Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1875)
- Date
- 1875-06-22
- Page
- Seite 418 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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418 der gleiche, sofern sein Her; vabei aus den Himmel (auf Gott) gerichtet ist."*) Eine Art von Genossenschaften der Handwerker findet fich auch bei den alten Juden. So gab es z. B. eine eigenthümliche Art von Sinn- und Sittensprüchen, welche „die Sprüche der Walker"**) hießen; die Walker, welche wollene Zeuge reinigten und verdichteten und dazu einen besonderen nahe dem oberen Teiche an der Straße nach Joppe gelegenen Wasch- und Bleichplatz hatten, ly bildeten also einen Lebenskreis mit eigenthümlich ausgemünzten Gedanken, welche nur der Eingelebte verstand. Es gab Eseltreiber- und Rheder-Gesellschaften, welche sich unter fich verpflichtet halten, demjenigen seinen Esel, sein Schiff auf gemeinsame Kosten zu ersetzen, welcher sie ohne nachweisbare Fahrlässigkeit verloren hatte. Ir) Aber Zünfte im eigentlichen und vollen Sinne des Wortes waren das doch nicht. Dagegen blühte in Egypten, dem Lande der Kaste, das Zunftwesen auch unter den dortigen Juden. Die Juden in Alexandrien hatten eine weltberühmte prächtige Synagoge, so groß, daß der Vorbeter (chazzan), wenn Die Gemeinde Amen sagen wollte, sich eines Kops- oder Schleiertuchs sudariun» ,der Bedeutung nach: Schweißtuch, denn Schnupftücher hatte man damals nicht) als eines optischen Telegraphen bedienen mußte. In dieser Synagoge saßen die Männer nicht bunt durcheinander, sondern da hatten die Goldarbeiter, die Silberarbeiter, die Nagel- und Nadelschmiede, die Kupferschmiede, die Weber ihre besonderen Stände und Bänke, und wenn ein armer Handwerksgenvffe hineinkam, setzte er sich zu seiner Innung, die ihn so lange unterstützte, bis er Arbeit bekam. Diese in Alexandrien heimischen Kupferschmiede, welche auf ihrer Wanderung ein zerlegbares Bett mit sich führten und deren Abzeichen ein Lederschurz war, hatten auch in Jerusalem ihre eigne Synagoge und ihren eigenen Begräbnißort. Daß sie zunftmäßiz organisirt waren, geht daraus hervor, daß ihr Rabban d. i. Obermeister erwähnt wird. „Das mosaische Gesetz hatte dem Volke eine starke und zarte Empfindlichkeit für Rein und Unrein anerzogen. Ein Handwerk, welches mit unreinen Stoffen hantirte, die man dem Manne anroch, stand schon deßhalb auf tiefer Stufe. Die Gerberei, welche Thierhäute zu Leder herrichtete, und die Erzgräberei, welche in der Erde wühlt, galten für so schmutzige Gewerbe, daß es einer Frau verstattet war, sich nicht allein von dem Hundekothsammler, welcher dem Gerber diesen Gerbestoff zuführte, sondern auch von dem Gerber und Erzgräber selbst ebensowohl wie von einem Manne mit Aussatzgeschwüren oder einem stinkenden Polypen zu scheiden, möge er das, wodurch er sie unerträglich belästigt, schon vor der Heirath gewesen oder erst nach der Heirath *) Berachot 17 a. **) Succa 28 a. Bathra 134. f) Jes. 3. ft) Kamrna 116b. vgl. Fischer;u Buxtorfs Lex. s. v. troa. geworden fein.*) Die Welt, sagt ein mehrmals vorkommerü^DE Spruch,**) kann weder ohne Parfümeur (bassäm) noch ohne. - Gerber (burseki) bestehen. Heil dem, deffen Handwerk doch Parfümiren, wehe dem, deffen Handwerk die Gerberei ist! —. Der Platz für die Gerbereien mußte wie für Aeser und Gräber^ wenigstens 50 Ellen von der Stadt entfernt sein.'s)" (DaS wäre noch heute sanitätspolizeilich sehr wünschenswerth'. (Schluß folgt.) Verwischtes. Heinrich Laube über die Juden. Heinrich Laube veröffentlicht feit einiger Zeit „Erinnerungen" im Feuilleton der „Neuen freien Presse", die bald auch in Buchform erscheinen werden. Im 39. Capitel will er sein Verhältniß zu Heine schildern; er kam 1839 nach Paris, und verkehrte daselbst viel mit Heine. Da Heine ein Jude ist (oder war), so giebt dies die willkommene Veranlassung, auch über die Juden im Allgemeinen zu schreiben. Die Juden müssen es sich gefallen lassen, daß Jedermann seine Gedanken über sie ausspricht, obgleich diese bei dem Einen wie bei dem Anderen sich ziemlich gleich sind, höchstens kann man drei Schattirungen erkennen: wohlwollend, gehässig, oder aus Beiden gemischt. Das „junge Deutschland" war, als es in den dreißiger Jahren erschien, obschon Börne und Heine als deffen Väter galten, den Juden nicht sehr hold. Aus der deusschen Demagogie der zwanziger Jahre war ein abgeschwächter Zug in den deutschen Liberalismus des „jungen Deutschlands" übergegangen, und Gutzkow wie Kühne und andere Mitglieder dieser Richtung gaben dies deutlich genug zu erkennen. Das Alter macht milder. Aus der Reihe jener Männer ist es Heinrich Laube, ver sich außer der Schriftstellerei auch in practischen Kreisen viel bewegt hat. Es ist daher immer von Interesse, seine Meinung zu vernehmen, wenn er auch in diesen „Erinnerungen" mehr plaudert, als tiefere Ansichten über die an ihm vorübergegangenen Erscheinungen offenbart. Wir geben seine Worte, ohne weitere Bemerkungen hinzuzufügen. Nach einigen einleitenden Worten führt Laube eine längere Stelle aus Mommsen's Römischer Geschichte über die Juden in Rom zur Zeit Cäsar's an. Dann fährt er fort, sich über das wundernd, was er von Mommsen erfährt, und was doch Jedem bekannt ist, der sich mit jüdischer Geschichte irgend beschäftigt hat. „Ist das nicht neu?! Also lange bevor, ungefähr hundert Jahre, bevor Kaiser Titus Jerusalem zerstörte, wanderten die Juden schon. Sie hatten daheim noch einen Staat und die *) Kethuboth VII, 10. **) Kidduschin S2 b. f) Bathra II, 9.