Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 25 (15.6.1875)
- Date
- 1875-06-15
- Page
- Seite 398 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 1× ep/1048048
- Tlemcen 1× ep/1048142
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398 die Stadt muß dem mit diesem Unterrichte beauftragten Rabbiner die Besoldung zahlen. — Für die jüdische Volksküche wurden im Jahre 1874 ausgegeben 17,479 Francs; es wurden vertheilt 114,632 Portionen. Die Karte für eine Portion, die aus guter Bouillon und aus Hülsenfrüchten oder Fleisch besteht, und jeden Tag, sowie zu jeder Stunde des Tages abgegeben wird, kostet 10 Centimes, wird aber auch vielfach umsonst ertheilt. Man geht mit der größten Delicatefse um, damit sich Niemand scheue, die Anstalt zu benutzen. Keine anderweitige Volksküche in Paris kann sich in allen diesen Beziehungen mit der jüdischen mesien. Man kann sich mit Recht sagen, daß Niemand in Paris Hunger zu sterben brauche. — Aus Algerien meldet man zwei entgegengesetzte Vorgänge. In Blidah besuchten die jüdischen Kinder bis jetzt die gemischte Schule am?I:,ce d'armes. An einem Tage verließen sie sämmtlich diese Schule, um in Masie zur Schule der freres ignoreniins einzutreten. Das dortige Journal erklärt diese auffällige Erscheinung, daß die Juden ihre Kinder zu den geistlichen Ordensbrüdern zu schicken, vorziehen, daraus, daß jene vor Allem ihre Kinder unterrichtet zu sehen wünschen, was sie in der gemischten Schule nicht zu erreichen scheinen. Im Gegensatz berichtet der Courricr de Tlemcen, daß in voriger Woche der Großrabbiner Charleville und Herr Kanon, der Präsident des Consistoriums von Oran, Tlemcen besuchten und erstaunt waren, daß die Juden ihre Kinder zu dem gedachten Orden in die Schule schickten, wo ihnen gelehrt wird, daß die katholische Religion die einzig wahre sei und wo die Kinder sich auf die Knien werfen, das Zeichen des Kreuzes machen und die Kirchenlieder mitsingen. Der Großrabbiner hielt darauf eine ergreifende Predigt über diesen Gegenstand in der großen Synagoge, und am felgenden Tage nahmen sämmtliche Juden ihre Kinder aus den Schulen der Brüder und Schwestern heraus, und schicken sie seitdem theils in die Laienschulen der Stadt, theils in die französische jüdische Schule. — Die Wittwe von Michel-Levy hat aus der Hinterlaffenschaft ihres Mannes 32,372 Frcs. zu wohlthätigen Zwecken gespendet, wovon 10,272 Francs auf Sparcaffenbücher für die besten Schüler der Schulen des ersten Arrondiffements ohne Berücksichtigung der Religion verwendet werden, der Rest jüdischen Anstalten zu Gute kommt. — In Folge der obenerwähnten Antwort des Consistoriums von Paris haben sich die Israeliten des portugiesischen Ritus am 24. Mai als einen bürgerlichen Verein constituirt, und als solcher ein Grundstück für 205,900 Francs erworben, um eine Synagoge darauf zu bauen. Die Mitglieder haben selbstverständlich nur auf die Gaben und Darlehen Einzelner zu rechnen. Wenn sich nun hierin einerseits das unverwüstliche Absonderungsgelüste in unsren Glaubensgenoffen abermals bewährt, so giebt doch dieser Vorgang andererseits ein Zeugniß für die religiöse Lebenskraft, das in unsrer Zeit nicht zu unterschätzen ist. — Abermals haben zwei Officiere jüdischer Religion höhere Grade erlangt. Herr Moch, Bataillonschef in der Infanterie, wurde zum Oberstlieutenant des 103ten Linienregiments, Herr Lippmann, Capitän im 13ten Artillerieregintent zum Schwadronschef ernannt. Wir führen dies an, nicht ohne einen Seitenblick auf die Armeen anderer Nationen, in welchen den Juden ein solches Aufsteigen im Officiersrange noch immer vorenthalten wird.' — Aus Bordeaux meldet man, daß einige junge Leute seit einiger Zeit den Rabbiner bei seinem Borübergehen angriffen und Steine in die Fenster der Synagoge warfen. Vier derselben wurden auf frischer That ertappt und sehen ihrer gerechten Strafe entgegen. Italien. Casale, im Mai. Der hier erscheinende Vessillio isr. meldet, daß die Gründung eines Rabbinerseminars in Rom auf gutem Wege sei. — Auf 16 Studenten der Universität zu Rom, welche in diesem Jahre Staatsunterstützung erhalten, um ihre Studien im Auslande zu vervollständigen, kommen diesmal vier Israeliten: der eine, um in Berlin und Jnsbruck seine Rechtsstudien zu vollenden, 3000 Francs, der andere zum Studium der Physiologie in Leipzig, 3000 Francs, der dritte in Konstantinopcl sich der türkischen Sprache mächtig zu machen, 2000 Frcs., und der vierte in Pisa (?) seine physikalischen Studien fortzuführen. 1000 Francs. Rußland. St. Petersburg, 24. Mai. (Privatmitth.) lVorbemerkung der Redaction. Wenn wir im folgenden Artikel einen uns längst bewährten Correspondenten in die ausführlichen Einzelheiten über ein Individuum eingehen laffen, so wird dies durch die Lage der Dinge in Rußland gerechtfertigt. Seit längerer Zeit bringt der einflußreiche „Golos^ die schmählichsten Artikel gegen die Juden mit der ausgesprochenen Absicht, die Gesetzgebung, welche sich mit der Berbefferung des Loses der russischen Juden beschäftigt, zu behindern und zu verwirren. Der Sprecher des „Golos" gegen die Juden war aber der Mensch, von welchem hier die Rede ist. Weiteres werden wir in einem nächsten Artikel bringen.) Die hiesige Tagespreffe berichtet über einen von einem gewiffen Albert Kowner verübten Betrug, indem er als Correspondent der hiesigen Disconto-Bank die Möglichkeit hatte, Anweisungen und Aviso zu fälschen, wodurch er am 28. April (11. Mai) auf Ordre der erwähnten Bank 168,000 Rubel in der Moskauer Commerz-Bank erhalten und zusammen mir seinem Mitschuldigen «seinem Onkel) Herz Bujarin sich aus dem Staube gemacht und von einer Station der Moskau-Kursker-Eisenbahn einen Brief an den Director der Disconto-Bank ablaufen ließ, in welchem er seine Bravour anzeigt und versichert, man würde auf seine Spur nicht kommen. Jndeffen sind alle energischen Maßregeln getroffen worden, wodurch er auch am 8. (20.) Mai