Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 24 (8.6.1875)
- Date
- 1875-06-08
- Page
- Seite 377 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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377 sobald wir unS nicht mit der Oberfläche begnügen, sondern mit ihm tiefer in den Gegenstand versenken. Pr. geht jetzt auf die Frage ein, warum Moses alle diese Principien und Zwecke nicht selbst auseinandergesetzt, sondern sich begnügt hat, als alleiniges Motiv den Willen Gottes — „Ich bin der Ewige" — anzugeben? Er geht eine Anzahl Gesetze durch, selbst so scheinbar gleichgültige wie der Mißbrauch des heiligen OeleS, um den verborgenen Gedanken nachzuweisen, der dem ausrichtigen Forscher, wenn er von den Principien ausgehr, nicht verborgen bleibt. Moses drückte sich nach der Einsicht Derer aus, zu denen er sprach, und doch, meint Pr., „Unter allen Gründen, welche er für seine Vorschriften angeben konnte, war der imposanteste, der erschütterndste und, sagen wir es dreist, in der letzten Analyse der wahrhafteste, der allein wahre — der Wille Gottes." — „Gott, wie ihn Moses faßte, ist die lebendige Kraft, der wirksame Wille, die unendliche Vernunft. Er ist, er schafft, er befiehlt. Höchstes Wesen ist er das Princip alles Daseins; Thatigkeit und Leben, bewegt, beseelt und erhalt er; Intelligenz, regelt er alle Schöpfung. Die phenomenalen Umwälzungen der Welt, die sich immer zerstört und immer wieder herstellt, zeigen die Ewigkeit und die Unveränderlichkeit seines Wesens an; die Beständigkeit der physischen Gesetze, die Dauerhaftigkeit der Formen, die Rückkehr der Bewegungen bezeugen sein unbeugsames Wollen; die Verkettung der Ursachen und Wirkungen, die sorgfältige Einrichtung jedes Dinges für einen Zweck erweisen seine Weisheit. Das Dasein Gottes erprobt sich weder a priori, noch a posteriori, weil er kein Vorher und kein Nachher hat. Man sieht ihn, man fühlt ihn, man denkt ihn, man spricht von ihm, man sinnt ihm nach, man folgert über ihn. Er ist die Nothwendigkeit, das Princip und die Ergänzung von Allem; er ist das Einzige und das Allgemeine, auffasiend alle Wahrheiten in eine unendliche Kette. Wir ergreifen hier und da einige Glieder, einige mehr oder weniger große Bruchstücke dieser Kette; die Unermeßlichkeit ihres Ganzen entgeht uns. Wer einen Gedanken auseinandersetzt, giebt uns hindurch allein schon etwas über Gott; alle unsre Wisienschrften sind nur theilweise und unvollendete Darstellungen der absoluten Wiffenschaft, welche das Wissen und das Wort (sciturn et faium) Gottes selbst ist." — Wir haben diese Sätze Proudhon's hier wiedergegeben, um seine tiefteligiöse Anschauung von Gott zu erweisen. Ihm ist der Pantheismus die widerwärtigste Erscheinung unsrer Zeit, und er glaubt, daß aus ihm, würde er allgemein, die Erniedrigung des Menschengeistes und aus dem'Satze „Alles ist Gott, und Gott ist Alles" ein neuer Fetischismus hervorgehen. — Pr. geht nun die Reiche der Natur durch, und indem er deren charakteristische Züge zeichnet, fragt er, was für eine wirkliche Erklärung z. B. schon für die Zusammensetzung und Wahlverwandtschaft weniger Atome wir haben, außer dem Willen Gottes, der Anordnung Gottes, l'ordre de l)ieu. Selbst für die Verschiedenheiten der Völker, für die psychologischen Erscheinungen haben wir keine andere endliche Erklärung als den Willen und die Anordnung Gottes. Sucht man nun die Principien für die menschliche Gesellschaft auf und folgert aus ihnen in strenger Logik die wahrhaften Vorschriften für diese, so haben wir wiederum als letzte, höchste und wahre Erklärung nichts Anderes als was Moses seinen Gesetzen hinzufügt: „Ich bin der Ewige!" ,Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Notiz. Das neueste Zeitungsverzeichniß (17. Auflage) der in den weitesten Kreisen bekannten Annoncen-Expeditionvon G. L. Daube u. Co. hat soeben die Presie verlaffen. Die Uebersicht, welche daffelbe von den in Deutschland und dem Auslande erscheinenden Zeitungen und Fachzeitschriften bietet, läßt an Vollständigkeit und Genauigkeit nichts zu wünschen übrig. Die Zeilenpreise der Insertionsorgane des deutschen Reichs incl. Bayern und Württemberg sind nunmehr in der neuen Währung angegeben. Eine practische, dem größeren Inserenten jedenfalls sehr willkommene Neuerung, welche diese Catalogausgabe gegen die früheren enthält, besteht darin, daß neben den Notizen über die Auflage, Erscheinungsweise und Jnsertionsbedingungen einer jeden Zeitung auch die Einwohnerzahl der Stadt, in welcher sie erscheint, angegeben ist. Wir dürfen daher den neuen, auch in typographischer Beziehung vorzüglich ausgeftatteten Catalog als einen bemerkenswerthen Fortschritt auf dem Gebiete des Inseratenwesens bezeichnen und legt derselbe Zeugniß ab für die unausgesetzte Thätigkeil der Eingangs erwähnten Annoncen-Expedition, welche auf allen bedeutenderen Plätzen des In- und Auslandes durch ihre Filialbureaux und Agenturen vertreten ist. Deutschland. Berlin, 28. Mai. (Privathmitlh.) Vielfache Artikel in den letzten Nummern dieses Blattes haben uns so recht zum Bewußtsein gebracht, wie aus dem innersten Schooße der katho- 2r>ettau cj öuccc^ttcÜcw. lischen Kirche gegenwärtig der Ruf der Verfolgung gegen die Juden allgemein und überall hervorbricht. Nicht, als ob dies eine bis jetzt unbekannte Tharsache gewesen wäre; dazu brauchte man nur irgend welches jenen Kreisen nahestehendes Blatt zu öffnen. Aber der Einklang, der Zusammenhang und das Un- 24*