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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-22 · Heft 26 (22.6.1875) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 26 (22.6.1875)
Date
1875-06-22
Page
Seite 412 (sequence 6)
Language
German
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412 Die Leiche wurde sodann unter Begleitung einer außerordentlich zahlreichen Wagen- und Menschenmenge nach dem israelitischen Friedhofe verbracht, wo abermals vr. Perles und nach ihm der kgl. Notar vr. Hausmann beredte Worte am Grabe sprachen. Ein ergreifender Choral schloß die Feier, an welcher sich hervorragende Männer aus allen Berufsclassen beiheiligten. Der erste Bürgermeister Vr. Erhardt und der königl. Polizeirath Pflister wohnten dem Leichenbegängnisse vom Anfang bis zum Ende an. Fürth, 7. Juni. (Privatmittheil.) Bei der heute Vorgenommenen Wahl eines Rabbiners wurde der von der israelit. Cultus-Reprasentanz in Vorschlag gebrachte bisherige Verweser, Herr Dr. Neubürger, von 627 Wahlfiimmberechtigten, von denen sich 440, also 70 Procent, betheiligten, mit 440 Stimmen auf vier Jahre gewählt. Das Wahlresultat ist in Anbetracht der eigenthümlichen Constellation der hiesigen Gemeinde und der Abwesenheit oder Unpäßlichkeit vieler Wähler, die dadurch zu wählen verhindert waren, ein für den Gewählten höchst ehrenvolles und zeugt einerseits von der Beliebtheit NeubürgerS bei allen Parteien, sowie andrerseits von der kürzlich auch in Ihrer gesch. Zeitung erwähnten Versöhnung zwischen der orthodoxen und neologen Partei und der trotz der feindlichen Religionsparteischaft dennoch vorhandenen Stärke in der Einheit der hies. Gemeinde. Herr Doctor Jacob Immanuel Neubürger, Sohn des verlebten Lehrers Salomon Neubürgers, geboren zu Dettingen im Ries (Bayern», am 12. April 1847, besuchte die Lateinschule daselbst, die Gymnasien zu Würzburg und Mainz, bezog dann die Universität zu Berlin, Breslau und Halle, von welch' letzterer er rite zum Doctor der Philosophie promovirt wurde. Seine theologischen Studien begann 9!. ebenfalls in Dettingen und zwar unter Leitung seines Vaters, setzte dieselben in Würzburg und Mainz fort, srequentirte dann das Beth-Hamidrasch zu Berlin und das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, von welch' letzterer Anstalt er nach Lösung einer Preisftage die Morenu erhielt. Die Staatsprüfung absolvirte er in Augsburg. Im Januar 1571 wurde er aus Vorschlag des verstorbenen Oberrabbiners vr. Löwy demselben als Substitut von der hiesigen Cultusgemeinde beigegeben und nach dem Tode des ersteren wurde 9k. von letzterer am 28. December 1573 als Rabbinatsverweser aufgestellt. Bon seinen wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der semitischen Philologie und der jüv. Religionskunde und Geschichte, sind in der von Frankel und Grätz redigirten Monatsschrift einige abgedruckt, und von seinen gediegenen Predigten sind zwei bei der Einführung der Orgel in hies. Hauptsynagoge gehaltene (Fürth, Löwensohn, 1873), sowie die Gedachtnißrede auf das Hinscheiden vr. Löwy's (Fürth, Schröder, 1575) veröffentlicht. Wir wünschen schließlich, daß es Herrn Vr. Neubürger, deffen religiöse Richtung sehr gemäßigt ist, und der zur Aufgabe sich stellt, die Lehren und Forderungen der jüd. Religion mit dem Zeirbewußtsein und den Verhältnisien der Gegenwart in Einklang zu bringen, in Anbetracht des großen Wirkungskreisebei einer Zahl von über 3000 Seelen in unsrer alten Gemeinde, in welcher durch die geistliche Leitung seines unvergeßlichen Vorgängers der lichtvollen Richtung längst der Weg gebahnt, gelingen möge, auch ferner den Geist wahrer Gottesfurcht und echter Frömmigkeit zu erhallen. Berlin, 7. Juni. Sie haben in Nr. 20 einen Artikel aus der zu Baltimore erscheinenden „Katholischen Volkszeitung, Wochenblatt im Interesse der Kirche" gebracht, in welchem die schmählichste Hetzerei gegen die Juden losgelasien worden. Jetzt hat sich eine angemessene Illustration zur Charakterisirung dieses katholischen Blattes, das der deutschen Nation und Sprache zu so großer Schmach gereicht, ergeben. Neuerdings ist aus Baltimore selbst eine mit 673 Unterschriften dortiger Deutschen versehene Adresse an den Reichskanzler Fürsten Bismarck eingegangen, welche mit der äußersten Entrüstung dieses ultramontane Blatt und dessen reichsfeindliche Tendenz zuröckweist. Sie erkennen „mit Bedauern, daß in ihrer neuen Heimath die Freiheit der Presse von den Feinden deutscher Cultur und deutscher Einheit gemißbraucht wird, um Haß und Verachtung gegen alle diejenigen zu erregen, welche entweder durch ihre Weisheit, ihre ritterliche Tapferkeit oder ihre hohen Tugenden dazu beigetragen, dem deutschen Namen einen nie erreichten Glanz zu verleihen." Sie brandmarken die gleißnerische Maske der Religiosität dieses Blattes, das „seine Aufgabe auf die aller ekelhafteste, jede sittliche Rücksicht bei Seite setzende Weise verfolgt." Sie weisen nach, zu welchen Mitteln der Niedertracht die Feinde deutscher Größe, deusscher Einheit, deutscher Cultur und deutscher Freiheit zu greifen sich nicht scheuen u. s. w." — Man sieht also, aus welchen Helden unsre Gegner bestehen, und die Gesellschaft, in der sie uns angreifen, vermag uns leicht über die „Niedertracht" zu trösten, die sie auch gegen uns mit allen Mitteln erweisen. Wir sind es auch der Nachwelt schuldig, darzuthun, wie die gegenwärtigen Vorkämpfer der katholischen Kirche gegen uns gerade so wie gegen Alles, was Großes und Bedeutendes in der Jetztzeit besteht, mit Lug und Trug losstürmen. Lauferöweiler (Rheinl.), 4. Juni. (Privatm.) Angeregt durch die Correspondenz aus Laasphe in Nr. 23 Ihrer gesch. Zig. erlaube ich mir, Ihnen denselben Fall von hier mitzutheilen: Hier ist ein junger evangel. Lehrer, der im Herbste 1573 feinen sechswöchentlichen Dienst abzurienen hatte. Seine Schule wurde damals von einem benachbarten evangel. Lehrer verwaltet. In hiesigem Orte befindet sich noch eine katholische und eine jüdische Schule. Ende Mai d. I. mußte der evangel. Lehrer zur Schießübung. 9kun ftagte es sich, wer wird die Schule verwalten? Unser Herr Bürgermeister schlug des Kostenpunktes wegen den kathol. Lehrer vor; die Verwaltung wird aus dem Gemeindesäckel extta vergütet. Da nun der kathol. Lehrer von der Civil-Gemeinde besoldet wird, hatte er es umsonst thun müssen. Der Herr Kreisschulinspector

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