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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-15 · Heft 25 (15.6.1875) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 25 (15.6.1875)
Date
1875-06-15
Page
Seite 393 (sequence 3)
Language
German
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393 Unterricht und was er erzielt, nur sehr beschränkt bleibt, und nach den gegebenen Verhältnissen bleiben muß. Man ist froh, wenn man bei den Knaben das Verstandniß der täglichen Gebete und einiger Stöcke des Pentateuch's im Original erreicht; bei den Mädchen natürlich noch weniger. Im Religionsunterrichte werden nun einige Schriftstellen als Belege bei den einzelnen Lehrsätzen angeführt. Dies ist nun Alles, was das jüd. Kind aus der h. Schrift kennen lernt, und es versteht sich von selbst, daß dieses geringe Maß mit den Jahren sich noch mehr im Gedachtniß und Seelenleben verliert. Kann man sich da wundern, daß unter diesen Umständen jede ausgedehntere Kenntniß der h. Schrift immer mehr verschwindet? Allerdings ist für jedes Wiffen, welches das Leben nicht unmittelbar fordert, das Knaben- und erste Jünglingsalter die Zeit der Grundlegung, auf welche sich selbst jeder weitere spätere Fortschritt stützt. Wir haben daher immer empfohlen, daß bei dem Religionsunterrichte für Knaben und Mädchen einige Zeit dem Lesen der Bibel in der Uebersetzung und der dabei nölhigen Erklärung bestimmt sein muß, so daß neben dem Unterricht in der hebräischen Sprache dieses Bibellesen mit Erklärung ein fortlaufender Unterrichtsgegenstand sein muß, nicht sowohl im zarten Kinresalter, als vielmehr etwa vom zwölften Jahre an. Welchen herrlichen und dabei mannigfaltigen Unterrichtsstoff bietet z. B. das Lesen — selbstverständlich immer mit angemeffener Erklärung verbunden — der Sprüche Salomonis, vieler Psalmen, res zweiten Jesajas, des Buches Hiob, umfänglicher Stücke der historischen Schriften, des Buches Esra und Nehemia u. f. w.? Die Befürchtung, daß durch das Bibellesen in der Muttersprache die Erlernung des Hebräischen verdrängt würde, scheint uns durchaus nicht am Platze. Wir fürchten vielmehr, daß jemehr die Juden von der h. Schrift überhaupt entfernt werden, sie nur um so weniger das Bedürfniß für die Sprache der h. Schrift bewahren werden. Ist im Gegentheil die Liebe zur h. Schrift wieder wahrhaft in ihnen geweckt, so drängt diese sie auch zur Ursprache derselben hin. Die Leiter des Religionsunterrichtes mögen daher ohne Verzug das regelmäßige Bibellesen einführen, und sie werden bald ihre Befriedigung an der wachsenden positiven Kenntniß der Religion in ihren Zöglingen haben. Fragt man uns aber, woher wir wiffen, daß das Bibellesen nicht bereits an vielen Orten zum regelmäßigen Religionsunterrichte gehöre? so antworten wir: es liegen zahlreiche Jahresberichte über jüdische Religionsschulen vor uns und kaum in einem oder dem anderen finden wir das Bibellesen aufgeführt. Ein anderes Zeugniß haben wir in der Erfahrung der israelitischen Bibelanstalt. Dieselbe hatte selbstverständlich auch eine Ausgabe der deutschen Uebersetzung allein veranstaltet. Aber von dieser sind in fast zwei Jahrzehnten die Exemplare so überaus langsam gefordert worden, daß, nachdem diese endlich vergriffen war, die Beranlaffung nicht vorlag, eine neu« Auflage zu veranstalten. Zum Bibellesen in einer Schule aber macht sich doch die deutsche Uebersetzung in einer besonderen Ausgabe zum Bedürfniß. Es fehlt also in unsren Schulen das Bibellesen noch fast gänzlich, und daher die verwüstende Unkenntniß der h. Schrift in dem gegenwärtigen jüdischen Geschlechte. Dies ist aber eben um so weniger entschuldbar, als es an den nothwendigen Hülfsmitteln auch für den Lehrer zur Erklärung der Texte nicht mehr gebricht. Die Symbolik des mosaischen Hciligthnms. IV. Wir haben also die Lade mit der Sühnplatte als die Offenbarungsstätte Gottes an Israel (dies als Organ der Menschheit), als die Stätte der Verbindung Gottes mit Israel, symbolisch durch die Cherubim überwacht und begrenzt, und somit als den eigentlichen Focus des Heiligthums lim „Allerheiligsten") erkannt. Stellen wir uns schon jetzt einen Augenblick vor, wie im „Hofe" der Opferaltar, zugänglich dem ganzen Volke, in reffen Namen und von ihm die Opsergaben erhaltend, stand. Er war die Opferstätte, also die Stätte der Vermittelung zwischen Israel und Gott in symbolischen Acten, der Verbindung Israels mit Gott, der Erhebung Israels zu Gott. Da sehen wir nun gewissermaßen eine Ausströmung von jener Offenbarungs- und Verbiudungsstätle Gottes mit Israel nach außen zum Volke Israel, wie wiederum von der Opfer- und Vermittlungsstätte Israels mit Gott nach innen zum Focus des Heiligthums hin. Beide geschahen durch das „Heilige", und wurden symbolisch getragen, die erstere von der Lade zum Volke durch den Leuchter und den Tisch, die andere vom Opferaltar zur Lade durch den Räucheraltar. Beschäftigen wir uns jetzt vorläufig nur mit dem Leuchter und dem Tisch.*» 2. Der Leuchter und der Schaubrodtisch. Wir haben uns den Leuchter am einfachsten so darzustellen: aus einem Stücke reinen Gdldes getrieben, hatte er ein Postament**), aus welchem sich das Rohr, der Stock des Leuchters erhob aus dem wieder rechts drei und links drei Röhren oder Arme ausliefen, deren Höhe eine gerade Linie bildete 1-,; der Stock und die Arme trugen Lampen, deren Richtung als mit der Fronte des Leuchters gleichlaufend angegeben wird.1"b) *) Es ist nicht zu übersehen, daß die h. Schrift selbst den Räucheratiar vom Leuchter und dem Tisch (2 Mos. 25) trennt, und erst nach der Priesterweihe (Cap. 30) beschreibt. Wir stellen den Leuchter voran, weit dessen Betrachtung weniger Schwierigkeiten bietet. **) Nach den Rabbinen mit drei Füßen, Maim. zu Menachotl, -j-) So giebt die Tradition an, und ersieht man es auf der Abbildung auf dem Triumphbogen des Titus. -f-h) Die Tradition läßt die Lampen der Arme nach dem Blocke des Leuchters gerichtet sein. Ader rr:5 “13" •" (B. 37,, was 2b*

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