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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-15 · Heft 25 (15.6.1875) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 25 (15.6.1875)
Date
1875-06-15
Page
Seite 395 (sequence 5)
Language
German
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395 Wegnehmen einer bestimmten Anzahl von Brodkuchen und zwar unmittelbar im Heiligthume. Schon die Anzahl der Brode deutet auf die zwölf Stamme Israels, und zwar in zwei Schichten zu je sechs, wie die zwölf Edelsteine im Brustschilde des Hohen- . Priesters und die eingegrabenen Namen von je sechs Stammen auf jedem der beiden Steine auf den beiden Schultern desselben. Daß also hier das Volk Israel der Gegenstand des symbolischen Actes ist, ergiebt sich von selbst. Jedenfalls aber muß man sich hüten, hier einen groben Anthropomorphismus in einen Cultus hineinzutragen, der den unkörperlichen, gestaltlosen Gott zum Inhalte hat, also die Schaubrode als „Tafelbrod", Opfer der Dankbarkeit u. dgl. anzusehen. Richtig sah man ein, daß man den ganzen Werth auf die richtige Erklärung der besonderen Bezeichnung u'zzr, artb <2 Mos. 25, 30. 35, 13. 39, 30. 1 Sam. 21, 6. 7. 1 Kön. 7, 48. 2 Chron. 4, 19) legen müsse. Welche ist aber die richtige?*) Was heißt b^e, wenn es von Gott gebraucht wird? 2 Mos. 33, 13 bittet rer beunruhigte Moses, um der Gnade Gottes für Israel sicher zu werden, mache mir doch Deine Wege bekannt, daß ich Dich erkenne", und die Antwort lautet ~\b \nn’:m ■ob’* :c d. h. „ich gebe Dir die Versicherung, daß mein B'ee mit Dir geht, und ich Dich so zur Ruhe leite". Da nun Moses damit noch nicht ganz beruhigt ist, weist ihn Gott B. 20 ab, er könne Götres a-:s nicht sehen, denn dann müsse er Gott ganz schauen, und dies vermag kein lebender Mensch, bts ist hier offenbar „die unmittelbare Führung Gottes", die mit Moses und den Israeliten sein, und sie zur Ruhe führen soll, die aber selbst Moses ganz in ihren Ursachen und Wirkungen zu durchschauen als Mensch nicht vermag. Ferner 3 Mos. 20, 2 ff. werden Verbrechen aufgezählt, die mit dem Tode bestraft werden sollen, ließe sie aber *) Man erklärte a^IETT anb „das vor Gott gelegte Brod", entweder um von Gott als Opfer der Dankbarkeit für den Lcbensunterhalt oder gar als Schauesten für den „König angeschaur;u werden. Aber es kann nicht „vor Gott gelegtes Brod" heißen, da ja -na ':sb a-dE ausdrücklich stehr und auch der Tisch E-iEn ",nbw 4 Mos. 4, 7 heißt, dann aber alle Gcrärhe des Hcitiglhums so beißen müßten. Bahr suchte daher einen anderen Weg, indem er ar>E als das Angesicht GotteS mit „Gott selbst, indem er sich;u erkennen giebt und geschaut werden kann" erklärt, und p'-B an? „das l.'ebensmitel, durch das man zum Schauen Gottes kömmt", und cs nun als Himmelsbrod durch weil hergebolte Combinationcn von Psalm- und neutestamcntlichen Stellen zum Mittet der Seligkeit macht. Die einfachste Widerlegung dieser viel zu complicirten Deutung kann man darin geben, daß, wenn a^E „Gott, inwiefern er geschaut werden kann", bedeuten soll, 33, 20 nicht gesagt werden könnte: bain sb -:a ns nsnb „Du kannst mein Antlitz nicht schauen", also gerade Gottes a’as kann nicht geschaut werden? Damit fällt der E elftem der Bähr'schen Deutung weg, also das ganze eombinirte Bauwerk zu fammen. Und wenn a'EE anb das Mittel, durch festen Genuß man schauen kann, reprasentiren soll, warum ist ganz Israel von diesem Genuste ausgefchlosten, und cs nur den Priestern gestattet'? Endlich ist das Verzehren der weggenommenen Brode von gar keiner Bedeutung und völlig gleichgültig in diesem ganzen symbolischen Aete, sondern nur ein Vermerk über das Verbleiben des Brodes, nachdem es lernen Zwecke gedient hat. das Volk unbestraft, so sagt Gott: a^sa ":e ns *as teci '■ist sinn d. h. so wird Gott durch die unmittelbare Führung seines Schicksals den Verbrecher ausrotten lasten. In dem Priestersegen 4 Mos. 0, 24 ff. heißt es: >21 '71 so". Der Friede wird also dadurch, daß Gott sein e^e , d. h. seine besondere unmittelbare Führung, zuwendet. Genug, mit dem a-:s Gottes ist immer der Begriff der besonder», unmittelbaren Führung Gottes verbunden. Aus dieser Israel verheißenen Führung kann es am ehesten die Ueberzeugung von Gott und seiner Offenbarung schöpfen, und je glänzender jene sich bewährte, desto gewiffer wird ihm diese sein, und seinen Geist und Willen sich unterthan machen. Das Ziel dieser unmittelbaren Führung Israels durch Gott wird aber oft genug sowohl in dem Erwerb des Landes, wo Milch und Honig fließt, als auch im besten materiellen Wohlstände (f. z. B. 2 Mos. 23, 20 ff.) zugesagt, welcher durch reichen Ertrag des Landes, Früh- und Spälregen, ungehinderte Vermehrung, hohes Alter ff. sich bemerklich machen sollte. Als Repräsentant dieses materiellen Wohlstandes kann aber füglich das anb „Brod, Speise, Lebensunterhalt" dienen, welches in reichlichem Maße in jenen Zeiten der Einfachheit den wesentlichsten Bestandtheil des Wohlbefindens ausmachte. Somit ist a-BEn anb das Brod der Führung Gottes, d. i. der durch Gottes unmittelbare Führung hervorgebrachte Wohlstand, in welchem sich aber wieder Gottes unmittelbare Führung kund thut, so daß aus derselben die Ueberzeugung der Wahrhaftigkeit Gottes und seiner Offenbarung in Israel entspringt und gefördert wird. So schließt dieses „Brod des Angesichts" von Seiten Gottes die mit der Offenbarung verbundene unmittelbare göttliche Führung, und von Seiten Israels Cas-isr ":a nsa 3 Mos. 24, 8) den durch Gottes unmittelbare Führung hervorgebrachten, und in Heiligkeit zu genießenden Wohlstand ein. Deshalb muß dieses Brod auch T^n ununterbrochen im Heiligrhume liegen; darum ist auch dieses ein abir n*na, denn diese göttliche Führung ward schon dem Abraham verheißen und soll sich aus alle Zeilen erstrecken; deshalb ist die Zahl der Brode zwölf, weil sie das ganze Israel umfaßt. Hieraus ist erwiesen, daß der Leuchter mit seinen immer brennenden Lampen die aus der Offenbarung fließende Erkenntniß, welche Israel geistig und sittlich erleuchtet, und der Schaubrovtisch niit seinen immer darausliegenden Brcden die unmittelbare göttliche Führung, die si ch an die Offenbarung knüpft, symbolisch ausdrückt. lFortsetzung folgt.)

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