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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-22 · Heft 26 (22.6.1875) · p. Seite 416

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 26 (22.6.1875)
Date
1875-06-22
Page
Seite 416 (sequence 10)
Language
German
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416 es wurde ihm zugleich der Befehl erlheilt, die Tempelschlüffel! 339 gegen 300 Stimmen ein Amendement CHSsnelong's ungesäumt abzuliefern. In Folge dessen hat der christl. Vorstand j bekannten Legitimisten unv Klerikalen) angenommen,' welches des Beteranen-BereinS eine öffentliche Erklärung abgegeben, in Diccesen, ebenso wie die Departements und Gemeinden berei welcher eS heißt: „Herr I. Mandl", das ist nämlich der also höhere Unterrichtsstätten «Universitäten) zu gründen; die isrc „Abgeurtheilte", ,-wurde von den Vorgesetzten in seiner Gemeinde j Consistorien erhielten dieselbe Besugniß. Wenn nun auch an seiner Ehre unschuldiger Weife verletzt, wurde wie ein Perj Gesetz ein arger Rückschritt ist, so erscheint es doch immer wätßpi brecher behandelt („abgeurtheilt"), obwohl er sich in seinem Dienste nicht die mindeste Vernachlässigung zu Schulden kommen ließ, was mich, sowie alle Bereinsmitglieder nicht abhalten wird, ihm die ungeschmälerte kameradschaftliche Achtung zu bewahren, wie er sie bisher verdienter Maßen beim Vereine genoß." — Wir glauben auch, daß der Vorstand sich mit einer nachdrücklichen Rüge hatte begnügen sollen; hierzu aber hatte er nicht bloS das Recht, sondern auch die Pflicht. Niemand hatte es dem Synagogendiener übel genommen, wenn er bei der Frohnleichnams- Bedeütung, wenn sie bei solchen Gelegenheiten nicht übergangew^ werden, weil hierdurch die Gleichberechtigung der Culte gewahrt bleibt. Indessen kamen die israelitischen Consistorien nicht durch -y~ den Erzroyalisten Chvslelong, sondern erst durch ein Amendement des Deputaten Andr« in das Gesetz, als zu ihrem Rechte. Großbritannien. Holland. Amsterdam, 9. Juni. Bei der heute stattgefundeue» Procession aus den Reihen der Vereinsmilglieder weggebliebev! Deputirtcnwahl, erhielt G o d e f r o y, der bekannte frühere Justizware, und man würde darin schwerlich einen Mangel an Eifer! minister israelit. Religion, von 2130 gültigen Stimmen 1880. - für den Verein finden können, wenn er den katholischen Heiligj thümern seine Reverenz nicht gemacht hätte. Aber als unmittel-! barer Beamter der Synagoge hat er offenbar an seiner Pflicht j gefehlt. Fordert man schon von jedem Juden eine Zurückhaltung; London, 7. Juni. Sir Moses Montefiore, der ehrwürdige von jedem fremden Cuttus, um wie viel mehr von einem Syua-! neunzigjährige Greis will trotz seines hohen Alters noch einmal gogenbeamten. Der Tadel, den der Vereinsvorstand gegen den nach Jerusalem reisen und zwar in Begleitung des Dr. Löwe,' jüdischen Gemeindevorstand -loslaßt, und worin er von „Verj der schon so oft sein Reisegefährte war. Seine Absicht ist, brecher" und „abgeurtheilt" spricht, ist daher durchaus übertrieben 1 Pläne zur richtigen Verwendung der ihm als Testimonial ange- und anmaßend. Das Verhältniß des Mandel wird dadurch botenen Summe zu entwerfen, mit der ausgesprochenen Absicht, nicht gebessert. keine Almosen zu geben, sondern nur die Mittel darzubieten, durch Arbeit und Anstrengung einen genügenden Erwerb erzielen zu können. Viele seiner Freunde möchten Sir Moses von dieser : Reise und ihren Beschwerden zurückhalten, glauben aber nicht, Paris, 7. Juni. In der französischen Nationalversamm-! dies durchsetzen zu können. Um so warmer ist unser Wunsch lung wird jetzt das Gesetz über die Unternchtsfreiheit, wie es \ einer glücklichen Reise und Heimkehr für den edlen, hochgesinnten genannt wird, berathen. In der heutigen Sitzung wurde mit! Mann. Frankreich. I e u i 1 Die Handwerke bei den Juden vor der Zerstörung Jerusalems. Franz Delitzsch, der als gründlicher Kenner des jüdischen Schriftthums, ebenso wie durch seinen gründlichen christlichen Pietismus bekannt ist, dessen bedeutende Leistungen im elfteren seit 1836 wir hochanzuschlagen haben, wahrend feine theologischen Ansichten und Bestrebungen uns nicht zur Beurtheilung stehen, hat ein Heftchen unter dem Titel „Jüdisches Handwerkerleben zur Zeit Jesu" (Erlangen, Deichert 1875) yerausgegeben. Es besteht aus fünf Vorträgen, die er in einem „Leipziger Jünglingsverein" gehalten. Wie gesagt, die theologischen Ansichten, die er auch in diesem Schriftchen ausspricht. [(ton. die ganze pietistische Färbung, die er seinen Auseinandersetzungen giebt, scheiden wir von der Sache ab*), und bemerken gern, daß Delitzsch sich ein wohlwollendes Urtheil über die Juden auch hier bewahrt hat und nicht verbirgt. Aus Josephus, Talmud unv Midrasch stellt er in geschickter Gruppirung reiche Notizen zusammen, die kaum hier und da zu vermehren wären, um das *) Nur Eines wollen wir bemerken: Gegen Jmanuel Deutsch polemifirend sagt Delitzsch (S. 21. 23): „Es wäre nun ein Leichtes zu zeigen, daß das Wesen des Christenthnms nicht in Tugendlehreu, sondern in Heilsthatsachen besteht", und giebt zu, daß die „Moralien" leicht aus dem Talmud zusarnmenzustellen seien. Hier haben wir von einem tüchtigen Kenner des Judenthums das Zugeständnis daß die Moral des Christenthums nicht über die des JudenthumS hinausgeht, während doch sonst von christlicher Seite gerade von diesem Gesichtspunkte au« so hochfahrend über das Jndeuthum genrtheilt wird.

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