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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-22 · Heft 26 (22.6.1875) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 26 (22.6.1875)
Date
1875-06-22
Page
Seite 415 (sequence 9)
Language
German
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415 Hesammell. Der Bericht schließt mit folgender beherzenswercher ^Aufforderung: „Welche Opfer, Muhe und Zeitaufwand eine derartige Sammlung im Gefolge hat, wollen wir als überall bekannt nicht erst erwähnen, aber wir bitten einen großen Theil der Gemeinden, die mit ihren geringen Beiträgen denselben Standpunkt als vor dreißig Jahren innehalten, aus die doppelt gestiegene Preiserhöhung aller Bedürfniffe Rücksicht zu nehmen, und ihre Beiträge demgemäß zu erhöhen. Nur wenn wir in di es er Beziehung hinreichend unterstützt werden, können wir das schwere Werk auch dieses Jahr wieder aufnehmen, und in dem Bewußtsein, daß Gott jede gute That belehnt, hoffen wir, daß es nur dieser Andeutung bedurfte, uni der Erfüllung unserer Bitte versichert zu sein. Wir wenden uns daher wieder vertrauensvoll an die Wohllöblichen Vorstände jüdischer Gemeinden und WohlthLtigkeitsanstalten, sowie an wohlhabende und mildthätige Glaubensgenossen mit der oft wiederholten und stets erhörten Bitte: die hiesige Badearmen -Casse mit milden Beiträgen fernerhin zu unterstützen, und hoffen auch diesmal keine Fehlbitte zu thun." Oesterreich - Ungarn. Pest, 7. Juni. (Privatmitth.) T. Bekanntlich steht jetzt die Wahl eines neuen Abgeordnetenhauses in Ungarn bevor, und eine starke Wahlbewegung hat begonnen. Diese näher zu verfolgen, kann nicht die Aufgabe Ihrer Correspondenten sein. Doch will ich hier eines Zufalls gedenken, der gestern zwei jüdische Candidaten in unsrer Hauptstadt Ansprachen an die Wähler halten ließ, beide von wohlbekanntem Namen, die Herren Eduard Horn und Moritz Wahrmann. Der erstere, in der Theresienstadt als Candidat auftretend, hat es mit einem sehr gemischten Auditorium zu thun, fand jedoch bei seinem Rufe als Nationalökonom aufmerksames Gehör, da er besonders die finanzielle Lage Ungarns zum Gegenstände seiner Erörterung machte. Da er — der ehemalige jüdische Theologe und politische Flüchtling von 1849 — jetzt Unterstaatssecrctär im Handelsministerium ist, auch an den Verhandlungen mit Oesterreich über den neuen Zollvertrag theilzunehmen bestimmt ist, so hatten seine Auslaffungen einen besonderen Werth. Herr Moritz Wahrmann dagegen, sprach besonders von der Lage der ungarischen Industrie, die er genau kennt. Man wird sich nicht wundern, daß gerade diese Gegenstände den Inhalt der Wahlreden ausmachen, da sie mehr als jemals gegenwärtig den Angelpunkt bilden, um welchen die Zukunft Ungarns sich dreht. Beide Candidaten haben viel Aussicht, wiedergewählt zu werden. Wien, im Juni. (Privatmitth.) Bei den traurigen Folgen des großen finanziellen und industriellen Krachs wird jetzt natürlich viel über deffen Ursachen von der Oberfläche weg und wie sie tiefer liegen, raisonnirt und docirl. Man frägt: Wer hat diese unselige Ent- und Verwickelung verschuldet? Wie immer, hält man sich dabei an ganz besonders hervortretende Momente und vorzugsweise an solche Parteien, die einen breiten Rücken haben und stets zu Prügelknaben dienen. Wenn man nun die Beenge der Schuldigen derer, welche theils durch das Strafgericht, rhcils durch Flucht oder Selbstmord als Schuldige bezeichnet werden, durchmustert: so verwundert man sich über die große Zahl der Betitelten, mit mehr oder weniger hohen Orden Beehrten und Geadelten, die sich darunter befinden. Eine gleiche Erscheinung gewahrt man auch unter denen, welche sich aus dem Strudel gerettet oder von ihm nicht ergriffen worden, und denen man doch den Vorwurf, Urheber und Träger des Gründerschwindels gewesen zu sein, mit Fug und Recht macht. Muß man da nicht sagen, daß die resp. Sraatsregierungen nicht geringe Verschuldung an der ganzen Ealamität tragen, da sie die zweideutigsten Adencheurer, sobald sie durch glückliche Coups sich zur Höhe geschwungen, gewisse Dienste leisteten, oder einige bedeutende Spenden für öffentliche Anstalten machten, mit Titeln, Orden und Aoelsviplomen überschütteten? Haben sie dadurch der ganzen Richtung nicht gewissermaßen eine Sanction verliehen? dem Publikum die Augen noch mehr geblendet, und die Habgier in Verbindung mit dem Ehrgeiz noch mehr entflammt? Wenn sie jetzt das Aergerniß ertragen müssen, viele dieser betitelten und besternten Günstlinge der Schande verfallen zu sehen, so ist dies nur eine geringe Strafe für die argen politischen und moralischen Fehler, die sie hierin begingen. Sie haben zugleich die Monarchen verleitet, den Glanz ihrer hohen Orden und cen Werch achtunggebietender Titel, die als Lohn für wahrhafte Verdienste nicht unterschätzt werden sollten, herabgesetzt zu haben. Wenn dies auch in anderen Staaten geschehen, so trifft es doch namentlich für Oesterreich;u, und ich glaube daher, dieses üble Moment von hier aus hervorheben zu dürfen, um damit zum Bewußtsein zu bringen, daß nicht einseitig auf eine Claffe Menschen der ganze Tadel, die ganze Beschuldigung gehäuft werden dürfe, wo sich so Biele zu Mitschuldigen gemacht. Sollte es der Fall sein, daß aus der Erfahrung Lehren geschöpft werden, so muß diese Erfahrung nach allen Seiten hin ausgedehnt werden, weil ste sonst nicht alle wichtigen Punkte treffen würde. Austerlitz, 3. Juni. Die öffentlichen Blätter enthalten folgende Mittheilung: „In der mährischen Gemeinde Austerlitz rückte bei Gelegenheit der Procession am Frohnleichnamsfeste, den 27. Mai, der Erzherzog-Karl-Ferdinand-Miltär-Vetcranen- Verein zu dieser Feierlichkeit aus. Bei demselben befand sich auch der Tempeldiener der austerlitzer israelitischen Eullusgemcince, der beim Verein die Stelle eines AusschußmitglieecS inne hat. In dieser Handlung fand die Vertretung der Jsraelitengemeinde einen solchen Religionsfehler, daß gleich am selben Nachmittage eine Sitzung abgehalten, der „Schuldige" vorgerufen und ihm bedeutet wurde, er dürfe 11 Tage keine Dienstleistung verrichten: 2ß

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