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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-08 · Heft 24 (8.6.1875) · p. Seite 385

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 24 (8.6.1875)
Date
1875-06-08
Page
Seite 385 (sequence 11)
Language
German
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385 Druck erscheinen zu lassen. So geschah es. Da ich aber noch Gymnasiast war, so mußte der Name meines Bruders statt des meinigen auf das Titelblatt kommen. Aber auch die Vorrede mußte ich allein abfasien, da mein Bruder zufällig verreist war, und dies war keine kleine Verlegenheit für einen fünfzehnjährigen Knaben. Dennoch, und dies scheint mir bemerkenswerlh, enthält dieses Vorwort einen Gedanken, der mir jetzt wie eine Wurzel bedünkt, aus der spater manche Bestrebung für mich hervorsproßte. Nachdem ich nämlich einige Gedanken über die Bedeutung der Propheten ausgesprochen, schließe ich: „Erreiche ich aber, daß ich in dem Geiste nur Einiger, vorzüglich unter den Israeliten, wo der Sinn für ihre alterthümlichen Schriften und ihre ehrwürdige ehemalige Muttersprache jetzt so sehr gesunken ist, die Liebe zu denselben etwas erwecke, so wird dies mein schönster, größter Lohn sein!" Die Beobachtung war richtig und der ausgesprochene Zweck hat mich niemals verlasion. Einige Jahre waren verfloffen, und ich studirte in Berlin. Ich verkehrte dort in dem Hause des Or. I. Heinemann, des Mitgliedes des ehemaligen israelitischen Consistoriums des Königreichs Westphalens, des Herausgebers der Zeitschrift Jedivja. Er war ein tüchtiger Hebräer und peinlicher Talmudist, und verdankte ich ihm hierin manche Unterweisung. Ich halte mir aus dem Gunde der aristotelischen Poetik in Verbindung mit den damals sehr verbreiteten Ideen Creuzer's, eine eigenthümliche Ansicht gebildet von einer urmythologischen Phase des Menschengeistes, aus welcher einerseits das philosophische Denken, andererseits die spätere mythologische Gestaltung der antiken Religionen emporgesprossen sei. Ich suchte diese Ansicht auch in der heiligen Schrift, und — fand sie natürlich darin. Auf dem Grunde einer ausführlichen philologischen Beweisführung stellte ich diese Ansicht in einer Abhandlung dar: „Ueber das mythische vorhomerische Zeitalter und desien Spuren in den Denkmälern des hebräischen Volkes". Sie wurde abgedruckt im ersten Hefte des 8. Bandes der Jedidja (1831). Diese, trotz der philologischen Gewandung rein speculative Ansicht wurde durch die später erfolgte Entwickelung der vergleichenden Sprachwiffenschaft, theils beseitigt, theils bestätigt. Bemerkenswerth bleibt darin immer noch Einiges, z. B. die Vergleichung der Schöpfungsgeschichte mit der Kosmogonie des Anaxagoras, die später von Mehreren benutzt ward. Der Herausgeber der Jedidja spielte mir aber hierbei einen argen Streich. Er mußte fürchten, daß an dem Ausdruck „mythologisch", der hier gewiß in harmloser Weise angewendet wurde, Anstoß genommen werde, und verwandelte es durch den ganzen Aufsatz hindurch in „mystisch", wodurch die ganze Anschauung verworren und verballhornt ward. Ich war, als ich das Heft in die Hände bekam, sehr entrüstet, aber was half mir dies? Es war geschehen, und der Herausgeber hatte mir dadurch erwiesen, daß er meinen ganzen Aufsatz nicht verstanden. Nachdem ich einige Jahre im Amte und in der Literatur thätig gewesen, konnte es mir nicht verborgen bleiben, wie nothwendig es sei, der Kenntniß und dem Studium unsrer heiligen Schriften im Gewände der neuern Zeit und des wissenschaftlichen Geistes einen neuen Impuls zu geben. Besaßen wir doch noch nicht einmal eine Uebersetzung der gesammten heiligen Schrift und keinen Commentar in einer der neuern Sprachen. Schon von 1836 an traf ich Vorbereitungen zu einem solchen Werke. Wie es aber nicht selten begegnet, wenn eben ein Bedürfniß sich überall fühlbar macht, traten jetzt die beiden Bibelübersetzungen an's Licht, welche mehrere Gelehrte unter Redaction von Zunz, und die, welche Salomon, nur mit Beihülfe Mannheimer's, veranstalteten. Mein Plan ging weiter, und war ich auch von beiden Uebersetzungen nicht ganz befriedigt. Die eine war in ihrer Treue zu steif, die andere strebte zu viel nach Eleganz des Ausdrucks; mir schien der Mittelweg richtiger. Aber auch hinsichtlich der Commentirung erschien die verdienstvolle Arbeit Herxheimer's mit meinem Werke zugleich. Doch auch über diese hinaus war mein Plan umfasiender angelegt. Ich verband mich mir der Verlagshandlung < Baumgärtner i zu einem größern Bibelwerke, das Text, Uebersetzung, ausführlichen deutschen Commentar und Einleitungen zu jedem einzelnen Buche, sowie auch Schlußbetrachtungen umfaffe, für welches sie die Stöcke von 500 feinen englischen Holzschnitten antiquarischen, topographischen und naturhistorischen Inhalts anschaffte, und das in einer vorzüglichen Ausstattung erscheinen sollte. Ich verfolgte darin die Tendenz, das Wichtigste und Abweichendste in der Exegese aller Zeilen, aus den jüdischen wie christlichen Erklärern zusammenzuftellen und kritisch zu beleuchten. zugleich aber in den eigensten Gedankeninhalt einzugehen, den geistigen Zusammenhang aufzusuchen, das Zerstreute — z. B. im Gesetze — überall zusammenzustellen, und so die Bibel durch die Bibel selbst zu erklären. Das Werk erschien von 1839 an in Lieferungen, und ward 1853 vollendet. Es wird immerhin dem deutschen Judenthume zur Ehre gereichen, ein solches Werk ermöglicht und gefördert zu haben. Die Verlagshandlung hatte auf die Herstellung desielben die Summe von 17,400 Thalern zu verwenden, und dies war vor 35 Jahren noch mehr als heute. Dennoch, obschon der Ladenpreis des in drei sehr starken Quartbänden erschienenen Werkes 24 Thaler betrug, war die erste Auflage von 2000 Exemplaren zwei Jahre nach desien Vollendung vergriffen, und eine zweite Auflage erschien , die gegenwärtig bis auf wenige Exemplare ebenfalls erschöpft ist, von dem Pentateuch allein auch eine dritte. Auch die Psalmen wurden in einer besondern Ausgabe ausgegeben. Endlich wurden 1863 der Pentateuch und Jesajah ohne Text und Holzschnitte, also nur Uebersetzung, Commentar und Einleitungen in einer handlichen Ausgabe veröffentlicht. Die Uebersetzung des Pentateuchs allein wurde stereotypirt „für Haus und Schule" herausgegeben. Später entschloß ich mich auf vielfach ausgesprochenen Wunsch in derselben Ausstattung lText, Uebersetzung und Commentar» die ni-iwLT-7 mit einer ausführlichen 24*

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