasien und Handelspatente erhallen halte, soeben den Befehl erhielten, in einem bestimmten Termin die Provinz zu verlaßen. Diese harte Maßregel, welche über 200 Familien in's Elend stürzt, wurde aus Grund alter Provinzialrechte gefaßt, welche seit langer Zeit außer Anwendung gekommen. Zahlreiche Petitionen wurden an die russische Staatsregierung gerichtet. Asien. Smyrna, im Mai. Bor Kurzem erschien die berüchtigte Schrift des pseudonymen Osman-Bey „Die Eroberung der Well durch die Juden" in lürkischer Sprache, und alsbald beeilte sich ein griechisches Blatt in Athen, sie auch in's Griechische zu übersetzen. Daraus entnahmen die hiesigen griechischen Journale die Gelegenheit zu einer heftigen Polemik gegen die Juden. Ein hiesiger Israelit will eine Widerlegung verfaßen. (Wir erinnern an unsere Beuriheilung dieses Pamphlets in Nr. 19 und 21, und das amerikanische Blatt, welches bei dieser Gelegenheit meinte, es wäre am besten, derartige Produkle mit Stillschweigen zu übergehen, mag hieran sehen, daß sein Hochweiser Rath durchaus nicht am Platze ist, vielleicht selbst nicht in Amerika. Redacl.) Jaffa, im Mai. Wir entnehmen dem Äunihefte der Alliauce isr. univ. über die jüdische Ackerbauschule zu Jaffa folgende Mittheilungen. Die Ernte hat angefangen, und verspricht eine ausgezeichnete zu sein. — Herr S. Montagu von London, der iur vorigen Jahre Palästina besuchte, schreibt unter Anderem. Da es gerade ein Sabbathjahr ist, so ist die Productionscultur in Slillstand; man beschäftigt sich mit Jäten und Reinigen, man gräbt einen Brunnen und reparirt die Wege, die Gebäude und Geräthe. Es sind jetzt in der Anstalt 27 junge Leute, meist vom sephardischen Ritus. Außer dem praktischen Unterricht im Ackerbau, erhalten sie eine gute allgemeine Erziehung. Wären die Hülfsmittel beträchtlicher, so hätten wohl 60 Zöglinge Platz. Nach der Meinung des Directors könnten die jungen Leute, wenn sie fertig gelernt, in der Anstalt selbst bis aus 200 Mann beschäftigt werden, zu 2 Francs täglich, ein Theil könnte sich verheirathen und ihre Familie unterhalten. Die arabischen Arbeiter erhalten nur 1 Franc täglich; aber die in der Anstalt erzogenen Israeliten würden viel intelligentere Arbeiter abgeben. Nach der Ansicht deffelben Directors sind die jungen Leute aus Jerusalem (unterschieden von denen aus anderen türkischen Städten) nicht geeignet für den Ackerbau. Die cinwandernden Rußen und Polen können sich ebenfalls dem Ackerbau nicht ergeben, zuerst, weil man in ihrem Geburtslande nicht in derselben Art wie die Araber arbeitet, und dann, weil die Art der Bebauung und das Klima sehr von denen, die sie gewohnt sind, verschieden sind. Die Erfahrung habe ihm gelehrt, daß die Juden von Jerusalem die Handwerke vorzögen. Der von Sir Moses Montefiore gegründete Garten bringt nicht seine Kosten aus. Amerika. New-Nork, im Juni. Das Boar.l of Delegaics der amerikanischen Israeliten hielt in diesen Tagen seine jährliche Sitzung, und einige Notizen aus derselben werden an dieser Stelle nicht unwillkommen sein. Die Ausdauer, welche trotz verhaltnißmäßig geringer Betheiligung diese Organisation - beweist, ist rühmend anzuerkennen. Sie ist dem öoarü c>k Deputies der englischen Juden nachgeahmt; aber die Zerfahrenheit, die bei unsren Glaubensgenoßen in Amerika vorherrscht, entzieht ihr die nachhaltige Kraft, welche jene englische Vertretung besitzt und oft schon geltend gemacht hat. Das Interesse der Sitzung nahm der Bericht des ausführenden Comites ein. Er wandte sich zunächst den Angelegenheiten Palästinas zu. Während des vorjährigen Hungerjahres dort sammelte das Comitö 1156 Doll., von denen es 200 Doll, im Juni absandte, 250 Doll, wurden für die Erbauung eines Wittwen- und Fremdenhaufes in Jerusalem gewidmet; der Rest verblieb, da die Hungersnoth unterdeß ausgehört, in der Caffe des Comites. Ein unterdeß nach Amerika gekommener gut beleumdeter Bote der Gemeinden Jerusalems bewirkte eine Sendung von 250 Doll, an Sir Moses Montefiore. Man erkannte aber die Unzukömmlichkeit solcher Boten an, die sehr viel Geld verzehren, wahrend ein gut attestirtes Schreiben dieselbe Wirkung habe. Was Rumänien betrifft, so freute man sich, daß keine Sensationsberichte wieder eingelausen seien. Auch hat die Einwanderung aus diesem Lande, wie aus Westrußland fast gänzlich aufgehört. Die wenigen Einwanderer von dort nahmen das dessallsige Hülfscomite nicht in Anspruch. Der Bericht des Schatzmeisters zeigte für das vergangene Jahr an Einnahmen 518 Doll., an Ausgaben 83 Doll. Der Fond für Palästina einschließlich der gedachten Sammlung betrug 3061 Doll., Ausgaben 1591 Doll. In der Debatte wurde beschloffen, 350 Doll, dem Montefiore - Fonds, 250 Doll, der Ackerbauschule in Jaffa und 100 Doll, dem Hospital in Jerusalem zu widmen. Ferner wurden 500 Doll, zur Entschädigung

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