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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-08 · Heft 24 (8.6.1875) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 24 (8.6.1875)
Date
1875-06-08
Page
Seite 378 (sequence 4)
Language
German
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378 unterbrochene in diesen Kundgebungen der bittersten Feindseligkeit wurden uns durch die gleichzeitigen Mittheilungen aus Amerika, Paris, Wien u. s. w. völlig klar und geben die Gewißheit, daß hierfür überallhin eine Parole ausgegeben worden, und dies kann nur aus Rom selbst geschehen sein, wenn nicht vom weißen, doch vom sg. schwarzen Papste. Dies muß denn auch die letzten Bedenken überwinden, auf dem Wege, welchen die preußische Staatsregierung eingeschlagen, dieser getreulich zu folgen. Wenn ein Gegner mit allen Waffen, selbst mit tödtlichem Gifte den Kampf unternommen hat, so muß man seinerseits auf jede Weise losschlagen, um sich feiner zu erwehren und sich von ihm zu befreien. Ob dabei innerhalb der eigenen Grenzen manche schöne Blüthe zertreten und die Gefahr hervorgebracht wird, daß von den Kampfmitteln einige auch der eigenen Partei schaden könnten, kann bei einem solchen Kampfe um die ganze Existenz nicht berücksichtigt und muß jeder derartige Zweifel aufgegeben werden. Wir muffen, wenn auch mit tiefem Bedauern erkennen, daß der Ultramontauismus den Katholicismus mißbraucht, um denselben wie in der finstersten Zeit zu einer reichen Quelle des Wahnglaubens und zugleich des Haffes zu machen. Man kann doch die Augen nicht verschließen vor dem, was unter dem hellsten Lichte des Tages überall entgegentritt, wenn die höchsten kirchlichen Würdenträger selbst bei Feierlichkeiten fungiren, wo, wie z. B. jüngst in Douai der kraffeste Aberglaube zum Gegenstände der Gottesverehrung gemacht wird. Und wenn es die Vorkämpfer der Kirche mitten in einem heftigen Kampfe wider überlegene Gegner es für angemessen erachten, nebenbei auch gegen die Juden, die unparteiisch zusehen konnten, in dem Herzen des Volkes den ungezähmtesten Zorn zu erwecken, so wird es doch zweifellos, daß Haß und abermals Haß Alles ist, was diese Partei zu gebären vermag. Das dunkelste und roheste Mittelalter soll über uns, über die ganze Zeit, über die ganze menschliche Gesellschaft gebracht werden. Dies wird aber zur größten Gewißheit, wenn auch Zweck und Ziel ohne Scheu ausgesprochen werden, um derentwillen diese beiden Ströme des Aberglaubens und des Haffes ausgegoffen werden. Der Shüabus ist eine durchaus offene Kriegserklärung, die von vornherein den Preis des Kampfes und folglich auch des erwarteten Sieges feststellt: die Uuiversalherrschaft des Papstes, die Unterordnung der Völker und Fürsten, die Unterwürfigkeit unter dessen Gebote, und zu diesem Zwecke die Vernichtung aller freiheitlichen Rechte, welche sich die bürgerliche Gesellschaft in einer langen und schweren Entwickelung errungen hat. Unter solchen Umstanden muß man sich Glück wünschen, daß eine starke Regierung den Kampf gegen eine solche entfesselte Wutb überhaupt begonnen hat und mir Entschiedenheit fortführt. . Ob die Mittel, die angewendet werden, überall die richtigen, mit den fteiheitlichen Grundsätzen ganz übereinstimmend seien, dürfen wir jetzt nicht mehr erwägen, sondern schon von der Thatsache des Kampfes an sich uns befriedigt und gesichert fühlen. Mögen wir doch dem Gewicht dieser fteiheitlichen Grundsätze vertrauen, welche nach hergestelltem Frieden sich da schon wieder Bahn brechen werden, wo sie etwa des Kampfes wegen zurückgesetzt worden. Auch den Altkatholicismus, wenn dessen Richtung an sich uns wenig Sympathie einzuflößen vermag, müssen wir gern begrüßen, weil er doch jedenfalls in die Mauern des coloffalen Gegners eine Bresche legt, sie sei vorläufig auch noch so klein. Wird uns doch jetzt erst die ganze Bedeutung jenes Augustinermönchs des sechzehnten Jahrhunderts, des gewaltigen Luther recht klar und unschätzbar; wenn wir gewahren, welche Macht nach mehr als drei Jahrhunderten der llltramontanismus noch heute besitzt, welche Widerstandskraft jener zu besiegen hatte, um eine Reihe von Völkern der päpstlichen Herrschaft zu entreißen, welcher Muth, welcher Feuereifer, welche Ausdauer hierzu gehörten! Wir Juden haben demselben Luiher Vieles zu verzeihen und nachzusehen — aber was will das heißen gegenüber den unermeßlichen Verdiensten, die er sich um die ganze Menschheit, olso auch um uns, um die Eröffnung fteier Bahnen für Geistescultur und Humanität erworben hat! Von katholischer Seite wird ihm, selbst von aufgeklärteren Katho. liken immer vorgeworfen: er habe die Reformation in unrichtiger Weise angegriffen und diese sei deshalb verunglückt. Diese hätte vielmehr nicht mit einem tiefen Schnitte in das innerste Fleisch beginnen, sondern von innen heraus durch die Mittel der Kirche selbst entwickelt werden sollen. Nun, die Altkatholiken werden sehen, wie weit sie auf diesem Wege kommen. Uns, den Draußenstehenven scheint es, als ob bann die Reformatoren des sechzehnten Jahrhunderts die überaus günstige Constellation verpaßt hätten und die Welt, wenigsteneinen großen Theil derselben, von dem drückenden Joche nicht hätten befteien können, der sich jetzt wieder so schwer auf die Nacken der Völker zu legen sucht. Ob die katholischen Völker sich ohne den Geist, der aus der protestantischen Welr zu ihnen herüberwehete, von der Priesterherrschast so weit loslösen konnten, wie es z. B. in Frankreich und Italien geschehen, ist eine geschichtliche Frage. — Wie dem auch sei, die Ultramontonen haben selbst die Seite uns angewiesen, auf welcher wir in diesem „Culturkampfe" zu stehen haben. Wir verzichten auf die Ehre, die sie in ihrem wüthigen Geschrei uns zuertheilen, die Urheber und Vorstreiter in diesem Kampfe zu sein, denn dies ist nicht wahr; aber wir verzichten auch auf die Rolle schweigsamer Zuschauer und auf das bescheidene Loos des Abwartens. — . Auf dem jüdischen Friedhofe vor dem Schönhauser Thor fand am Sonntag, als am Geburtstage des verstorbenen hiesigen Rabbiners, Di-. Abraham Geiger, die feierliche Enthüllung des demselben gewidmeten Gedenksteines unter zahlreicher Theilnahme der Gemeindemilglieder statt. — . Eine bemerkenswerthe Antwort hat die stävüsche Schuldeputation kürzlich in einer auf den jüdischen Unterricht bezüglichen Streirfrage vom k. Provinzial-Schulcollegium erhalten. Diese Antwort lautet: „Nach Allerhöchster Cabinetsordre vom

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