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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-15 · Heft 25 (15.6.1875) · p. Seite 397

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 25 (15.6.1875)
Date
1875-06-15
Page
Seite 397 (sequence 7)
Language
German
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397 lasse» und will daffelbe zur Einführung bringen. Es muß also dieses Lesebuch alles specifisch Confessionelle beseitigt haben, und insofern haben es die Juden darum freudig zu begrüßen, weil ihre, die öffentlichen Schulen besuchenden Kinder das confessionell Christliche in den Lesebüchern mitklehmen mußten. Seit längerer Zeit giebt es auch Lesebücher für jüdische Schulen; aber sie waren doch nur innerhalb der letzteren in Gebrauch. — Anderen Mittheilungen zufolge ist es nicht die Absicht des Cultusministeriums ein Lesebuch für die gesammte Volksschule herauszugeben und einzuführen, sondern nur aus den vorhandenen das allzuschroffe Confessionelle beseitigen zu lasten, diese überhaupt einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Uebrigens bringt die immer wachsende Verbreitung der confessionslosen und der Simultanschulen schon von selbst das Bedürfniß mit sich, Lesebücher einzuführen, welche diesem Charakter der Schulen entsprechen. —. Ueber die Feierlichkeit am Grabe Geiger's haben wir noch Folgendes nachzuholen: Am 24. Vormittags fand auf dem iSraelit. Friedhofe unter besonderer Feierlichkeit, in Gegenwart der Angehörigen, des Vorstandes und vieler Gemeinremitglieder, die Enthüllung des Denkmals des verstorbenen Rabbiners Di-. Abraham Geiger statt. Nach einer Predigt des Rabbiners l»>. Aub fiel die Umhüllung, und es zeigte sich das mit Blumen geschmückte Denkmal. Hierauf folgte noch eine Rede des Predigers Herrn Di*. Ungerleider, mit welcher die Feierlichkeit schloß. Das Denkmal besteht aus einem hohen schwarzen, polirten Granit- Obelisk, welcher zur Unterlage einen Felsen hat. Auö Bayern, 8. Juni. (Privatmitth.) Am 4. d. wurde der am 2. verstorbene emerit. Rabbiner, Herr Hirsch Aub in München begraben. — Am 7. d. wurde in Fürth der bisherige Rabbinatsverweser, Herr Dr. Neubürger, mit großer Majorität zum Rabbiner gewählt. tUeber Beides in nächster Nummer Näheres. Redaction.) Oesterreich-Ungarn. Lemberg, 4. Juni. iPrivatm.» Der Artikel aus Lemberg in Nr. 22 d. Bl. war sehr vielen hiesigen Israeliten aus dem Herzen geschrieben, machte noch Mehrere aus die Gefahren aufmerksam, welche wir durch die Wahl des Hirsch Arnstein zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde laufen und stärkte den Widerstand, der gegen diese Wahl sich erhoben hat. Mit Recht hebt dieser Artikel hervor, daß es sich hierbei viel weniger um eine Prinzipienfrage, um die Frage, ob orthodox oder reformistisch, als um eine moralische und Personenfraze handelt. Wir wollen keinen Zeloten; daS Rabbinat mag immerhin der Vertreter der conservativen, ja der streng orthodoxen Partei sein; aber es soll nicht intolerant, culturfeindlich, hierarchisch herrschsüchtig sein! Wir wollen mit ihm auskommen können, nicht aber Tag für Tag mit ihm in Fehde liegen; wir wollen Frieden haben, der kann aber nur bestehen, wenn man der naturgemäßen Entwickelung keine gehässigen Hindernisse schafft. Der Strom soll regelmäßig stießen, und ihn kein künstlicher Damm entgegengcstellt werden, hinter welchem das Wasser sich ausstaut und das Land überschwemmt. Aber noch mehr, wir wollen, daß der sittliche Ruf unsres Rabbinatö ein reiner, makelloser sei. Von welcher Bedeutung dies für die galizischen Zustände ist, kann nur der beurtheilen, welcher diese genau kennt. Das Vorbild, das Bewußtsein, in sittlichen Dingen einen strengen Richter und Mahner in dem Rabbinate der Provinzialhauptstadt zu haben, oder das Gegentheil, ist von außerordentlichem Einflüsse. Wenn in dem erwähnten Artikel auf eine traurige Erinnerung der hiesigen Gemeinde angespielt wird, so kann nur dem Auslande zweifelhaft sein, welcher düsterer Vorgang damit gemeint sei, und welche Beziehung derselbe zur Gegenwart habe. Es ist der durch Gift herbeigeführte Tod des ersten hierländischen wissenschaftlichen Predigers, des sel. Rabbiners Abraham Kohn. Wie dessen Andenken unvergessen ist, weil dieser Mann neben seiner Religiosität auch die Humanität und Duldsamkeit selbst war, so ist es auch sein Tod, der durch heimlich beigebrachtes Gift aus Zelotenhand bewerkstelligt wurde. Es sind also weder Parteinoch Privatinteressen, welche uns diesmal kämpfen lassen, und um so mehr glauben wir eine allgemeine Theilnahme beanspruchen zu können. Frankreich. Paris, l. Juni. (Nach den Ardi. ist-.» Das Consistorium von Paris hat wiederum einen Bericht aus dem ersten Quartal des Jahres 1875 veröffentlicht, und heben wir die interessanten Punkte hervor. Die jüdischen Begräbnißplätze von Paris sind in jüngster Zeit schlecht unterhalten, und das Consistorium beschließt, bei der zuständigen Behörde einzuschreiten, um eine bessere Instandhaltung zu erwirken. — Die portugiesische Gemeinde gab in einer Zuschrift zu erkennen, daß sie zur Erbauung einer besonderen Synagoge eine Anleihe von 40o,ooo Francs machen wolle, und fordert hierzu vom Consistorium, daß es diesen Plan unter seinen Schutz nehme und dessen Ausführung befördere. Das Consistorium bemerkt in seiner abschlägigen Antwort, daß die portugiesische Gemeinschaft keine besondere Gemeinde bilde, sondern zur Pariser Gemeinde gehöre, daß das Consistorium unter Beobachtung der strengsten Vorsicht die Verschmelzung beider Riten angestrebt, bei den Portugiesen aber nur vollständige Abwehr gefunden habe, daß es dem Consistorium gesetzlich nicht zustehe, eine Anleihe zu bewirken, sondern dies nur durch ein vom Staatsrathe genehmigtes Decret geschehen könne. — Das Rabbmerseminar in Paris erfordert im Jahre 1875 eine Ausgabe von 41,550 Francs, der Staat giebt für daffelbe nur 32,000 Francs, das Mehr muß vom Consistorium beschafft werden. — Der Seinepräfecl hat befohlen, für die jüd. Schüler der Schulen Turgot, Colbert und Lavoisier einen Eursus des Religionsunterrichtes in der Schule Turgot zu organisiren, und

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