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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-29 · Heft 27 (29.6.1875) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 27 (29.6.1875)
Date
1875-06-29
Page
Seite 427 (sequence 5)
Language
German
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427 Literarischer Wochenbericht. Bonn, 18. Juni. Mit Vergnügen zeigen wir das Erscheinen der zweiten Lieferung des „Neuhebräischen und chaldäischen Wörterbuches über die Talmudim und Midraschim" von Rabb. Dr. Levy (Brockhaus, 1875) an (s. Nr. 14). Sie bringt die Bogen 15—28 und reicht bis ma. Es erhellt also, daß dieses verdienstvolle Werk in verhältnißmäßig raschem Fortgang begriffen ist. — Mohammed nach Talmud und Midrasch. Kritisch-Historisch bearbeitet von Di-. I. Gastfreund. I. Abth. (Berlin, Gerschel, 1875.) Der Verfaffer dieses ersten Heftchens sieht mit Recht als jetzt unbezweifelt und feststehend an, daß der Stifter des Islam seine Lehre hauptsächlich dem Judenthume entnommen hat, ja, daß der nicht bedeutende Einfluß des Christenthums auf Mohammed diesem erst durch jüdische Vermittelung zugekommen. Es beruht dies auch auf den Resultaten und Urrheilen der neuesten christlichen Forscher. Es wird daher immer mehr zu einem Bedürfniß der Wiffenschaft, auch bis in's Einzelnste Nachweise zu liefern, wie Mohammed und seine Nachfolger aus dem Judenthume geschöpft, dessen Auslegungen, Sagen, Ansichten und auch abergläubische Meinungen der Zeit angenommen und verarbeitet haben. Die bekannte Schrift Geiger's aus dem Jahre 1833 hatte hierzu einen guten Anfang gemacht, G. Weil,*) Emanuel Deutsch u. A. lieferten Beitrage hierfür, und der Verfaffer stellte es sich zur besonderen Aufgabe, für diese Untersuchungen neues Material herbeizuschaffen. Dies ist ihm denn auch dem Umfange seiner kleinen Schrift nach reichlich gelungen, wobei er tüchtige Sachkenntniß und einen wackern Scharfblick bewährt. Wir können daher nur wünschen, daß der Verfaffer in den Stand gefetzt sei, seine Arbeit fortzuführen. Wir halten nur den Wink nicht zurück, der Verfaffer möge noch mehr Aufmerksamkeit auf Correctheit des Styls verwenden. (Wir verweisen z. B. auf den Schlußsatz der Schrift). Mit Vergnügen bemerken wir, daß der Verfaffer ein Schüler der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums ist. — Installation tle M. Isaac Bigart, Grand Rabbin de la Lorraine. (Metz, 1875). Das Heftchen enthält die Beschreibung der Ceremonie bei der Einführung des neuen Großrabbiners von Deutsch-Lothringen, die warme Ansprache des Präsidenten des Consistoriums, Herrn Louis Morhange und die Predigt des Herrn Bigart, welche ein *) Biblische Legenden der Muselmänner. Franksnrt 1845. schönes Zeugniß für die Begeisterung und die edlen Intentionen des auf diesen wichtigen Posten berufenen Rabbiners, sowie für feine nicht gewöhnliche Beredsamkeit darbietet. Möge es ihm gelingen, namentlich betreffs der religiösen Erziehung und Unterweisung seine Absichten und Anstrengungen ausgeführt und mit Erfolg gekrönt zu sehen! — Sermons et alloeutions Zadoc Kahn, Grand Rabbin de Paris. Premiere Serie. Paris, Josejdi Baer. 1875. Die homiletische Literatur bei unsren französischen Glaubensgenoffen ist noch sehr schwach und umfaßt außer gelegentlichen einzelnen Reden nur wenige Bande. Um so willkommener muß uns jede Bereicherung derselben sein, und wir können daher Herrn Großrabbiner Zadoc Kahn für die vorliegende Veröffentlichung, die als eine erste Reihe bezeichnet ist, nur unsren Beifall zollen. Der Verfaffer nennt sie „Reden und Ansprachen". Die Predigt, wie sie ihrer Form nach in Deutschland aufgefaßt wird, hat eine solche Gestaltung auf der französischen Kanzel überhaupt nicht angenommen. Hier beabsichtigt man eben nur die Rede mit einem bestimmten Thema, das man, ohne sich durchgängig an einen Text zu knüpfen, den sie nur beiläufig einmischt, logisch bespricht, ohne eine Gliederung in einzelne Theile und deren Zusammenfassung vorzunehmen. Aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, sind diese gesammelten Reden vom edelsten Geiste, von echter Religiosität und Sittlichkeit dictirt, und durch eine gemüthvolle Beredsamkeit belebt. Der Leser wird sich vo» ihnen ergriffen, seinen Geist gehoben, fein Gemüth bewegt fühlen. Ist es nun richtig, was der Verfaffer im Vorwort offen ausspricht, daß die jüdische Literatur in Frankreich nur eine sehr kärgliche Existenz genießt, und dem Bedürfniß noch bei Weitem nicht genügt, so ist dem Verfasser und dem Verleger nur um so mehr Dank zu wisien. Der vorliegende Band enthalt 18 Reden, von denen zwei Ansprachen bei Begräbnissen, zwei bei Synagogenweihen und die bei der Einführung des Verfassers in sein Amt, die übrigen dreizehn an Sabbathen und Festtagen gehalten sind. Sie behandeln: „das Judenthum liebt die Freude", „das Gedächtniß der Vergangenheit", „die Anschuldigung Haman's", „der Gott der h. Schrift ist der Gott der Liebe", „die jüd. Moral", „der Schmerz", „der Glaube und die Werke", „Gott in der Natur und in der Geschichte", „die kindliche Ehrfurcht", „der Tempel", „die Unsterblichkeit der Seele", „die Unsterblichkeit auf Ereen", „der Segen". Wir wünschen, daß eine zweite Sammlung recht bald folgen möge. 2&eLfciutc16iicxc&U/C&tew. Deutschland. I Gymnasiums das Ersuchen, daffelbe möge die Einrichtung treffen,! daß den Schülern jüdischer Confession gleich denjenigen christlicher Dortmund, 15. Juni. «Privatmiltheil., Unterm 4. No-! Confessionen der Religionsunterricht an dem Gymnasium und der vember vor. Jahres stellten wir an das Curatorium des hiesigen i damit verbundenen Realschule obligatorisch auf Kosten der Gym-

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