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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-29 · Heft 27 (29.6.1875) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 27 (29.6.1875)
Date
1875-06-29
Page
Seite 434 (sequence 12)
Language
German
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434 dienstes halber mit der Beschaffenheit des Fleisches nicht genau nimmt).*) Trug und List der Eseltreiber mag folgendes Geschichtchen**) erläutern. In einer Stadt war Mangel an Salz. Eine dortige Compagnie Eseltreiber kam überein, Salz von anderswo so schnell als möglich auf den Markt zu bringen. Als sie ihren Obersten zur Mitreise aufriefen, sagte er: Heute und morgen habe ich meinen Acker zu bestellen, aber wartet nur, wir reifen vann zusammen. Sie willigten ein. Beim Bestellen des Ackers dachte er aber etwas Anderes als er sagte, denn in aller Frühe weihte er sein Weib in die Hinterlist ein. Merke dir's, sagte er, wenn ich das Joch verlange, so giebst du mir den Sattel, und wenn ich den Krug verlange, so giebst du mir den Sack. So legte er denn den Sack auf den Rücken des Esels und trabte davon. Als ihn später seine Leute abholen wollten, hieß es: der ist schon seit gestern weg. Als sie nun sich auf den Weg machten, kam er ihnen mit seiner Ladung entgegen. Warum, riefen sie, hast du so gehandelt? Seid doch vernünftig, erwiderte er, wenn wir alle zusammengereist waren, wäre das Salz wohlfeil geworden; jetzt, wenn ihr zurückkehrt, ist mein Theil schon verkauft und ihr macht hinterdrein auch einen schönen Profit! So erwies sich der Obereseltreiber auch als Oberster in der Verschmitztheit. Die Fischerei im See war frei, nur das Einsenken von Fischreusen war nicht gestattet, weil es die Schifffahrt behinderte; übrigens durfte jeder mir Netz und Hamen da sein Glück versuchen; es galt dies für eine der von Josua bei der Landesvertheilung ausbedungenen Freiheiten.***) Reichthum war durch dieses Fischergewerbe nicht zu gewinnen. In der Zeit vor dem jüdischen Kriege bildeten die Schiffer und die Armen in Liberias Eine Partei, aber eine so mächtige und gefürchtete, daß Jesus, Sohn des Sapphias, der sich zum Befehlshaber der Stadt aufgeworfen harte, sich auf sie stützte, t) Sehr unliebsam waren die Weber (gardijjim); gemeine Gassenhauer, die ein anständiger Mensch nicht anhören darf, hießen Webergesang, tt) In dem Tractat Ebijolh l, 3 treten zwei ehrbare Weber vom Dunghaufen-Thore in Jerusalem auf, deren Zeugniß in einer Gesetzesfrage als giltig angenommen wird, aber übrigens weiß die Geschichte von den Webern nichts Gutes zu erzählen. Zwei jüdische Webergehülfen in Nehardea, einer babylonischen Stadt, Namens Asinaios und Anilaios, die einmal ihr Meister übel traktirte, als sie sich zu spät zur Arbeit einfanden, ergriffen das Waffenhandwerk, und Liese kühnen Abenteurer beherrschten unter Kaiser Caligula lange Zeit die Gegenden am Euphrat und Tigris, ttt) Ein anderer Weber, *) Kidduschin IV, 24. Sofrim 47 d und anderwärts. **) Landau a. a. O. 185. '**) Kamma 81 a. t) Josephus, Leben c. 12. tf) Sota 43 a. ttt) Josephus, ant. XVIII. 9. Namens Jonathan, der zur Banditenpartei der Sikarier gehörte, kettete das arme Volk der Landschaft Kyrene an sich und führte sie in die Wüste, wo sie Wunder erleben würden. Sie wurden aber mit leichter Mühe von den Römern auseinander gesprengt, und Jonathan half sich mit lügnerischen Verleumdungen, welche Tausenden seines Volkes das Leben kosteten, bis er endlich entlarvt, durchgepeitscht und lebendig verbrannt wurde. Mit dieser Geschichte, die sich unter Kaiser Vespasian zutrug, schließt Josephus sein Werk über den jüdischen Krieg." Die Weberei hat Zeiten gehabt, wo sie reichlich lohnte, aber meistens lag sie unter dem Banne der Armuth. Ein Weber, der sich nicht duckt — sagt ein alter Spruch — deß Leben kürzt der Bannfluch.*), d. h. nur durch servile Fügsamkeit und Biegsamkeit fristet er sein elendes Dasein. In anderer Fassung lautet dieser Spruch: Ein Weber, der sein Leben verwünscht, bringt sich um ein Jahr seiner Jahre, d. h. er muß sich zufrieden in sein Geschick ergeben, wenn er nicht durch einen Verzweiflungsausbruch nach dem andern sich das Leben verkürzen will.**) Auch wenn ein Spruch sagt, daß selbst der Weber ein Potentat in seinem Hause ist ***), kommt die niedrige gesellschaftliche Stellung des Webers in Betracht, und der Sinn ist, daß jede auch noch so geringe Berussart den, der ihr obliegt, innerhalb gewisier Grenzen zum Herren macht. Die Frau zumal hält mit ihrem Manne auch immer zugleich dessen Beruf in Ehren und ist geneigt, wenn dieser auch noch so gering ist, sich etwas Großes zu dünken. Ist der Mann auch nur so groß wie eine Ameise — sagt ein Sprichwort — so setzt sich die Frau dennoch zwischen die Vornehmen hin. Dieses Selbstbewußtsein ist, abgesehen von seiner Entartung zum Dünkel, die gottgeordnete Folge der ehelichen Liebe, welche sich auch in den kleinsten Verhältnissen glücklich fühlt, und auch auf das Geringste ihr verklärendes Licht wirft. Ist der Mann auch nur ein Feldhüter — sagt ein anderes Sprichwort — so ist die Frau zufrieden und verlangt in den Kochlopf keine Linsen. Und ein drittes Sprichwort: Ist der Mann auch nur ein Wollkämmer, so ruft ihn die Frau vor die Schwelle des Hauses und setzt sich neben ihn.'s) Solcher Sprüche aus jener Zeit besitzen wir viele. Fast jedes Handwerk liefert dazu seinen Beitrag, z. B. „Nach dem Ochsen ist auch der Metzger" tt), d. h. sein Werth bemißt sich nach dem Werth des Viehes, das er ausschlachtet, und: „Der Schmied, der beim Ambos sitzt, wird oft vom Werk seiner eigenen Hände bezahlt" ttl"), d. h. er schmiedet die Mordwaffe, die ihm den Tod bringt, und der sich selbst erklärende Müllerspruch: „Jeder Mensch hat sein Glück in seinem Troge" *t). Da wir *1 Aboda zara 26, nach der Lesart vrriLD. **) s. Buxtorf, Lep. s. v. "TO. ***, Megilla 12 b und dazu Raschi. 10 ]. diese drei Sprichwörter Jebamoth 11S b u. ö. tt> Bereschith Rabba 57 b. ttt) Pesachim 28 a. *t) j- Peah I, 1 u. ö.

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