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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-15 · Heft 25 (15.6.1875) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 25 (15.6.1875)
Date
1875-06-15
Page
Seite 394 (sequence 4)
Language
German
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394 Der Leuchter baute sich folgendermaßen auf :* *) zuerst das Postament, dann ein Kelch, ein Apfel, aus dem sich das unterste Armpaar erhob; dann der zweite Kelch, der zweite Apfel, aus dem das zweite Armpaar, der dritte Kelch, der dritte Apfel aus dem das dritte Armpaar; nun der vierte Kelch, der vierte Apfel, eine Blume (4 Mos. 8, 4), und auf die Blume wurde die Lampe gesetzt; an jedem Arme waren drei Kelche, und darüber ein Apfel und eine Blume.**) Der Leuchter stand auf der Seite nahe vor dem Vorhänge des Allerheiligsten. Ihn zu speisen, wurde ein kostbares Oel verwendet, deffen Bereitung hier übergangen werden kann. Er sollte als „beständige Leuchte" ununterbrochen brennen, und zu diesem Zwecke am Morgen und am Abend von den Priestern zugerichtet werden. Auf der anderen Seite im Heiligthume stand der Schaubrodtisch. Er war aus Akazienholz, mit Gold überzogen, die Tischplatte 2 Ellen lang und 1 Elle breit, der ganze l*/2 Elle hoch mit 4 Füßen; um den Tisch lief eine handbreite Leiste, ti) und um diese Leiste wieder ein goldener Kranz; unter der Leiste an den vier Ecken der vier Füße wieder vier goldene Ringe zu Behältern der aus Akazienholz gefertigten und mit Gold überzogenen Tragstangen. Auf diesem Tische lag nun das o':s nnb „Schaubrod", nämlich 12 Brodkuchen aus feinstem Mehle, ttt) welche in zwei Schichten, jede zu 6 Broden aus den Tisch gestellt wurden, aus jeder Schicht eine Haudvoll reinen Weihrauch. An jedem Sabbalh wurden neue Brode hingelegt, die alten weggenommen, um am heiligen Orte von den Priestern verzehrt zu werden, und der Weihrauch wurde als Feueropfer verbrannt. Welches war nun die Bedeutung dieser beiden Symbole, des Leuchters und des Schaubrodtisches? Denn daß die Bedeutung des Leuchters weil über den Zweck, das Heiligthum zu erleuchten, hinausging, ist schon daraus ersichtlich, daß die sieben Lämpchen nahe vor dem hinteren Vorhang einen Raum von 4 Mos. 8, 2. 3 durch bi/2 8rr erklärt wird, daß immer eine parallele Richtung mit der die der verglichene Gegenstand hat, anzeigt (2os. 8, 33. l Kön. ", 5), spricht sür unsere Ansicht. *) Ueber die Anzahl der Blumen hat man viel gestritten. Die Tradition erscheint uns die richtigste Ansicht anzugeben, wie der Singular Vers 33 dem genauen rrsbo gegenüber erweist. Noch schlagender ist die bis jetzt ganz übersehene -stelle 4 Mos. 8, 4, wo es heißt, der Leuchter sei ganz von Golde, von getriebener Arbeit nr.-s ir nsr , wo also ms dem "P', d. i. dem Postamente gegenübertritt, um den ganzen Leuchter zu bezeichnen. **) Ueber die Höhe des Leuchters sagt der Text nichts, die Trad. giebt sie aus 3 Ellen an. Andere wollen sie der des Tisches Ellen) gleich erachten, wosür die bloße Symmetrie lein genügender Grund. Auch aus dem Gewichte, einem Kikar reinen Goldes (30 Zollpsund, 17 Neuloch nach Herzseld), kann auf die Große nicht füglich geschlossen werden. t) Josephus berichtet, am Tage hätten drei, in der Nacht alle sieben Lampen gebrannt, wosür im Texte kein Anhalt. tt) Am einfachsten nimmt man die Leiste nach Succ. 5, l gleich unter der Tischplatte zur Verbindung der Füße miteinander und daß die Tischplatte daraus liege, an. Der goldene Kranz hielt wieder die Wände der Leiste zusammen, und grenzte die Form künstlerisch ab- " ttt) Die Beschaffenheit und Gestalt der Brode wird ausführlich erörtert Mcnachoth 00, l st. Maim. Hilch. Temidin Umuß. V. über 40 Fuß Länge, über 20 Fuß Breite und über 20 Fuß Höhe nur spärlich erhellen konnten, so wie daß die Lampen auch des Nachts brenne» mußten, wo Niemand das Heiligthum betrat. Und doch liegt gerade hierauf der Hauption, und viermal wird nachdrücklich vorgeschrieben, daß es eine „beständige Leuchte" sein solle.*) Wir haben schon oben bemerkt, daß die beiden Symbole des Heiligthums die Ausströmungen der göttlichen Offenbarung von deren Stätte (der h. Lade) aus auf Israel, die Einwirkungen derselben auf und in Israel versinnbildlichen sollten. Was wird nun in der heil. Schrift mit dem Lichte am öftersten versinnbildlicht? Nichts Anderes als die Er kennt» iß, namentlich die Erkenntniß der Offenbarung. Licht und Erkenntniß werden sehr häufig synonym gebraucht; z. B. Jes. 2, 5: „Laßt uns wandeln im Lichte des Ewigen." Ps. 36, 10: „In Deinem Lichte schauen wir Licht." 19, 9: „Das Gebot des Ewigen erleuchtet die Augen." 119, 105: ,,£) welche Leuchte ist meinem Fuß Tein Wort, und meinem Pfade Licht!" Spr. Sal. 6, 23: „Denn Leuchte ist Gebot, und Lehre Licht", und öfter. Nur durch die Erkenntniß wird die Offenbarung gefaßt unv im Menschen zur Wirkung erhoben. Die Offenbarung sollte durch die Erkenntniß aus den Menschen Einfluß üben, seinem Geiste die richtigen Vorstellungen geben, ihn zur Erfüllung des göttlichen Willens leiten und heiligen. Dieser Erkenntniß Symbol war der Leuchter im Heiligthume. Ununterbrochen sollte er brennen, wie die aus der Offenbarung strahlende Erkenntniß in Israel niemals erlöschen und im Menschengeiste niemals sich verdunkeln sollte. So legt denn auch Secharjah im vierten Capitel den goldenen Leuchter mit sieben Röhren und Lampen als den „Geist Gottes" aus, der in Israel wieder zu brennen beginne (im zweiten Tempel).**) Je einfacher und klarer dies ist, um so schwieriger, den rechten Sinn des Schaubrodtisches zu finden. Glaubte doch selbst Maimonides, den Versuch hierzu aufgeben zu müssen, t) Und doch erweist wohl kein anderer Theil des Heiligthums seine und des Ganzen symbolische Natur mehr als dieser Schaubrodtisch. Denn hier handelt es sich ja nicht um eine Opfergabe, welche der Flamme übergeben wird, sondern um ein Hinstellen und *) Völlig unzutreffend ist die von so vielen nachgebetete Auslegung Philo's, daß der Leuchter die sieben Planeten vorstelle; das h. Wort nimmt nirgends auf solche Naturgegenstände Rücksicht, und selbst in der Schöpfungsgeschichte kommt nichts von den sieben Planeten vor. **) Es versteht sich, daß auch die Einzelheiten an dem Leuchter der symbolischen Bedeutung theilhaftig waren. Die Mandelblüthenkelchc, die Aepsel und Blumen geben leicht sinnreiches Gleichniß ab. Der Mandelbaum wird von alten Autoren gerühmt, daß er von allen Baumen zuerst Blüthen treibe und Früchte reife, und er wurde daher das Symbol der Wachsamkeit (nHw). Man vergleiche den Stab Ahron's 4 Mos. 17, 16—24, den Mandelstab des Jeremias, da er als Wächter des göttlichen Wortes eingesetzt wird 1, 11. Wir ersehe» also an den Verzierungen des Leuchters, daß das Licht der Erkennmiß, immer wachsam und wirkend, Blüthen und Früchte am Baume des Lebens treibt. t) Mor. Neb. 3, 45. Fälschlich erklärt er den Namen Hilch. Temid. 5, 9 □■an o■'ts ib -rrr-o.

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